Dänemarks Kleininseln (Smålandsøerne), Ausflug nach Askø und Hygge

Hier bei uns in Süd-Dänemark gibt es viele kleine Inseln.

Der folgende Text ist ein Auszug und stammt aus dem Buch Goldene Herbsttage auf dem Brombeerhof. Er enthält aus technischen Gründen allerdings nicht die gleichen Fotos wie im Buch, wo alles ausführlicher illustriert ist:

Goldene Herbsttage auf dem Brombeerhof

Neulich waren wir auf Askø gewesen, die im Smålandshavet liegt. Diese kleine Insel liegt nördlich von Lolland und westlich von Falster/Seeland.

Es handelt sich dabei wirklich „nur“ um eine ganz, ganz kleine Insel. Aus diesem Grunde hat man sie auch mit Lilleø verbunden. „Lille ø“ bedeutet in der Tat „kleine Insel“.

Das Gleiche hat man übrigens auch mit Fejø und Skalø gemacht. Selbst Møn und Ulvshale sind mit einem Damm verbunden! Das ist hier also so gang und gäbe, dass man die winzigen Inseln miteinander verbindet, wenn sich dies unproblematisch einrichten lässt.

Møn ist sicher die bekannteste dieser Inseln, was vermutlich auch an den dramatischen Kreidefelsen (Møns Klint) liegt und vielleicht auch daran, dass Rügen so ähnlich aussieht und gar nicht so weit entfernt ist.

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Doch ich wollte von Askø erzählen. Es war der „Tourismus-Tag“ (Tourismens Dag) gewesen und die Insel hatte sich darauf eingerichtet, einen großen Besuchersturm entgegen zu nehmen. Nun ja… ein großer Besucherstrom fällt hier auf dem Lande (und ganz besonders auf einer winzigen kleinen Insel in der Mitte von nirgendwo) nie so besonders groß aus!

Das wirkte sich dann letztendlich eher so aus aus, dass die ganze Inselbevölkerung sich fein anzog und auch schon seit Tagen gebacken und Smørrebrøds geschmiert hatte, die anschließend im einzigen Laden der Insel und am Hafenkiosk verkauft wurden. Insel-T-Shirts gab es ebenfalls und natürlich Eis und knallrote Würstchen.

Ist doch klar, rote Würstchen gehören ja schließlich zu Dänemark, wie Dannebrog (die dänische Flagge) und Wienerbrød (dänisches Plundergebäck)!

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Wir waren sehr früh aufgebrochen, um sicher zu sein, dass wir genügend Zeit hatten, um alles zu sehen und auch keine Veranstaltung verpassen würden. Letztendlich sahen wir uns Apfelplantagen, Bauernhöfe, Galerien, einen Flohmarkt und natürlich die Natur an. Strände gibt es auf so einer Insel natürlich wie Sand am Meer – und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Am Schönsten war aber vielleicht ein kleines privates Konzert, obwohl es etwas verregnet war. Doch das war etwas so richtig persönliches, das auch sehr gemütlich war. Gemütlichkeit (hygge) wird hier ja immer sehr groß geschrieben!

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Da war aber auch noch das winzig kleine Heimatmuseum, das direkt neben dem „Præstegård“ (Pfarrhof) gelegen war. Dort hatten die örtlich ansässigen Damen alte Schätze ausgestellt, die sie von ihren Vorfahren geerbt hatten. Das Museum war ganz winzig und dennoch irgendwie wundervoll romantisch eingerichtet. Die Damen waren auch fast alle anwesend und strahlten vor Stolz darüber, wie sie all die alten Dinge so wunderschön wieder hergerichtet hatten.

Mir gefiel die Stimmung. Man war dort noch so herzlich, wie man es sich immer von einer so kleinen Gemeinde vorstellt. Alle waren freundlich, offen und auch sehr neugierig. Sie hatten tatsächlich aufrichtiges Interesse an ihrem Nächsten. Das war etwas, das mich sehr beeindruckte, denn wer interessiert sich in der heutigen Welt noch für seinen Mitmenschen? Es ist den Menschen doch mehr oder weniger egal, was ihr Nachbar macht. Doch da, im Præstegård, war es eben nicht egal, da schien man noch wirklich für einander da zu sein.

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Das konnte man überraschenderweise auch auf dem Friedhof merken. Nicht nur war er wunderschön bepflanzt und gepflegt. Neben uns hatten doch tatsächlich unterschiedliche Familien ihre Decken ausgebreitet und machten ein Picknick! Nun sollte man doch meinen, dass es auf einer Insel wesentlich romantischere Plätze gäbe, als gerade einen Friedhof.

Das besondere an diesem Ort war aber die Atmosphäre. Ja, man stelle sich das vor! Genau das ist es doch an den meisten Friedhöfen, das, was überhaupt nicht schön ist!

Hier war aber alles ganz anders.

Ich sah mir die alten Gräber etwas genauer an.

Die alten Grabsteine waren wunderschön verschnörkelt und es schienen hier ganze Familien zu liegen, die alle recht alt geworden waren. Auf den Grabsteinen stand oft: „Vielen Dank für all das, was du für uns getan hast“. Auch das schien ehrlich gemeint zu sein.

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Überhaupt war es auf der Insel unglaublich friedlich. Man konnte hier so richtig die Seele baumeln lassen. Ich war überrascht, dass mir das noch auffiel. Unsere eigenen Bed&Breakfast-Gäste erzählten uns ja oft, wie ruhig es bei uns sei und dass sie wie „ein Murmeltier“ geschlafen hätten. Bei uns steht die Zeit schon still, jedenfalls wenn man sich in der Galerie oder im Garten befindet.

Hier auf Askø war es jedoch noch dramatischer. Da ging die Zeit schon fast rückwärts! Das war wunderschön. Man fühlte sich irgendwie zuhause, wenn auch (noch) nicht zugehörig.

So nett, wie die Leute im Pfarrhof waren, würde es auch sicher nicht lange dauern, bis man dazugehörte, wenn man tatsächlich einmal hier herzog!

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Unsere Tagesausflüge zu den kleinen Inseln enden eigentlich immer gleich. Nach einem ereignisreichen Tag nehmen wir eine der letzten Fähren zurück und fahren mit der untergehenden Sonne um die Wette nach Hause.

Das letzte Mal lief es jedoch nicht ganz so reibungslos ab. Auf der ganzen Insel (und auf der Fähre eigentlich auch) war irgendwie Partystimmung angesagt gewesen. Außerdem hatten wir uns etwas zu viel auf (und vor allem auch in!) dem Wasser aufgehalten und hatten somit nicht nur einen beachtlichen Sonnenbrand, sondern vermutlich auch noch einen leichten Sonnenstich davon getragen.

Als wir von der Fähre fuhren, vergaßen wir daher, die Handbremse richtig zu lockern und somit war sie noch immer leicht angezogen, als wir auf der Straße waren.

Tja… nachdem es dementsprechend roch, hielten wir selbstverständlich an, um nach dem Rechten zu sehen.

Glücklicherweise war nichts so heiß geworden, dass es anfing zu brennen und somit schafften wir es dann doch noch, in einem Stück nach Hause zu kommen.

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Wenn jetzt jemand neugierig geworden ist, was unser Ausgangspunkt war, das war der Brombeerhof, der ein Ferienhof ist und Bed&Breakfast für Touristen anbietet.

Wer mehr über Dänemark wissen möchte oder über andere Orte in Skandinavien oder über Kunst, Kultur, Kulinarisches oder über die Lebensbedingungen in Skandinavienwissen, kann in unserem grossen Skandinavien-Archiv nachschauen oder im “Herbst und Winter”-Archiv sehen, wie man bei uns im hohen Norden die kalte Jahreshälfte auf die traditionelle, hyggelige Art erlebt und auch feiert oder es sich zumindest auf die hyggelige Art gemütlich macht.

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Hygge ist bei uns nämlich etwas ganz Wichtiges.

Leider ist es in den letzten Jahren völlig kommerzialisiert worden, da viele Verlage, die gar nichts mit Skandinavien zu tun haben, denken, dass es irgendeine neue esoterische Methode ist. Sie verstehen weder unsere Mentalität, noch unseren Lebenstil, noch unsere Werte und schreiben dann Dinge, über die man dann nur noch so staunen kann.

Daher haben wir versucht, all das was die unterschiedlichen Formen von Hygge in Wirklichkeit ausmacht, hier einmal kurz zu definieren:

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Bildnachweis:

Alle Bilder stammen vom NVP-Verlag

One thought on “Dänemarks Kleininseln (Smålandsøerne), Ausflug nach Askø und Hygge

  1. Pingback: Bootsverleih in dänischen Städten – NVP – Der Skandinavien-Verlag

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