Ein Rezept für eine funktionierende Beziehung?

Der nachfolgende Text is ein Auszug aus dem aller ersten Solkrogen-Roman. Zwei Romanfiguren unterhalten sich draussen in der klirrenden Kälte, zwischen Weihnachten und Silvester und diskutiert wird auch das Thema “Beziehung”.

Winter_auf_dem_Brombeerhof067

Bereust du heute, dass Ihr so wenig Zeit miteinander verbracht habt?”

Es nützt nichts, die Vergangenheit zu bereuen, Katharina! Und wer weiß, hätten wir tatsächlich mehr Zeit miteinander verbracht, hätten wir sicher alle unsere Differenzen entdeckt und unsere Ehe wäre vermutlich recht bald zerbrochen. So aber blieb der Zauber erhalten. Du hast Glück mit Jonathan, ihr seid wirkliche Freunde und Partner in jeder Beziehung. Nicht jedem ist dies vergönnt.”

Aber da war ich nun wirklich nicht einer Meinung mit ihm!

Alle reden immer darüber, wie verliebt Jonathan und ich anscheinend seien! Ja, du hast recht, wir sind nicht nur oberflächlich verliebt, sondern Partner in jeder Beziehung. Doch mit deiner Andeutung, dass es Glück ist und dass es vielleicht nur Wenigen vorbehalten ist – damit stimme ich absolut nicht überein! Ich weiß, du bist um so viele Jahre älter als ich und manchmal denkst du, ich bin unglaublich naiv und impulsiv”,

ich suchte nach Blickkontakt,

– das denkst du doch, oder?”!

Er versuchte so halbwegs, ein Lachen zu unterdrücken und nickte zustimmend.

Siehst du, das wusste ich doch! Weißt du, das, was du als meine jugendlich Naivität abtust, ist mir sehr teuer. Für mich ist es nämlich der springende Funke des Lebens, den die meisten spätestens dann aufgeben müssen, wenn sie das Elternhaus verlassen und mit der unbarmherzigen Wirklichkeit der Erwachsenenwelt konfrontiert werden. Nie und nimmer will ich meinen so unschuldig aussehenden, unabhängigen Optimismus aufgeben!“

Er schmunzelte.

Ja die Beziehungssache, Ture… du wirst lachen… es hat nicht im geringsten etwas mit Verliebtsein zu tun! Es ist wirkliche Liebe. Und die entsteht aus gegenseitigem Respekt, aus Verantwortung übernehmen und dem unermüdlichen Austausch von Ideen und Visionen. Daher haben wir so viel gemeinsam und das wirkt sich natürlich in der Affinität füreinander aus. Ja, nix mit oberflächlicher Romantik! Es ist harte Arbeit und hat viel mehr damit zu tun, wie weit man willig ist, sich für die Interessen des anderen zu interessieren und ihm dann die eigenen Interessen zugänglich macht.”

Ich musterte ihn, eigentlich in der Erwartung, dass meine besserwisserische Rede ihn zu Tode gelangweilt hatte und er mir nun am Liebsten den Hals umdrehen würde. Doch er hatte tatsächlich aufmerksam zugehört und hatte diesen Blick, als wenn er angestrengt über etwas nachdachte. Es erinnerte mich fast an unsere damaligen Unterrichtsstunden. Nur hatten wir die nie draußen in der kalten Nachtluft abgehalten.

Da mag theoretisch schon was dran sein. Aber könntest du dir Maria vorstellen, wie sie Einsteins “Mein Weltbild” liest? Und wie ich enthusiastisch durch Fitnesscentern und über Sportplätze hetze? Nein, sie hätte sich nie für irgendetwas begeistern können, das mir wichtig ist und umgekehrt war ihre Welt auch nicht die meine.”

Das ist doch genau der Punkt! Ihr hattet nicht den Wunsch, die Welt des anderen zu erobern.”

Ja, das ist wohl wahr. Doch geliebt habe ich sie trotzdem!”

Das ist auch gut so. Und wenn ein solche Beziehung für beide Partner ausreichend ist, dann ist dagegen auch nichts zu einzuwenden. Nur kannst du dann aber nicht sagen, dass es nur Jonathan und mir vergönnt ist, ein so tiefgehendes Verhältnis zu haben! Und im übrigen glaube ich auch nicht, dass man für immer und ewig auf den richtigen Partner warten muss. Vermutlich kann man eine gute Liebesbeziehung mit fast jedem Menschen kreieren, solange nur eine grundlegende Affinität vorhanden ist und beide sich über das Ziel und die Bedingungen und vor allem über den Arbeitseinsatz einig sind.”

Quelle:  Solkrogen 1 – Ein Jahr in Skandinavien

Ein Jahr in Skandinavien (Solkrogen 1)

 

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