Ist Reinkarnation eine Realität?

Natürlich versucht man immer, gegen Ende eines Romanes eine Steigerung zu erreichen. Im ersten Solkrogen-Roman spitzen sich die Dinge sehr dramatisch zu und münden schliesslich in unterschiedlichen Dialogen. Nachfolgend ein Auszug aus einem dieser Dialoge.

Die Location im Roman ist ein Garten, in Hafennähe, und es ist stockdunkel und Winter.

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Das Wetter war in den letzten Tagen recht milde gewesen und ab und an schien sogar die Sonne. Wir machten lange Spaziergänge am Strand und besonders die Kinder liebten es, durch den nassen Sand zu waten. Oliver und Toulouse machten auf Sommer und bespritzten sich nach Herzenslust mit ihren Wasserpistolen. – Bei nur 5 Grad Celsius Lufttemperatur!!! Versteh es wer kann, ich jedenfalls nicht! Und Lust, jeden Tag zwei Mal ihre gesamte Garderobe zu waschen, hatte ich auch nicht!

Die Tage um die Sonnenwende herum sind die kürzesten und bringen die längsten Abende des Jahres mit sich. Nachdem die Kinder ins Bett gegangen waren, saßen wir Erwachsene noch ein wenig zusammen und diskutierten so manches Thema bei Kerzenlicht. Das nennt man hier “Hyggetimen”, die Stunde der Gemütlichkeit. Jedoch wurde mir einmal auch recht ungemütlich zu Mute.

Maria hatte ein Sprichwort: “Miraklernes tid er stadigveg ikke forbi!” – Wenn alles wirklich aussichtslos wirkte, pflegte sie ihre goldene Mähne mit einem verschmitzten Lächeln zur Seite zu werfen und sagte mit einem leicht herausfordernden Unterton in der Stimme: “Die Zeit der Wunder ist noch lange nicht vorbei!” Und richtig! Sie hatte es immer wieder und wieder geschafft, die unmöglichsten Dinge auszurichten und uns aufs Neue zu verblüffen! Das war Marias Interpretation des Sprichwortes. Dass es noch eine andere gab, sollte ich an jenem Abend lernen!

Wir saßen wieder einmal gemütlich zusammen und redeten diesmal über Reinkarnation und Phänomene im Übergangsbereich zwischen zwei Daseinsformen. Ich kam gerade nichtsahnend mit den Chips aus der Küche zurück, als ich Ture zu Jonathan sagen hörte:

Warum fragst du nicht Katharina? Sie müsste doch so einiges dazu zu sagen haben.”

Verwirrt wollte ich wissen

Wovon redest du?!”

Er sah mich so eindringlich an, dass mir ganz mulmig wurde und sagte ungläubig:

Kannst du dich denn an gar nichts erinnern?”

An was soll ich mich denn erinnern können?!”

Ture lehnte sich zurück und fuhr langsam fort:

Weißt du, ich habe nie an Gott oder gar an Wunder geglaubt. Für mich existierte nur das, was man sehen, anfassen, messen, analysieren und beweisen kann.”

Er zeigte auf meinen leeren Platz auf dem Sofa:

Komm, setz’ dich, Katharina! Ich dachte, du könntest dich zumindest teilweise daran erinnern, sonst hätte ich nichts gesagt.”

Er holte tief Luft.

In der Nacht deines Unfalls warst du im Krankenhaus klinisch tot und das für relativ lange Zeit. Ich hatte nicht gedacht, dass wir dich zurückholen könnten und schon gar nicht ohne bleibende Schäden. Es war unmittelbar danach, dass ich mich entschloss, dich nach Hause zu bringen. Ich wollte dir deinen letzten Wunsch erfüllen. Als wir ankamen, weckte Nellie die Kinder auf, damit sie dich noch ein Mal sehen konnten. Und ja, natürlich wollte ich wenigstens sicherstellen, dass du nicht unnötig zu leiden brauchtest und hatte dir genügend verabreicht… Aber dann geschah das Wunder und ich kann es nur als solches definieren! Entgegen jeglicher irdischen Chancen, und allen wissenschaftlichen Erklärungen zum Trotze, hast du die Nacht und den darauffolgenden Tag überlebt. Danach warst du außer Lebensgefahr.”

Er hielt inne und schüttelte leicht den Kopf,

Glaub mir, Katharina, du musst ein ganzes Heer von Schutzengeln gehabt haben! Nimm das nie als selbstverständlich hin! So etwas passiert nicht jeden Tag. Oder, wer weiß, vielleicht doch? Nur habe ich es noch nie zuvor und auch danach nicht noch einmal erlebt!”

Stirnrunzelnd fügte er hinzu:

Ich weiß nicht, was in jener Nacht geschah, ich kann lediglich konstatieren, dass es anscheinend wesentlich mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als ich je für möglich gehalten hätte! So Jonathan, um auf deine Äußerung zurückzukommen, wenn du jetzt von Wiederverkörperung sprichst und davon, dass wir im Grunde alle geistige Wesen sind, wer weiß, vielleicht hast du recht! Für meinen Teil muss ich wohl eingestehen, das ich seit jenem Erlebnis die alleinige Existenz des Physischen bezweifelt habe.”

Ganz bleich saß ich da. Ich konnte kaum glauben, was ich gehört hatte! Es zeichnete sich langsam eine ganz andere Perspektive vor mir auf. Was – ich soll so weit vom Leben entfernt gewesen sein? Und Ture hatte mich zum Sterben nach Hause gebracht? Dieser Gedanke war wirklich unaushaltbar! Was war da sonst noch, wovon ich keine Ahnung hatte? Du lieber Himmel!

Ich war völlig erschüttert und musste erst einmal raus an die frische Luft!

Es war ja fein, dass er die Existenz metaphysischer Kräfte erkannt hatte, aber ich hätte mir nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen können, es auf diese Art zu erfahren! Ich atmete tief durch. Der Nachthimmel war schwarz und bewölkt und die Luft erfrischend kalt und ein wenig feucht. Plötzlich bemerkte ich Ture neben mir. Er war mir gefolgt, wohl vom schlechten Gewissen getrieben. Oder auch hatte Jonathan ihn rausgeschickt.

Sag mir eine Sache, hättest du mich auch nach Hause gebracht, wenn du nicht gedacht hättest, ich würde bald sterben?”

Er schüttelte diskret den Kopf.

Nein. Doch… heute sehe ich das anders. Ich wünschte, ich hätte es auch andernfalls getan. Heute weiß ich, dass der geistige Zustand eines Patienten wesentlich entscheidender ist, als sein physischer.”

Eines Patienten??? Meine Güte, Ture, wir waren doch Freunde!”

Ich kochte fast über vor Entrüstung und Enttäuschung. Jedoch einen Grund dazu hatte ich wohl kaum, denn gerade bei guten Freunden gibt es Grenzen, was man ihnen zumuten kann!

Ich bin eine unheimliche Belastung für dich und Nellie gewesen, nicht wahr?”

Nun, einfach war es nicht!”

Er lachte.

Aber ich bin schon froh, dass es so gekommen ist. Es war auch für Nellie und mich eine einschneidende Erfahrung, aus der wir lernen konnten. Und dann ist es schön, zu sehen, dass du noch hier bist!”

Er drückte mich kurz an sich.

Undankbar und aufmüpfig kam ich mir plötzlich vor… – aber gleichzeitig auch an der Nase herumgeführt!

Gibt es da noch mehr, was ich wissen sollte?”

Er lächelte sanft.

Ich weiß nicht, an was du dich erinnern kannst und an was nicht.”

Ich kann mich an Marias Besuch erinnern, als sie auf dem Weg in die USA vorbei kam!”

Ja, wer kann das nicht!”

Wir lachten beide.

 

Quelle:  Solkrogen 1 – Ein Jahr in Skandinavien

Ein Jahr in Skandinavien (Solkrogen 1)

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