Kopenhagen zu Fuss – eine kleine Stadtbesichtigung

Gegen Ende des ersten Solkrogen-Romans mussten die beiden Hauptfiguren sich natürlich irgendwie treffen, da sie ja so lange und so ausführlich miteinander per Brief kommuniziert hatten. Akso beschlossen die Autorinnen, dass dies in Kopengagen geschehen sollte und man verfasste ein Kapitel in dem Katharina ihrer Freundin Beatrice das Zentrum von Kopenhagen zeigt, bevor sie nach Solkrogen fahren.

Nachfolgend kann man einen Auszug aus diesem Kapitel lesen und auch ein paar Bilder von Kopenhagen sehen.

Die Geschichte spielt zwischen Weihnachten und Neujahr, darum sind die Fotos natürlich auch aus dieser Jahreszeit und ein wenig dunkel.

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Komm gib mir deine Tasche. Das Auto steht dort drüben! Und dann werden wir Kopenhagen unsicher machen! Wie war denn dein Flug?”

Oh, fein. Sag’ mal, gibt es hier nicht irgendwo diese dänischen belegten Brote? Im Flugzeug gab es nämlich kaum was zu essen.”

Meinst du “Smørrebrød”?”

Ja, genau! Diese Dinger mit all dieser Garnitur obendrauf!”,

rief sie, eifrigst bemüht, mit wilden Gesten unsichtbare Berge von Gemüse vor meiner Nase aufzutürmen.

Weißt du was, das Glück ist dir hold, ich wollte dich nämlich gleich zu Ida Davidsen einladen. Sie ist die ungekrönte Königin des Smørrebrød. Komm, beeilen wir uns; ich habe einen Tisch für 11.00 gebucht. Das muss man tun, ansonsten ist es nämlich absolut hoffnungslos, dort einen Platz zu ergattern!”

Das Restaurant war voll besetzt . Es war eines der typischen Kopenhagener Lokale, wo man ein paar Stufen von der Straße hinunter in den Raum ging. Innen wimmelte es nahezu von Touristen und Geschäftsleuten, die ihre ausländischen Gäste hierher eingeladen hatten. Zunächst bewunderten wir das an der Theke ausgestellte Essen. Dies musste der Smørrebrødhimmel sein, von Lachs bis Braten gab es hier alles, äußerst reichlich belegt und dekoriert! Ein Smørrebrød besteht meist aus einer mit Butter bestrichenen Scheibe Roggenbrot. Darauf liegt in der Regel Kopfsalat und der Aufschnitt, üppig mit Mayonnaise-Salat oder Dressings verfeinert und schließlich mit Tomaten, Gurken oder anderen passenden Dingen und oft noch mit reichlich Kresse dekoriert.

Uns wurde der reservierte Tisch zugewiesen und bald darauf erschien Ida Davidsen höchstpersönlich um uns zu begrüßen und dafür zu sorgen, dass unsere Bestellung entgegengenommen wurde. Ich bestellte ein Lachsbrot, denn das lag meiner normalen Ernährungsweise noch am nächsten.

Béa war so verzaubert von all diesen verschiedensten Kunstwerken, die die dänische Alltags-Spezialität ausmachten, dass ihr die Auswahl nicht leicht fiel. Schließlich entschloss sie sich für ein Roastbeef-Smørrebrød und ein weiteres mit selbst eingelegtem Hering.

Ach, wie ist es schön, endlich hier zu sein!”

Sie legte die Hände auf den kleinen Tisch und sah mich lächelnd an.

Was machen denn deine Lieben heute ohne dich?”

Oh, die kommen schon ganz gut selbst zurecht!

So etwas essen die Dänen also zu Mittag?”

Sie deutete auf die Auslage.

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Ja, zum “Frokost”. Aber normalerweise sind die Brote etwas weniger überschwänglich belegt. Das Wort “Middag” hat man in Dänemark übrigens auch. Damit ist aber das warme Abendessen gemeint. Dieser Brauch wurde mit der Industrialisierung eingeführt, damit die gesamte Familie dann wenigstens abends gemeinsam das Mahl des Tages einnehmen konnte. Das, was du hier so hübsch angerichtet siehst, war ursprünglich die Resteverwertung des vorhergehenden Abendessens gewesen!”

Dafür schmeckt es aber absolut hervorragend!”

Sie schmunzelte mich eifrig kauend an. Unsere Teller waren inzwischen gekommen und wir waren dabei, den Inhalt vollends zu genießen.

Es gab so vieles, das wir uns zu erzählen hatten, wo sollten wir nur anfangen? Ich wollte nach Pierre fragen, aber vielleicht sollte ich doch lieber noch etwas warten.

Sag’ mal, habe ich das richtig verstanden, dass du im Mai nach New York fliegen willst?”

Hat Alice dir das erzählt?”

Ja, als ich neulich anrief und du nicht da warst.”

Richtig, da war ich gerade den Flug buchen. Oh, du weißt gar nicht, wie ich mich darauf freue! Ich wollte schon immer dorthin, aber es kam jedes mal etwas dazwischen und so habe ich die Stadt nie sehen können. Doch diesmal werde ich es durchführen! Kein Extraauftrag, kein Tornado und kein Mann können mich diesmal aufhalten!“

Etwas leiser fügte sie hinzu:

Ich musste den Flug nach Kanada ja sowieso stornieren und da dachte ich, so könnte ich mir dafür doch einen alten Traum erfüllen, anstatt der verpassten Möglichkeit nachzutrauern. Weißt du, ich vermisse ihn immer noch schrecklich. Aber ich muss akzeptieren, dass sich unsere Wege trennten und versuche nun, mich auf meine wahren Absichten und Ideale zu besinnen und meine persönlichen Ziele zu verwirklichen.”

Das ist wohl auch das Beste, was du tun kannst!”

Und was ist mit dir? Wie lief der Verkauf der Weihnachtskarten?”

Eigentlich nicht so überwältigend gut, denn ich hatte zu spät mit den Vorbereitungen angefangen. Aber aufgrund der Karten waren etliche Leute auf mich aufmerksam geworden und so konnte ich tatsächlich eine Reihe von Gemälden und drei Zeichnungen verkaufen, was unserer schmalen finanziellen Lage außerordentlich gut tat! Du hättest mal unseren Bankmanager sehen sollen, als ich mehrere Tage hintereinander mit größeren Schecks zu ihm kam! Das hatte er nie für möglich gehalten!”

Ich sah auf die Uhr. Wir wollten noch einiges von der Innenstadt sehen und so sollten wir wohl besser aufbrechen. Ich zeigte ihr “Langelinie”, den langen Hafen unserer Hauptstadt, und natürlich wollte sie die kleine Meerjungfrau sehen und war,

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wie alle Touristen, erstaunt, dass sie in der Tat doch wirklich klein war…! Weiter ging es nach “Amalienborg”, der Residenz von Dronning Magrete II. und Prince Henrik, der eigentlich “Henri” heißt, da er ebenfalls aus Frankreich kommt… Von dort kann man direkt zum Hafen hinuntergehen. Etwas südlicher liegt der alte Teil des Hafens, der paradoxerweise “Nyhavn” (neuer Hafen) heißt. Es ist einer der stimmungsvollsten Teile Kopenhagens, mit wunderschönen alten gelb- und rot

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getünchten Fassaden. Im Sommer kann man von hier aus Stadtrundfahrten per Schiff unternehmen und in den aneinandergereihten Straßencafés unter großen weißen Sonnenschirmen schlemmen und den Katamaranen zusehen, die aus Malmö ankommen. An Nyhavn grenzt “Kongens Nytorv”, ein großer runder Platz, der seit Gedenken die grüne Oase dieses Stadtteils ausgemacht hatte, bis die alten Bäume der “Elmesyge”, einer Baumkrankheit zum Opfer fielen. Neue sollen gepflanzt werden, nur kann das nicht sofort geschehen und dann müssen diese auch erst wieder wachsen. Am Platz “Kongens Nytorv” liegt das “Kongelige Teater” und hier fängt auch die Fußgängerzone an. Wir suchten nach einem Parkplatz und mischten uns unter die Menschenmenge, die die “Strøget”, die Fußgängerzone, entlang schlenderten. Hier findet man die feinsten und teuersten Geschäfte des Landes.

Auf halben Wege werden im entfernten Hintergrund “Christiansborg,” der Regierungssitz, und die Börse sichtbar.

Ein Abstecher zu Bering war auch noch drin. Klar, Béa musste doch sehen, was andere Blumenkünstler zauberten…! Zu dem noch abenteuerlicheren Tage Andersen

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schafften wir es dann aber doch nicht mehr. Doch im “Illums Bolighus” kaufte sie sich sein neues Buch, sozusagen als Trostpflaster. Und überhaupt war dieses Einrichtungshaus ganz nach ihrem Geschmack, aber leider nicht so ganz nach ihrem Geldbeutel. Ich sah, wie ihr Blick immer wieder auf das Porzellan der königlichen Porzellanmanufaktur glitt und sie sich tief seufzend über die substantiellen Preise äußerte.

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Schließlich hatten wir den Rathausplatz erreicht und konnten den Vergnügungspark “Tivoli” erspähen. Uns taten die Füße weh und reichlich Tüten hatten sich mittlerweile auch schon zwischen uns angesammelt! So nahmen wir ein Taxi zurück zum Auto und traten die lange Heimfahrt an.

Einhundert zwanzig Kilometer wohnen wir vom Zentrum entfernt und es ist, als ob man durch verschiedene Welten fährt. Das moderne Treiben ließen wir spätestens hinter Køge zurück. Danach erhält man den Eindruck, dass Dänemark nur aus Feldern bestehen mag. Als wir nach eineinhalb Stunden die Landstraße verließen und in das Gebiet unserer Gemeinde hineinfuhren, bestand kein Zweifel mehr: Hier hat die Zeit still gestanden! Der Wald, die Felder und das Meer – alles sieht aus wie eh und je! Hier ragen keine modernen Häuser aus dem Boden, die Landbevölkerung kann es sich kaum leisten, die notwendigsten Reparaturen an den alten Häusern und Höfen selbst und auf primitive Art auszuführen.

Hier fährt man keine großen Autos und hier diskutiert man auch keine Börsen-Kurse. Hier steht man früh auf, versorgt das Vieh und arbeitet bis spät in den Abend. Das Leben ist einfach und man ist noch für seinen Nachbarn da. Ein jeder ist ein wertvoller Teil der Gemeinschaft und gleichberechtigt, denn wir können weder ohne den Fischer, noch ohne den Bauern, den Bäcker, den Arzt, den Maurer, den Pfarrer, den Lehrer und schon gar nicht ohne den Mechaniker leben!

Dann kam der Hügel! Ich fuhr an die Seite und hielt an. Von hier aus konnte man die ganze Bucht überblicken.

Weißt du Béa, es ist immer unterschiedlich, wie viele Inseln du im Wasser erkennen kannst. Das hängt vom Wetter, vom Licht und vom Wasserstand ab. Die meisten sind unbewohnt und wohl eher steinige Sandbänke. Die Natur ist hier noch recht unberührt. Schau mal, dort drüben, auf dieser Insel da, ist sogar ein Vogelreservat.”

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Das Tageslicht hatte bereits merkbar nachgelassen und lange würde es nun nicht mehr dauern, bevor die Dunkelheit einfiel. Langsam rollten wir den Berg hinunter, durch das Dorf und in unseren Hafen. Wir gingen hinab zu den Stegen und wanderten zum Ende der mit Steinen befestigten Landzunge, die den Hafen begrenzt.

Das ist es also; hier wohnst du!”

Ja, das Ende der Welt; da wo Hase und Fuchs sich “gute Nacht” sagen!”

Ich habe mich so manches Mal gefragt, wie du es wohl in aller Abgeschiedenheit aushalten kannst. Doch wenn ich dies hier sehe, dann weiß ich, was dich hierher gebracht hat! Oh, ich hätte nie gedacht, dass ein Sonnenuntergang im Osten so atemberaubend auf dem Wasser reflektieren könnte! Ist das Fachwerkhaus dort drüben das eure?”

Richtig geraten! Komm, wir gehen rein, die anderen werden sich freuen, dich zu sehen! Du musst nämlich wissen, du bist mit äußerster Spannung erwartet worden und Mia und Toulouse haben nach Herzenslust gebacken und brutzelt, was die Küche hielt!”

Quelle:  Solkrogen 1 – Ein Jahr in Skandinavien

Ein Jahr in Skandinavien (Solkrogen 1)

One thought on “Kopenhagen zu Fuss – eine kleine Stadtbesichtigung

  1. Pingback: Tagesausflug oder Einkaufsbummel in Kopenhagen – mit Adressen, die momentan in sind – NVP – Der Skandinavien-Verlag

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