Wie eine Handleserin arbeitet

Der untere Text stammt aus dem Briefroman Solkrogen 3 – Nordische Abenteuer

Diesmal erzählt Katharina, wie es bei einer Handleserin war, war die Lienien der Hand bedeuten und wie eine respektable Handleserin diese deutet. Das ist nämlich etwas anders, als wie viele es sich vorstellen würden…

Solkrogen_3_image010

Solkrogen, 12/8/99

Liebe Béatrice,

Es ist nun schon dunkel, obgleich es noch nicht einmal 22.00 Uhr ist! Seit der sommerlichen Sonnenwende hat das Tageslicht mit weit mehr als einer Stunde abgenommen. Lange wird es nun nicht mehr dauern und der Sommer ist in unseren Breiten allemal vorbei!

Mitte August haben wir hier normalerweise die letzten sommerlichen Tage und danach wird es langsam Herbst. Doch die letzten Tage waren kalt und regnerisch gewesen. Ein letztes Feuerwerk schuldet uns der letzte Sommer dieses Jahrtausends also noch, bevor wir den Herbst endgültig willkommen heißen wollen!

 

Da ich schon über Wetter und Jahreszeiten rede: Gestern war Sonnenfinsternis -am helllichten Tage! Und davon abhängig, wo man sich auf der Welt befand, konnte man unter Umständen die völlige Verdunkelung der Sonne wahrnehmen.

Du wirst es nicht glauben, wo ich mich befand! Genau zu diesem Zeitpunkt war für mich ein Termin mit einer Handleserin vereinbart worden, die zugleich clairvoyant war (hellseherische Fähigkeiten besaß) und mir meine Zukunft voraussagen sollte. Das war ein Hochzeitstags-Geschenk von Jonathan gewesen. Rosen, so meinte er, seien doch so langweilig… Nun, langweilig sollte seine Geschenkidee bestimmt nicht werden!

Ich überlege gerade, wo ich anfangen soll, denn ein solches Treffen ist doch recht bewegend und hinterlässt so viele unterschiedliche Eindrücke, die weitaus mehr als nur die Oberfläche berühren. Am Markantesten wirkten auf mich zunächst die Räumlichkeiten. Düster sah es bei der Dame aus! Ein Zimmer im Keller, dunkle Wände, viel lila und einiges in schwarz. Schwere antike Möbel und irgendwo hing eine Kutte, die an ein Hexengewand erinnerte. Was für ein dramatisches Ambiente! Ob ihr Wesen wohl genauso furchterregend war?

 

Nach einer kurzen Begrüßung und eingehenden freundlichen Worten kamen wir schon zur Sache. Sie nahm meine Hand, ganz sachte, öffnete sie in einer überraschend liebevollen Art -fast so, als ob sie Hände anbeten würde und sie als einen kostbaren Schatz betrachtete, sah mir überraschend freundlich ins Gesicht und fragte:

Sag’ mal, warum zitterst du eigentlich so?”

Ja warum wohl? Hatte das nicht vielleicht auch was mit dieser Aufmachung zu tun?! Und überhaupt, was würde jetzt passieren? Vielleicht würde sie mir erzählen, dass meine Lebenslinie zu kurz sei und ich deshalb morgen vom Auto überfahren werden würde oder Jonathan nun doch was mit Elinore gehabt hatte oder dass unser Haus beim nächsten Gewitter getroffen werden wird, die Kinder unheilbar krank sind oder sonst irgendetwas Schreckliches, gegen das man nichts machen kann. Und apropos Lebenslinie – habe ich überhaupt eine? Meine Hände sehen sowieso aus, wie die einer Waschfrau… faltig und zerschunden. Maniküre war mir schon immer ein Fremdwort gewesen und mein Nagellack befindet sich unter den Nägeln und besteht aus allen Sorten von Acrylfarben, eventuell auch Anstreichfarbe… Ich schäme mich meiner unkultivierten und ungepflegten Hände. Wie sind sie doch ein Spiegel des Lebens, das man führt!

Ich wollte sie wegziehen und ihr sagen, dass die ganze Sache wohl eher ein Fehler gewesen sei und ich mich vermutlich doch lieber auf den Weg machen sollte… Doch sie meinte, ich habe schöne Hände und zeigte mir die unterschiedlichsten Aspekte, die man in ihnen finden konnte.

 

Nun, sie beherrschte wirklich ihr Fach! Nie hätte ich gedacht, dass auch die Rückseite der Hände von Bedeutung sein könnten. Nachdem sie mir meine Vergangenheit erzählt hatte (woher wusste sie bloß all das?!), war ich wirklich baff und bereit, mir den Rest anzuhören. Doch sie erhob sich urplötzlich.

 

 

Sie fragte, ob wir nicht ebenfalls hinaus gehen und die Sonnenfinsternis sehen wollten. Seit Tagen war es das Thema Nr.1 in den Medien gewesen und es gab wohl kaum jemand, der sich das entgehen lassen wollte. Nun war in Dänemark nicht all zu viel zu sehen und noch dazu war der Himmel so stark bewölkt, dass man sowieso dran zweifeln konnte, ob es die Sonne überhaupt noch gab! Aber ein Hauch von Unheimlichkeit streifte uns doch als sie sagte:   

Weißt du, dass jetzt eigentlich die Welt untergehen soll ? Doch wirklich! Etliche Leute haben sich darauf vorbereitet und einer sitzt sogar in seinem U-Boot, irgendwo im Mittelmeer oder sonst wo…”

Ich schaute verdutzt. Unglaublich, was die Leute so alles machen… Und komisch, dass sie jetzt solche Geschichten erzählt… War sie vielleicht womöglich doch eine Anhängerin der schwarzen Magie?

Ganz als wüsste sie, was ich dachte, wandte sie sich um, lächelte und fuhr fort:

Wenn man seine hellseherischen Fähigkeiten benutzt, dann sieht man in der Regel nur Bilder. Und in diesem Fall würde man also einen sehr dunklen Schatten sehen, der sich wie ein Ring um den ganzen Erdball zieht.  Ja und was sollten die Leute denn früher anderes denken -mit dem Wissensstand den sie hatten? Der große schwarze Schatten konnte doch nur Unglück und Verderben bedeuten! Heute sollte man es freilich besser wissen… Dennoch.. ein jeder versucht, seinem Bewusstseinszustand entsprechend, immer das Beste zu tun.”

 

Nachdem wir uns wieder drinnen, in dem wärmeren Raum befanden (Warum nur hatte ich dieses blöde Sommerkleid angezogen, wo wir doch Winterwetter hatten?!), erfuhr ich, dass sie eigentlich Lehrerin von Beruf war, aber es schon immer ihr insgeheim gehegter Wunsch gewesen war, Hände zu lesen und vor einigen Jahren beschloss sie, es nicht länger beim Träumen zu belassen und ihrer Leidenschaft nachzugehen.

 

Nun besah sie sich die Innenseite meiner Hände und redete von Bildern, die neben den Linien auftauchten und die sich ihr aufdrängten und viele Geschichten erzählten, mindestens so viele wie die Linien selber!

Nein, die Länge meiner Lebenslinie habe überhaupt nichts mit der Länge des Lebens zu tun, es gäbe sogar Leute, ganz ohne Lebenslinie -und sie habe nicht unter Zombies nachgeschaut, die hatten wohlgemerkt alle einen Puls!

Schön, dass sie einen Sinn für Humor hatte! Und mehr als das, es war irgendwie wundervoll, welche Freundlichkeit und guten Willen sie ihrem Gegenüber entgegenbrachte. Es kam mir so vor, als wolle sie alle guten Vibrationen von sich auf mich übertragen, während sie meine Hand hielt.

 

Meine Zukunft würde rosig werden, sie sei sich ganz sicher und ich solle nicht dran zweifeln, aber etwas mehr dafür tun, um die Dinge in die Wege zu leiten! Meine künstlerischen Fähigkeiten sollte ich nicht verkümmern lassen, sondern Kunst unter die Leute bringen. Wenn ich den Einsatz nicht scheue, dann wird mir die Welt offen stehen.

 

Recht bewegt verließ ich sie schließlich und trat nachdenklich den langen Heimweg an, denn sie wohnte in einem ganz anderen Teil Dänemarks. Eins war sicher: Sie brauchte dringend eine gute Innenarchitektin, denn diese finsteren Gemächer passten so ganz und gar nicht zu ihrem hellen und positiven Wesen!

Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Menschen getroffen habe, der einem anderen mit so viel Affinität begegnet war. Klar, sie verdiente durchaus daran. Die Leute würden wiederkommen und sie weiterempfehlen. Aber da war mehr. Sie lebte dafür, sie wollte, dass es einem gut ging, selbst wenn es das Letzte war, das sie tat. Dies war ihre Mission, so wollte sie die Welt verbessern. Eine schöne Absicht und eine zauberhafte Art, anderen Menschen zu begegnen!

So freundlich und nur das Beste erwartend und alle guten Aspekte am anderen sehend -ob das wohl auch für mich funktionieren würde? Würde mein Leben nicht viel besser sein, wenn ich nicht immer gleich das Schlimmste erwarten würde?

Wer sucht, der findet – und zwar DAS, nachdem er sucht!

 

Ich nahm mir fortan vor, sowohl anderen Menschen als auch dem Leben als solches positiv und wohlwollend zu begegnen und mich überraschen zu lassen, was passiert. Was hab ich denn schon zu verlieren? Selbst wenn nun wirklich Undank der Welt Lohn sein sollte – zumindest habe ich mein Leben fröhlicher gestaltet und vielleicht sogar ein paar Lächeln auf fremde Gesichter gezaubert!

 

Mir fällt gerade ein, etwas anderes, wirklich interessantes, fand ich neulich auch heraus: Wenn man sonst zu einer Wahrsagerin oder Handleserin geht, dann denkt man doch, die sagt einem jetzt die Zukunft voraus und dann klebt der Fluch fortan an einem und das Schicksal wird einen verfolgen, bis es einen irgendwann eingeholt hat – unbarmherzig und unausweichlich. Und so dachte ich auch, dass die Linien meiner Hand mein unausweichliches Schicksal bedeuten würden. Aber so ist es gar nicht. Sie berichten von der Vergangenheit und wie die Zukunft vom heutigen Standpunkt aussieht. Wenn ich mich dann entscheide, morgen etwas ganz anderes zu machen, das einen gravierenden Einfluss auf mein Leben hat, dann ändern sich nämlich die Linien! Es ist also nicht so, dass wir Opfer des Schicksals und Effekt von den physischen Beschaffenheiten sind, sondern wir kreieren anscheinend physische Konsequenzen jeder Art, auch die Linien in unserer Hand, selbst und können sie jederzeit ändern. Angeblich geschieht das auch automatisch, ob wir uns dessen nun bewusst sind, oder nicht. Aber wenn man sich dessen bewusst ist, kann man es also bewusst beeinflussen. Hmmm… man lernt doch immer wieder was hinzu!

Solkrogen_3_image011Die wichtigsten Linien der Hand

Lebenslinie

Stärke, Familientrieb, große Lebensänderungen, in der linken Hand liegt die Kindheit, in der rechten die Gegenwart und Zukunft

Herzlinie

unter jedem Finger hat sie eine andere Bedeutung: (kl. Finger: Verliebtsein, Freundschaft, Reisen) poröse Linien zeigen, dass man anderen gegenüber sensibel ist,

  1. kl. Finger und Ringfinger sind Liebeskummer und Immunsystem zu sehen, (Ringfinger:  feste Beziehungen), (Mittelfinger: Charakter, innere Sonne und Stärke)

Gesundheitslinie

scharf gezogene Linie: pädagogische Fähigkeiten, sanfte Linie: man sorgt und pflegt andere gerne, zwei  parallele Linien:Talent für Selbstheilung

Hauptlinie

Geld, Arbeit, Haus, Magen, Schlaf, Karrierewegweiser, Talent, Auslandsaufenthalte

Schicksalslinie

unser roter Faden: hält alles zusammen und zeigt, dass wenn wir selbst nicht die Initiative ergreifen, die Umstände es für uns tun werden.

Apollolinie

auch Sonnenlinie genannt; zeigt Erfolg an

Salomonsring

Heilungsring

Saturnring

negativer Ring, verhindert einen sich dem Leben zu öffnen

Apolloring

man hat besondere Talente, künstlerisch/spirituell

 

Quelle:  Solkrogen 3 – Nordische Abenteuer

Solkrogen 3 - Nordische Abenteuer

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s