3 starke Frauen

Während die ersten drei Solkrogen-Bücher aus Beatrices und Katharinas Sicht erzählt werden, wird das 4. Buch fast ausschliesslich aus Mias Sicht erzählt. In Solkrogen 5 kehren Mias Mutter (Katharina) und deren Freundin (Beatrice) wieder zurück und von jetzt an wird die Romanserie aus der Sicht von den 3 Frauen erzählt und das kann manchmal schon sehr interessant werden, da sie beispielsweise andere Dinge sagen, als sie denken und den einen oder anderen mit der Wahrheit verschonen wollen…

Im grossen Ganzen kann man sagen, dass

  • Beatrice die dynamische Geschäftsfrau ist, die immer alles sehr effektiv handhabt, aber wenig Emotionen zeigt.
  • Katharina hingegen ist mittlerweile bereits Oma geworden und besitzt eine sehr emotinale und sensible Seite. im Grunde geht sie eigentlich nur in ihrer Familie und in ihrer kleinen Gemeinde auf und ist künstlerisch sehr kreativ. Ausserdem lebts sie sehr ökologisch und umweltbewusst.
  • Mia ist ganz anders als ihre Mutter und würde sie als “total weltfremd” und “verträumt” bezeichnen. Mia ist durch die Welt gereist und hat ein sehr hartes Leben gelebt, was ihr eine sehr harte Lebenseinstellung, aber auch einen Realitätsinn  verleiht, der sie tatsächlich auch etwas im Leben erreichen lässt.

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Kirsebærgården, 3.6. 2013

Liebe Béa!

Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich bin!!!

Wir sind gerade eben nachhause gekommen. Das ganze Wochenende über waren wir bei Mia, um groß ihren Geburtstag zu feiern. Ich kann es immer noch kaum fassen, dass es mir wirklich vergönnt ist, sie wieder in meinen Armen zu halten! Am Liebsten wäre ich auch gar nicht mehr nachhause gefahren. Doch natürlich kann ich mich nicht immer an sie hängen. Sie ist schließlich erwachsen und muss nun ihr eigenes Leben führen. Und das macht sie auch wirklich gut. Unglaublich, dass sie es überhaupt geschafft hat, den Hof zu renovieren! Als ich sie Weihnachten zum ersten Mal wiedergesehen hatte, dachte ich, dass sie zu gar nichts mehr in der Lage sein würde. Ich bin nur so unendlich dankbar, dass wir sie behalten durften und dass sie sozusagen eine zweite Chance bekommen hat!

Und dir bin ich auch dankbar! Es ist wirklich so lieb von dir, dass du ihr den Internet-Job gegeben hast. Denn die ganze Gegend dort zählt zu den ärmsten Gebieten Dänemarks und die Jobs hängen da nicht gerade an den Bäumen. Außerdem… sie gibt sich zwar immer äußerst optimistisch und lässt sich nichts anmerken, aber du hast ja selber gesehen, dass sie kaum laufen kann.

Ach, wenn ich mir das nur vorstelle, mein kleines Baby da ganz allein im Krankenhaus, nachdem sie in Afrika auf die Landmine getreten war… wie ich doch bereue, dass ich nicht wenigstens bei ihr sein konnte!!!

Doch was soll’s, man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Das einzige Wichtige ist jetzt, dass ihre Zukunft gut werden wird!

Sag Béa, wie geht es Dir? Mia hat mir zwar erzählt, dass eure Arbeit im Verlag gut läuft, doch ansonsten sagte sie nicht viel.

Es ist schon spät und ich will gleich ins Bett. Ich bin hundemüde aber hatte eben nur schnell das Bedürfnis, dir zu schreiben um eben zu sagen, wie glücklich ich bin.

Gute Nacht, schlaf schön und träum was Schönes!

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P.S.: Schau mal, bei uns blüht zur Zeit alles so wunderschön! Ich glaub das hier ist ein Apfelbaum, dessen Blüte aber eher etwas weiß ist, wenn sie aufgeht. Im Hintergrund siehst du die Kirschblüte. Darum heißt unser Hof auch „Kirsebærgården, „Der Kirschhof“, denn hier sind so viele Kirschbäume, dass man die Kirschen früher verkaufte. Doch heute sind die Bäume nicht mehr in einem so guten Zustand und so haben wir eben nur noch reichlich Kirschen für uns selber und für Olivers Familie… und für hunderttausende von Vögeln, die hier über die Vogelfluglinie fliegen!

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Fotograf: Rhoda Winther

Vancouver, 6/10/2013

Liebe Katharina!

Sei lieb aus Vancouver gegrüßt! Wie war es doch schön, wieder einen solchen Brief von dir zu bekommen! Und du hast auch allen Grund, stolz auf sie zu sein, denn sie macht ihre Sache nämlich ausgesprochen gut. Seit sie die Abteilung leitet, ist der Umsatz um 23% gestiegen und die Kurve geht steil nach oben! Ja, ihre Zukunft wird rosig sein! Doch sag mir, Katharina, was ist mit Dir? Jetzt, wo alle Sorgen überstanden sind, hast Du dir da schon überlegt, was du nun selber machen wirst?

Dies wird nur ein kurzer Kartengruß, denn Pierre wartet auf mich. Wir sind zu einem Bankett eingeladen.

Liebe Grüße, Bea

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Fejø, Sonntag, 16.6.2013

Ich denke, ich werde mich mal wieder mit der Tagebuchschreiberei versuchen. Das funktionierte im letzten Jahr eigentlich ganz gut und half mir, meine Gedanken so halbwegs zu ordnen. Ansonsten wäre ich sicher schon längst durchgedreht.

Es ist Sommer und somit bin ich viel draußen. Man sollte meinen, dass ich in Afrika genug Sonne abbekommen habe, doch in meinen letzten zwei Jahren dort sah ich kaum einen Sonnenstrahl. Die 83 Wochen der Gefangenschaft hatte ich hauptsächlich in einem Motterloch verbracht, das einfach in die Erde gegraben und mit Wellblechplatten abgedeckt worden war, die sie dann mit irgendetwas beschwert hatten, so dass ich sie nicht wieder hochheben konnte. Danach kamen dann Krankenhaus und Rehabilitation und somit konnte ich ja auch nicht raus. Darum fühle ich mich jetzt nahezu zur Sonne hingezogen. Ja, bin schon fast zur Sonnenanbeterin geworden! Meistens gehe ich einfach nur hinter dem Haus zum Strand hinunter. Das ist zwar nur ein ganz kleiner sandiger Streifen und kein richtiger Strand und er ist auch nicht schneeweiß. Aber erstens brauche ich nicht weit zu laufen und zweitens ist es dort privat. Es muss ja nicht unbedingt sein, dass ich kleinen Kindern einen Schreck einjage. Die Explosion hat ja schließlich etwas mehr Spuren hinterlassen, als nur meinen linken Fuß zu zerfetzen.

Ja, mehr Spuren hinterlassen… das ist auch etwas, woran ich auch arbeite: Gedankeneinordnen. Ich bin es einfach so leid, ständig all diese total wahnsinnige Gedanken, samt Schuldgefühle und Flashbacks zu haben! Denke, gegen die Flashbacks kann man sicher nicht so viel machen. Denn es ist wohl einfach so, wenn etwas in der Gegenwart stattfindet, was einen auch nur entfernt an ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit erinnert, dann kommen die Empfindungen automatisch zurück, ganz so als wäre man immer noch dort und es würde immer noch passieren. Das ist sicher nur Teil der unbewussten Erinnerung.

Doch wo ich vielleicht wirklich was gegen tun kann… das sind alle meine anderen „wahnsinnigen“ Gedanken: Schuldgefühle und andere verzettelte Gedanken, die mich einfach nirgendwo hinführen. Dieser Teil ist vielleicht wirklich nur Einstellungssache.

Ich habe in der letzten Zeit viel mit Bèatrices „Positive-Thinking“-Büchern gearbeitet. Schließlich musste ich sie ja an den Mann bringen und zu diesem Zweck blieb mir wohl nichts anderes übrig, als sie auch zu lesen. Ganz ehrlich: Zunächst kam mir eigentlich nur der kalte Kaffee hoch. Zu sagen: „Denk einfach nur positiv, dann wird’s schon gehen…!“ ist eine totale Frechheit, wenn einem beinahe der halbe Körper weggesprengt wurde!!! What a nerve some of those green nutbags have to dare and suggest things like that to their fellow man!

However…

Man kann wohl kaum leugnen, dass eine positive Einstellung auch positive Erlebnisse anzieht und umgekehrt. Das zeigen ganz einfach die Statistiken des wirklichen Lebens: Fröhlichen Menschen geht es in der Regel wesentlich besser! Und selbst wenn es so sein sollte, dass sie nur fröhlich sind, weil es ihnen besser geht… dann stellt sich immer noch die Frage wie man in diesen positiven Zyklus einsteigen kann. Kann man vielleicht einfach entscheiden, dass man hauptsächlich nur noch das Positive wahrnehmen möchte und somit sein Leben um 180 Grad wenden?

Hatte mir das neulich mal so richtig zu Herzen genommen und mich entschieden, dass ich von jetzt an einfach eine weitaus positivere Einstellung haben werde und all das, was mir emotional noch Probleme bereitet, einfach hier in mein Tagebuch schreibe, damit ich es überdenken kann. Also statt mich maßlos drüber aufzuregen, schreibe ich es einfach nieder. Ich kann das dann später analysieren, wenn mir danach ist, und für den Fall dass ich zu dem Zeitpunkt noch keine gescheite Lösung gefunden habe, kann ich mich dann ja immer noch drüber aufregen. Aber in der Zwischenzeit lebe ich erst einmal so unbeschwert und so glücklich, wie ich es sich unter den Umständen nur einrichten lässt!

So… neulich habe ich mir das alles dann so mächtig gewaltig zu Herzen genommen und muss es anscheinend auch irgendwie ausgestrahlt haben, denn auf der Fähre geschah es dann in der untergehenden Abendsonne. Ein braungebrannter, schwarzhaariger Jüngling lief mir über den Weg und bevor ich mich versah, war es auch schon geschehen: Er war zu mir ins Auto gehopst und wir hatten uns ein stilles Plätzchen im Wald gesucht.

Das war das erste Mal seit mehr als drei Jahren – and I just so needed it!

Felt really good afterwards – especially also because I knew this was just a one night-stand and I was never gonna see him again.

It was just a quick and powerful thing, no strings attached. So I thought.

Quelle: Solkrogen 5

Solkrogen 5: Bitte verrate mir nicht, wie die Geschichte endet!

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