Der Samsø-Ausflug

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Die dänische Insel Samsø gehört zu den größten „kleinen Inseln“ (Kleininseln/Småøerne) und liegt nördlich von Fünen, zwischen Jütland und Seeland.

Sie besteht aus einem nördlichen und einem südlichen Teil der Insel, die beide einst von einem Kanal geteilt waren und mit diesem Kanal hat es etwas ganz besonderes auf sich: Er stammt angeblich noch aus der Wikingerzeit und ist somit eine ziemliche Errungenschaft, da man bis vor Kurzem nicht vermutet hatte, dass die Wikinger in der Lage gewesen wären, Kanäle zu bauen.

Berühmt wurde er, weil die Wikinger damals eine Seeschlacht gewannen, indem sie ihre Schiffe in diesem Kanal versteckten.

Heute ist der Kanal zwar versandet und mit Gras bewachsen, doch man kann ihn noch immer besichtigen und noch immer erkennen, wo er einst gewesen ist.

Der Kanal wurde „Kanhave“ genannt, was vermutlich so viel wie „Schiffsgarten“ bedeutet und somit auch von dem ursprünglichen Verwendungszweck zeugt.

Vor Kurzem erhielt die Insel eine neue Fähre für die Route zwischen Samsø und Seeland und sie wurde ebenfalls auf den Namen „Kanhave“ getauft.

de.wikipedia.org/wiki/Kanhave-Kanal

www.fortidsmindeguide.dk/Kanhave-Kanal.vt005.0.html

Wenn man von Kopenhagen oder vom Brombeerhof aus kommt, muss man zunächst nach Kalundborg fahren. Dort findet man einen überraschend großen Überseehafen, mit dem sich ansonsten nur Kopenhagen und Esbjerg messen können.

Samsø-Fähre

www.visitsamsoe.dk/de/transport/die-fahre-nach-samsoe

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Im Hintergrund sieht man die Stadt Kalundborg, kurz nachdem wir abgelegt haben.

Den größten Teil der Schiffsreise verbringt man im Fjord und somit hält sich der Seegang auch in Grenzen.

Kalundborg

de.wikipedia.org/wiki/Kalundborg

Früher legte die Fähre immer in dem Hafen „Kolby Kås“ an, der an der südlichen Westseite der Insel liegt. Vor Kurzem wurde aber die neue Fähre (Kanhave) in Betrieb genommen. Seitdem ist die Überfahrt kürzer geworden, da man nun in „Ballen“ von Bord geht und dieser Hafen liegt im Süd-Osten der Insel.

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Samsø ist unheimlich idyllisch. Ein klein wenig erinnert die Insel an Fehmarn, auch was den wunderschönen Geruch betrifft, der über der Insel schwebt – einer Mischung aus Meeresluft und bestellten Feldern.

Doch ist Samsø ursprünglicher und natürlicher. Hier ist noch nicht alles vermarktet und man hat noch das Gefühl, sich in freier Natur zu befinden.

Vielerorts sieht Samsø noch aus, wie eh und je. Dort gibt es noch romantische alte Häuschen und verschlafene Dörfer.

www.visitsamsoe.dk/de

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Eine „Energieakademi“ gibt es dort auch, denn auf Samsø macht man schon seit Jahrzehnten auf „grün“, was auch ganz hervorragend funktioniert, obgleich die meisten Bauern noch konventionell anbauen und somit auch das Grundwasser auf der nördlichen Insel belastet ist.

www.visitsamsoe.dk/de/inspiration/energiakademiet

Dennoch, Samsø ist ein sehr idyllisches Fleckchen Erde, was einem wie eine andere Welt erscheint, obwohl dort auch das moderne Leben zu finden ist, wie beispielsweise in Ballen.

Ballen besteht heute aus drei Häfen: dem neu angelegten Fährschiffhafen, dem alten Fischereihafen und dem Yachthafen (Marina). Zwischen Yachthafen und Fährschiffhafen findet man auch einen weißen Sandstrand, der noch nicht all zu alt zu sein scheint und auf der anderen Seite, nördlich des alten Fischereihafens, liegt das alte Ferienhausgebiet, ebenfalls entlang eines sehr langen, weißen Sandstrandes.

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Samsø ist auch wegen seines Musikfestivals bekannt, das der Insel eine reichhaltige Einnahmequelle beschert, da sich in diesen beiden Wochen halb Dänemark auf Samsø trifft.

Das Gleiche gilt übrigens auch für die Insel Femø, die im „Smålandsfarvandet“ liegt. Nur ist es dort nicht die Popmusik, die Furore macht, sondern ein etwas anderes, aber dennoch ausgesprochen gut besuchtes, Jazzfestival.

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Auf Samsø ist man nirgendwo weit vom Strand entfernt. Die meisten Menschen sind wohl nur in den wärmsten Stunden des Tages am Strand, doch wir lieben es, abends (und oftmals auch nachts) in der freien Natur zu sein.

Ich denke, mein Interesse daran wurde zum ersten Male geweckt, als ich als Kind mit einer Gruppe Studenten verreist war und wir die erste Nachtwanderung durch die Natur machten. Es hat mich einfach fasziniert, wie bezaubernd die Natur in der Dunkelheit ist und wie sehr man sich dann mit ihr verbunden fühlt.

Naturverbundenheit – das ist es, was uns auf die kleinen Inseln oder beispielsweise auch in den hohen Norden zieht.

Dass der Mensch die Möglichkeit hat, die Natur in sich aufzunehmen, mit ihr auf der selben Wellenlänge zu sein, das ist etwas, das einem ein ganz besonderes Gefühl von Freiheit verleiht, und zwar sowohl auf geistiger, als auch auf physischer Ebne.

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Um auf Samsøs natur- und umweltbewusste Einwohner zurückzukommen; es gibt unterschiedliche Initiativen, die Umweltschutz und – Umweltverträglichkeit promoten.

Der „Beyergården“ (Foto oben) ist beispielsweise ein alter Hof, der dem Økomuseum testamentarisch vermacht wurde und fortan als historischer, ökologischer Hof weiterbesteht.

An der nördlichen Spitze Samsøs befindet sich „Issehoved“, ein hügeliges Gebiet, das teilweise aber auch ein wenig an eine Heidelandschaft erinnert.

Hier ist ein Tipp: Es ist keine Gute Idee, dort mit einem großen Reisebus oder mit einem großen Wohnmobil hochzufahren. Zwar lässt sich das durchaus bewerkstelligen, doch die Straße, die durch das Naturschutzgebiet zur Spitze hinauf führt, ist nur ein sehr schmaler, holpriger Sandweg und noch nicht einmal ein guter. Dagegen sind die Sandpisten Nordlapplands (bevor sie zu Straßen wurden) der reiste Luxus!

Da ist es dann schon besser, wenn man einen der anderen Parkplätze des Naturschutzgebietes ansteuert und von dort aus zu Fuß unterwegs ist.

Ich schreibe das, weil ich gesehen habe, wie manche dort in Bussen etc. hochgekraxelt sind und ich konnte die Panik in den Gesichtern der Mitreisenden sehen. Auch wusste der Fahrer kaum, wie er da oben wenden sollte und er hatte großes Glück gehabt, dass er niemandem bei der Fahrt hinauf (oder hinunter) begegnete.

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Auf dem obigen Bild sieht man den Sonnenuntergang am Issehoved. In der Ferne kann man sowohl die Ostsee, als auch Jütland sehen. Århus ist gar nicht so weit entfernt. Das ganze Naturgebiet ist von Wanderwegen durchflochten, die einfach ein Erlebnis sind.

Etwas, dass sehr schön ist in Dänemark: In vielen schönen Rastplätzen etc. kann man eine kleine Vorrichtung vorfinden, in der Broschüren mit Karte, Beschreibung und Tourenvorschlag vorzufinden sind. Oftmals werden sie auch in unterschiedlichen Sprachen angeboten.

Südlich des Naturschutzgebietes liegt das Dorf „Nordby“ (Nordstadt), das als eines der idyllischsten in ganz Dänemark bekannt ist.

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Auf diesen Bildern kann man sehen, warum. So altmodisch-gemütlich sieht es dort überall aus.

Es ist den Menschen einfach wichtig, diese altertümliche Idylle aufrecht zu erhalten. Daher bedarf es gar keiner extremen Gesetzgebung.

Es sind Stolz auf das Erbe der Vorfahren und es ist auch eine Frage der Ästhetik. Der durchschnittliche Däne renoviert oft und viel und holt sich dafür Inspirationen in den Medien und er weiß auch, dass eine historische Perle im Wert nach oben gehen wird und er somit seinen Lebensstil besser finanzieren kann.

Daher sieht man überall Leute, die ihre alten Häuschen liebevoll erhalten, ohne dass sie dazu irgendwie verpflichtet sind.

Viele der Leute, die in Nordby oder Ballen ein Häuschen haben, wohnen im Alltag in Kopenhagen oder in Nordseeland und haben hier ihren Zufluchtsort gefunden, wo sie dem Großstadttreiben am Wochenende oder in den Ferien entfliehen können.

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Samsø wird auch „die Speisekammer Dänemarks“ genannt. Warum, kann man auf dem unteren Bild sehen: Überall gibt es kleine Buden/Verkaufsstände (Vejboder), in denen man selbst angebautes Obst und Gemüse erstehen kann. Das kommt teils von den Bauern, teils von Gartenbesitzern, die einfach etwas mehr übrig haben, als sie selber verbrauchen können und auf diese Art ihr Haushaltsgeld aufbessern.

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In jüngster Zeit gab es auch eine Kampagne, wo man versuchte, den Insulanern die Hühnerhaltung schmackhaft zu machen und das klappte auch sehr gut. Viele haben heute Hühner und verkaufen die Eier ebenfalls im Verkaufsstand.

Geschmacklich sind sie auch sehr gut. Wir haben sie, wie alles andere auch, zur Genüge gekostet und können sie nur empfehlen.

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Auf unserem Weg zur Inselhauptstadt Tranebjerg machen wir noch schnell einen Abstecher nach „Mårup“.

Das kleine Fischerdorf hat heute ebenfalls ein kleines Marina (Yachthafen).

Es ist auch wirklich komisch, wen man in diesen kleinen dänischen Inselhäfen antrifft. Überraschend viele ältere deutsche Segler sind darunter. Manche scheinen das ganze Sommerhalbjahr über in ihren Booten zu leben und kommen schon seit Jahrzehnten auf die eine oder andere Insel. Dennoch scheint es ein wenig ein Geheimtipp zu sein, wie schön es auf den kleinen Inseln ist.

Wenn die Leute wüssten, wie schön es hier ist, würden sie sicher in größeren Scharen kommen.

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Wie man auf den Bildern sehen kann, sind diese kleinen Häfen selbst im Sommer noch nicht überlaufen.

Obwohl… im July, während des Musikfestivals ist es sicher anders.

Daher ist es besser, nicht gerade während dieser beiden Wochen zu fahren, es sei denn, man möchte das Festival besuchen.

Ein weiterer Hafen dieser Kategorie ist Langøre. Wie der Name schon andeutet, liegt er am Ende einer langen, schmalen Landzunge und das ist auch wieder einer dieser Orte, wo es so friedlich zugeht, dass sich der eigene Herzschlag ändert, wenn man dort ist. Man passt sich unweigerlich an der Umgebung an und wird mehr oder weniger eins mit Mutter Natur.

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Schließlich machten wir uns noch auf den Weg nach Tranebjerg. In der einzigen richtigen Stadt der Insel findet man unter anderem unterschiedliche Geschäfte, inklusive 2 Supermärkten, einer Autowerkstadt, mehreren Cafés und einen 2.-Hand-Laden.

Wie man sieht; es ist schon fast eine Weltstadt! Doch im Ernst, verglichen mit den meisten Orten, an denen ich gelebt habe, ist das wirklich schon ganz beachtlich! Ich weiß nämlich auch, wie es ist, irgendwo am Ende der Welt in einem ganz winzigen Fischerdorf zu hocken, wenn die Stürme über die Insel fegen und man nicht einmal mehr zum nächsten Haus kommt.

Zu guter Letzt bleibt noch Brundby zu erwähnen, ein kleiner Ort, etwas südlich von Tranebjerg, der in Dänemark bekannt wurde, weil die Freundin eines bekannten Musikers dort Dänemarks erstes Rockhotel einrichtete. Im Juli finden dort regelmäßig Konzerte statt und dort triff sich dann, genau wie in Ballen, alles, was Rang und Namen hat.

Das sind eben die beiden „In-steder“, die beiden Orte auf der Insel, wo es „in“ ist hinzugehen. Doch vergleichen mit allen anderen Orten in Dänemark, wo sich die Schickeria trifft, ist Samsø noch der Ort, wo es noch relativ unkonventionell und natürlich zugeht.

Der Rest der Insel ist entweder Naturschutzgebiet oder dem ganz normalen Landleben vorbehalten – ganz wie eh und je!

Quelle: Sommer auf dem Brombeerhof

Sommer auf dem Brombeerhof

 

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