Neue Hoffnung

Das folgende Kapitel stammt aus der Skandinavien-Roman  Solkrogen 7 – Eine Hochzeit in Dänemark

Solkrogen 7: Eine Hochzeit in Dänemark

Liebe Katie,

Will mich endlich mal bei dir melden und mich ganz herzlich bei dir bedanken. Und nicht nur bei Dir! Bei John und deiner ganzen, großen Familie, bei Ture und bei allen, die dazu beitrugen, dass diese letzten Wochen so wundervoll wurden.

Ach Katie, ich schwebe immer noch auf Wolke 7 und dafür habe ich eigentlich nur euch zu danken.

Wären wir nicht rechtzeitig zu euch gekommen, dann stünden wir jetzt sicher vor der Scheidung. Und ich… ach, was weiß ich, was ich machen würde. Sicher nichts Gutes…!

Nun, wie du ja weißt, hat sich die Sache mit dem Baby erledigt; es war eben doch nur blinder Alarm gewesen. Obwohl… so ganz „erledigt“ ist es doch nun auch wieder nicht. Du hattest Recht, Katharina; wozu habe ich all das aufgebaut, wenn ich niemanden habe, an den ich es weitergeben kann?! Hier und jetzt kann ich es zwar mit Pierre teilen. Doch wir werden nicht jünger und irgendwann sind wir einfach zu alt und gebrechlich, um uns weiterhin mit der Farm und dem Verlag herumzuschlagen. Zu diesem Zeitpunkt wäre es dann natürlich auch schön, wenn wir nicht völlig alleine sein würden.

Und nicht nur zu dem Zeitpunkt! Pierre und ich haben lange drüber diskutiert und sind uns einig: Wir wollen unser Leben nicht länger kinderlos verbringen. Da ich mich ja nun wirklich in den Wechseljahren zu befinden scheine, haben wir uns entschlossen, ein Adoptionsbüro aufzusuchen.

Ja, ich weiß, ich gehöre schon zum alten Eisen, doch Pierre ist ja immerhin um einiges jünger und seit ich Marilyn Diamonds neuestes Buch und etliche Studien und Berichte über’s Altern gelesen habe, bin ich eigentlich ganz zuversichtlich, dass der menschliche Körper weitaus älter werden kann, als man bislang annahm. Schau dir Ture an, er ist ja schließlich das glänzende Beispiel, dass es möglich ist!

Doch werde ich wohl meine Gewohnheiten ein wenig ändern müssen, denn ansonsten wird das nicht unbedingt ganz so gut ausgehen.

Ich denke, ich hatte nie wirklich verstanden, wie schädlich Zucker für den Körper ist. Nachdem ich den jetzt endlich weggelassen habe, begann ich auch, mir mehr Bewegung zu verschaffen. Ich muss sagen, beides tut mir wirklich gut!

Pierre steht dem Ganzen auch äußerst positiv gegenüber. Ja, er ist geradezu enthusiastisch mit bei der Sache und findet es ganz toll, dass er mich endlich zu seiner ökologischen Lebensweise bekehren konnte. Nun ja, ich werde es nicht gleich zum Sinn meines Lebens machen. Fanatismus habe ich noch nie etwas abgewinnen können. Doch er hat wohl Recht, wenn er sagt, dass ich nur damit rechnen kann, die nächsten Jahrzehnte gesund und dynamisch erleben zu können, wenn ich auch was dafür tue.

Und so kochen wir zusammen, machen Sport und schmieden so viele neue Pläne! Es ist fast so, als wäre ich wieder 20 und das Leben ist neu und aufregend! Nur bin ich heute ein wenig weiser.

Du kannst wirklich stolz auf deinen John sein, Katharina! Ich wusste gar nicht, dass er ein solch begabter Therapeut ist. Und so einfühlsam… Ich hatte wirklich nicht gedacht, dass Pierre und ich uns noch was zu sagen gehabt hätten. Ich dachte, der Zug war ein für alle mal abgefahren. Aber ich hatte auch nicht wirklich an eine Zukunft mit Reinhard geglaubt. Du weißt ja, er ist noch nie sesshaft gewesen und will nach wie vor die Welt retten – und zwar jeden Tag aufs Neue! Eine Frau würde da selbstverständlich an letzter Stelle kommen. Das war mir schon irgendwie klar gewesen. Es war nur so, dass das, was er hier und jetzt anzubieten gehabt hatte, genau das Balsam war, was meine wunde Seele brauchte und darum hatte ich mich wohl auch nur auf dieses Spielchen eingelassen.

Die vielen Gespräche mit John haben mir geholfen, mich selber wiederzufinden. Jetzt, wo ich endlich erkannt habe, wo ich nicht ganz so redlich gehandelt hatte und nicht immer die beste Entscheidung getroffen hatte, da ist es mir möglich geworden, mein Leben zu sanieren, wieder ethisch zu werden und eben wieder „ich selber“ zu sein und wieder das zu machen, woran ich wirklich glaube!

Danach war die Aussöhnung mit Pierre dann schon fast ein Kinderspiel. Als ich mich wieder wohl in meiner Haut fühlte, wusste ich auf einmal, dass er nie das Problem gewesen war. Das Problem war ich gewesen! Ich hatte mich selber enttäuscht und nachdem ich das geändert hatte und auch noch herausfand, dass die junge Frau auf der Farm nur die Nachbarstochter war, die immer nach den Tieren schaut… da war die Kluft zwischen uns auf einmal verschwunden.

Ich verstand ihn wieder und er hatte sogar das Herz, mir den Seitensprung zu verzeihen.

Nun, wie du ja schon bei euch gemerkt hattest, wir sind dabei, einander wieder neu zu entdecken und das nicht nur geistig und idealistisch, sondern auch sexuell. Meine Güte, ich hätte gar nicht geglaubt, dass das Leben wieder so schön sein kann!

Solkrogen_7_image10

Ich sitze gerade und schaue die Fotos durch, die Toulouse mir aus der Karibik geschickt hatte. Sie sind gut geworden und ich werde sie gleich für mehrere Bücher verwenden. Aber weißt Du was? Ich denke, jetzt werden Pierre und ich mal ein paar Tage aus dem Kalender reißen und uns dort auch unter eine Palme legen. Hab jetzt so richtig Lust dazu! Und die Firma wird auch ohne mich mal auskommen. Hat sie ja auch getan, als ich bei euch war.

Werd aber diesmal lieber Mia die Leitung übertragen.

Ach apropos Mia… das ist so ironisch wie es nur sein kann. Ich hatte ihr den Job damals ja nur gegeben, weil ich mich dir gegenüber verpflichtet gefühlt hatte. Wenn sie schon vor die Hunde ging, dann sollte es wenigstens nicht an mir liegen, weil ich zu kleinlich war, ihr eine Chance zu geben.

Und soll ich dir mal ein Geheimnis verraten?

Heute bin ich es, die zu ihr aufsieht und die von ihr Hilfe erwartet.

Ich find es wirklich bewundernswert, wie sie durch all das durchgekommen ist und jetzt wieder voll im Leben steht!

Pierre und ich werden ein Kind oder vielleicht auch zwei adoptieren, doch wenn ich eines Tages die Leitung der Firma abgebe, dann wird es an Mia sein. Sie hat sich das wirklich erarbeitet, steht mir immer zur Seite und ist bereits in alles eingeweiht. Bei ihr kann ich mir sicher sein, dass sie mein Vertrauen nicht missbraucht. Ich weiß, dass sie die Firma in meinem Sinne weiterführen wird. Aber sag ihr das noch nicht. Ich werde in den nächsten Tagen selbst mit ihr reden und ihr die Position des stellvertretenden Direktors anbieten.

So, nun macht es mal alle gut miteinander. Nochmals vielen Dank für die wunderschönen Tage bei euch, für eure Einfühlsamkeit und all eure Hilfe.

Grüß deine Lieben ganz herzlich von uns. Es war so schön, wieder ein Teil eurer großen Familie zu sein und all die Wärme und Liebe zu spüren, die ich eigentlich schon seit Jahren vermisst habe. Ich sollte wirklich öfter mal nach Solkrogen kommen!

In Gedanken umarmt dich ganz lieb

deine Beatrice

Young for life

Marilyn Diamond

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