Amerikanische Weihnacht

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Die wichtigste Weihnachtstradition, die wir uns aus Jonathans Familie und Kindheit bewahrt hatten, waren die Stockings. Während meiner Kindheit hatte der Familienrat einst abgestimmt und mehr oder weniger einstimmig beschlossen, dass wir Weihnachten nicht auf englisch-amerikanische Art und Weise feiern würden, sondern am 24. und so wie es in Dänemark, Deutschland und Frankreich üblich war. Jonathan war natürlich überhaupt nicht begeistert davon gewesen, denn er wollte sein eigenes Fest nicht aufgeben und ich kann mich noch genau dran erinnern, wie er damals gemotzt hatte, dass Demokratie doch wirklich ein unfaires System sei, da man einfach von der Mehrheit überrumpelt wurde.

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Da hatten wir alle dann doch Mitleid mit ihm und lenkten soweit ein, dass wir sagten, solange wir unser Weihnachtsfest behalten durften, konnte er ja auch ruhig seines haben. Wir würden einfach ein paar anglikanische Traditionen für den 25. beibehalten.

Gesagt, getan – und dieses Arrangement ist seit jeher ein großer Erfolg gewesen. Keines von uns Kindern hat sich je beschwert, zweimal Geschenke zu erhalten!

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Doch jetzt, wo wir inzwischen so viele geworden waren, mussten wir es zwangsweise etwas mit den Geschenken drosseln, denn ansonsten wurde es ja viel zu viel, also beschränkten wir uns am ersten Feiertag dann auf die Stockings. Und das waren immer noch riesige Mengen von Weihnachtsstrümpfen, die an diesem Tage die Zimmer zierten!

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Am 25. ging es also früh aus dem Bett und hinunter ins Wohnzimmer, um zu sehen, was Santa Claus uns gebracht hatte. Es freute mich von ganzem Herzen, zu sehen, wie Myriam so glücklich war und wild mit ihren Cousins und Cousinen durch die Gegend flitzte.

Vor einem Jahr war sie noch ganz anders gewesen, so zurückhaltend, vorsichtig und hatte sich kaum getraut, auch nur den kleinsten Wunsch zu äußern. Jetzt ruhte sie selbstbewusst in sich selbst, war stolz auf ihre Rolle als Schülerin und große Schwester, schmiedete ganz selbstverständlich große Zukunftspläne und genoss die Gegenwart mit ihrer Familie und mit ihrem besten Freund!

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Jetzt, wo der größte Weihnachtsstress vorbei war, konnten wir die beiden Weihnachtsfeiertage ganz gelassen und gemütlich angehen. Die Männer spielten Tischtennis mit den größeren Jungens, sahen fern oder unterhielten sich über ihre Renovierungsarbeiten und geschäftlichen Projekte.

Mama, Else Marie und Jacquelyn verbrachten die meiste Zeit in der Küche, eine Spezialität nach der anderen hervorzaubernd. Ich denke, Jacquelyn genoss das ganz besonders, denn es war wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie in einer Küche tätig war. Ansonsten hatte sie ja immer ihren nicht zu kleinen Stab von Hausangestellten, die für sie alles erledigten. Doch jetzt fand sie auf einmal Freude an dem Einfachen, dem Natürlichen und dem „Erdnahem“, wie wir hierzulande sagen. – „Jordnær“ ist sozusagen die Bezeichnung, die versucht, auszudrücken, dass ein Mensch sich naturverbunden fühlt und mit beiden Beinen auf der Erde steht.

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Anja und Sophie-Louise kümmerten sich um die Kleinen und es war herrlich, mich einmal keinerlei Pflichten zu haben.

Wir machten es uns im Wohnzimmer, am Feuer gemütlich. Es war so schön urig und gemütlich, dort am warmen Ofen sitzen zu können, währen man draußen dem Schneetreiben über dem Hafenbecken zusah.

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Photograph: Jillian W Gibson

So wird in Amerika Weihnachten gefeiert

Wie man an diesem Weihnachtsbaum, der in Los Angeles aufgenommen wurde, sehen kann, geht es in den Staaten bunt zu. Farbenfrohe Dekorationen und viele bunte Lichter unterstreichen die Festlichkeit dieser Jahreszeit.

Lustigerweise nehmen die Amerikaner diese Traditionen überall mit sich hin. Meine Freundin, die im Nord-Westen der Vereinigten Staaten lebt, staunte nicht schlecht, als sie herausfand, dass meine eigenen Kindheitserinnerungen aus dem amerikanische Sektors West-Berlins identisch zu ihren waren und dass wir Beide die gleichen Dinge an der Weihnachtszeit liebten, ohne die es für uns nicht Weihnachten wird.

Chritsmas in LA, what to see:

http://www.timeout.com/los-angeles/christmas

Christmas LA, pictures:

http://www.google.de/search?q=los+angeles+christmas&tbm=isch

LA Christmas Parade

http://www.youtube.com/watch?v=LvwKpbs2DqI

http://www.youtube.com/watch?v=B-kFP5y34sg

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Photograph: Jillian W Gibson

Wie schon erwähnt, werden die Geschenke, genauso, wie in England, am 25. morgens geöffnet. Santa Claus hat sie in der Nacht heimlich mit dem Schlitten vom Nordpol her transportiert. Natürlich ist er durch den Schornstein gerutscht, während Donner, Prancer, Blixen und all die anderen Rentiere auf dem Dach brav auf ihn warteten. Beeilen muss er sich auch, denn schließlich muss er es in der nach auf den 25. Dezember ja noch um die ganze Welt schaffen.

Dieses ganze Weihnachtsmann-Image soll angeblich von einer Soft-Drink-Firma stammen, die ihren Reklamezeichner einen gut gelaunten dickbäuchigen liebenswerten alten Mann erfinden ließ. Eine etwas tiefergehende Beschreibung aber, kann man aber hier lesen:

Santa Claus

http://www.stnicholascenter.org/pages/origin-of-santa/

Rudolph the red-nosed reindeer

http://www.youtube.com/watch?v=hega-GxyW6o

Santa’s reindeer

http://www.santaslapland.com/lapland/reindeer/

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Photograph: Jillian W Gibson

Wenn die Kinder mehr oder weniger unausgeschlafen im Pyjama hinunter in die gute Stube eilen, um die Geschenke aufzureißen, hat Mama die Pute schon längst in den Ofen geschoben. Pute oder Truthahn ist auch zu Weihnachten das klassische, traditionelle Mahl. Doch die Beigaben variieren, denn die USA sind ja, wie Kanada, ein Auswandererland und so kommt es darauf an, welchen ethnischen Hintergrund die Familie hat. Die gemütlichen Weihnachtstraditionen, die wir immer in den Hollywoodfilmen sehen, oder beispielsweise in Martha Steward’s „Living“-Zeitschrift bewundern können, stammen in der Regel von den Neuenglandstaaten, die vorwiegend skandinavische und britische Auswanderer beheimaten.

Martha Steward Christmas

http://www.marthastewart.com/947968/christmas-marthas-house/@center/1009036/christmas-wreaths-garlands-and-more

Nordenglandstaaten

http://de.wikipedia.org/wiki/Neuengland

Christmas in the USA

http://www.santas.net/americanchristmas.htm

http://www.worldofchristmas.net/christmas-world/usa.html

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Kaum jemand denkt jedoch heutzutage noch an die wirklichen Amerikaner, die im einst eigenen Land versklavt wurden.

Während sie immer noch über Wounded Knee und dergleichen trauern und sich damit abfinden müssen, dass ein Großteil der Frauen in den Reservaten Gewalts- Inzest- und Vergewaltigungsopfer sind, dass man sie in Umerziehungslagern ihrer Kultur, ihrer Kinder und ihrer Würde beraubt hat, dient aber dennoch die überwiegende Mehrheit der „First Nation People“ gewidmet ihrem Land und hat auch noch so viel Humor, dass sie über ihre Situation sogar ab und an auch mal schmunzeln können:

Indian song: “There’s A Funny Little Man in a Silly Red Suit Stuck in the Smoke Hole of our Tipi…”

http://www.youtube.com/watch?v=qG1yhm5YO40

NDN car (Indian Car)- Keith Secola

http://www.youtube.com/watch?v=L3OyR6PM8PU

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Photograph: Jillian W Gibson

Weihnachten ist die Zeit, in der man es sich gemütlich macht, egal, ob man allein ist (Have yourself a merry Christmas) oder ob man Freunde und Familie um sich hat.

Der klassische Amerikanische Weihnachtskuchen ähnelt dem englischen, nur hat enthält er keinen Brandy (Weinbrand). Die meisten Amerikaner nehmen lieber Whiskey (Bourbon) oder auch Rum. Er ist auch süßer und enthält nicht so viele Gewürze, wie in England. Alles in allem ist er eher für die Familie geeignet, als das Britische Gegenstück, welches meist nur Einheimische begeistert.

Apple Pie und alle möglichen anderen Pies sind natürlich auch überaus beliebt und es kann durchaus geschehen, dass auch ein paar Exemplare davon auf dem Tisch landen.

T’was the night before Christmas…

http://www.nightbeforechristmas.biz/poem.htm

http://www.youtube.com/watch?v=qUzIF4eYRkg

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The Blizzard – Jim Reeves

http://www.amazon.de/dp/B00LR8UKT0

North to Alaska – Johnny Horton

http://www.amazon.de/dp/B008UCRILY

Flug über Colorado, Weihnachten

http://www.youtube.com/watch?v=63uP3rtZVNc

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Amerikanischer Weihnachtskuchen

175 g Rohrzucker mit 175 g weicher Butter, 3 Eiern, der abgeriebenen Schale und dem Saft von einer bio-Zitrone und einer bio-Orange, 100 g Mehl, 100 g gemahlenen Mandeln, 100 g gemahlenen Walnüssen, 200 g geriebenen Äpfeln, 100 g Sultaninen, 3 Päckchen Backpulver, 1 Schnapsglas Whiskey, 30 g Kakao und 50 g grob gehackten Pecannüssen verrühren, in eine eingefettete Form füllen, mit Rohrzucker bestreuen, mit Backpapier bedecken und bei 180 Grad ca. 1 Stunde im Ofen backen.

Frisch gepressten Mandarinensaft mit Puderzucker und Frischkäse verrühren und über den Kuchen geben, sobald er abgekühlt ist. Mit Pecannüssen, Canberries oder kandierten Früchten dekorieren, wenn man das mag.

All American apple pie

http://www.epicurious.com/recipes/food/views/Old-Fashioned-All-American-Apple-Pie-104114

American Christmas cake

http://www.masterfoods.com.au/american-christmas-cake/

http://allrecipes.com/Recipe/Christmas-Wreath-Cake-2

American Christmas dinner

http://www.sheknows.com/holidays-and-seasons/articles/806895/top-10-christmas-foods-and-drinks

http://www.foodtimeline.org/christmasmenu.html

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Photograph: Jillian W Gibson

Die Feiertage sind wieder der Familie, dem Zusammensein mit Freunden und der Entspannung gewidmet.

Jedoch sollte man auch bedenken, dass nicht alle Amerikaner dem christlichen Glauben angehören. Die Meisten gehören ironischerweise zu Minoritäten, welche aber insgesamt dann wiederum die Mehrheit ausmachen.

Daher sind Chanukka, Ramadan oder andere religiöse Festlichkeiten vermutlich als genauso bedeutetend anzusehen.

Es wird viele Deutsche aber überraschen, dass ca. 30% der Amerikaner deutscher Abstammung sind.

Quelle: Solkrogen 9 – Weihnachten in Dänemark

Solkrogen 9: Weihnachten in Dänemark

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