Besuch kleiner Weihnachtsbazare auf Südseeland

In dem folgenden Romanauszug fragt das kleine Mädchen Myriam wann es endlich schneit. sie kommt nämlich aus Afrika und hat bis jetzt nur ein Mal in ihrem Leben Schnee gesehen. Ihre Freunde reden ständig davon und nun wartet sie ungeduldig auf die weisse Pracht. Aber da es partout nicht schneien will, macht ihre Mama erst einmal einen Ausflug zu unterschiedlichen Weihnachtsmärkten und dann schneit es am Ende natürlich doch.

Wer selber gerne solch einen oder mehrere kleine dänische Weihnachtsmärkte besuchen möchte, der kann hier schauen, wann was wo und wie geschieht:

Dänischer Weihnachtsmarktkalender

Sie werden ebenfalls in der dänsichen Lokalpresse annonciert. Diese Zeitungen kann man auch im Internet finden. Man schaut zuerst nach dem Namen der Kleinstadt und dann danach, welche Lokalblätter es für die Region gibt.

Schliesslich schaut man nach Annoncen, in denen “Julebarsar”, “Julemarked” in Verbindung mit “Skole”, “Kirke”, “Meninghed”, “Spejder”, “Idræt” oder “Forening” steht. Das sind in der Regel die ganz kleinen Märkte, die privat organisiert sind und wo der Erlös oft einer guten Sache zufliesst.

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Mama, wann schneit es denn endlich?

Noch immer war es draußen kalt und trübe, aber noch nicht so kalt, wie die Kinder es gerne gehabt hätten. Letztes Jahr Weihnachten hatte Myriam zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen und war gleich ganz begeistert gewesen von dieser kalten, weißen Pracht. Als sie dann noch sah, was sie anderen Kinder alles damit anstellten, da gab es natürlich nichts mehr, was sie zurückhalten konnte und so hatte sie sich schon im letzten Winter mit Olivers kleinen Würmchen ins Schneegetriebe gestürzt.

Jetzt, wo bald wieder Weihnachten war, hatten ihre Schulkameraden schon mehrmals angedeutet, dass es nun bald wieder Zeit sein würde und jetzt war sie schon dabei, ausgesprochen ungeduldig zu werden und quengelte die ganze Zeit, wo denn nun die magischen weißen Flocken blieben.

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Jedoch hatte sie so langsam auch einsehen müssen, dass alles Quengeln nichts half, denn ich konnte ihr ja kaum den Schnee aus dem Nichts hervorzaubern.

Dank Global Warming war das Wetter auch im Dezember weitgehend herbstlich verblieben. Doch jetzt geschah also doch etwas. Die Fischer waren dabei, die Boote aus dem Wasser zu heben. Das würden sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr tun, wenn sie nicht davon ausgingen, dass es bald gravierend kälter werden würde.

Nun, wir werden uns überraschen lassen!

Ich erwog, schnell auf DMI* nachzuschauen, ließ es aber sein, denn meistens ist die Wettervorhersage sowieso nicht verlässlich.

*DMI – Dansk Meteorologisk Institut

http://www.dmi.dk/vejr/

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Da es aber partout nicht schneien wollte, nahm ich mir den Tag frei, um mit Myriam wenigstens einen kleinen Weihnachtsmarkt auf dem Festland zu besuchen. Es war zwar Wochenende, aber seit ich „in charge“ war, gab es eigentlich keine freien Tage für mich mehr und ich arbeitete schon fast rund um die Uhr für den Verlag, da immer irgend etwas anfiel. Doch dieses Wochenende wollte ich endlich einmal für meine Tochter da sein und nahm mir ganz bewusst den ganzen Tag frei.

Der Weihnachtsmarkt fand in einen dieser „Forsamlingshuse“ statt, einem örtlichen Gemeindehaus, das die Dorfbewohner meist für private Feste benutzten, aber ab und an eben auch für Weihnachtsmärkte, Weihnachts- oder Faschingsfeiern oder gar für einen Flohmarkt.

Yves hatte eingewilligt, seine Königliche Hoheit zu babysitten und so konnten wir drei Frauen vom Æblegaarden uns auf und davon machen.

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Eine gute Stunde dauerte es dann doch, bis wir endlich da waren. Doch wir wurden reichlich belohnt. Alles war so wunderschön geschmückt und wir fanden nicht nur ein paar handgefertigte Geschenke für unsere Männer, wir verspeisten auch so manche Köstlichkeit. Ich kaufte gebrannte Mandeln für Myriam, handgestrickte Socken für Yves und meine Brüder, eine Patchwork-Tasche für Mama und Filzpantoffeln für Jonathan.

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Anja war auch ganz von dem Weihnachtsmarkt angetan und vor allem auch von der wunderschönen Musik. Ich sah, wie sie sich einen dicken handgestrickten Pullover ansah und wohl mit dem Gedanken spielte, ihn für Toulouse zu kaufen, ihn aber dann wieder weglegte, als sie den substanziellen Preis sah. Nun ja, solche Sachen sind schon teuer, wenn sie handgestrickt sind. Schließlich dauert es ja ewig, bis sie fertig sind.

Ich kaufte den Pullover einfach, als sie einmal kurz wegsah und hab ihr dann hinterher die Tüte. Als sie mir freudestrahlend danken wollte, sagte ich ihr einfach, dass ich mir sowieso etwas für ihren Weihnachtsbonus hätte einfallen lassen müssen und somit hatte sie mir das einfach erleichtert.

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Da solche Weihnachtsmärkte hier auf dem Lande nie so besonders groß sind, fuhren wir noch zum Rudolf-Steiner-Bazaar, etwas weiter nördlich.

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Dort hatte Myriam zum ersten Mal die Möglichkeit auf einem Pony zu reiten! Zuerst traute sie sich zwar nicht so richtig, aber als sie sah, wie ein kleiner Junge, der genauso groß, wie ihr Freund Ulf-Johan war, das genauso freudestrahlend mitmachte, wie alle anderen Kinder auch, war sie dann auch sofort mit von der Partie und wollte schließlich gar nicht mehr vom Pony herunter.

Das Konzert gefiel ihr ebenfalls super-gut. Genau wie ihr kleines Brüderchen hatte sie nämlich auch eine Vorliebe für Klassik. Ich nehme an, das bedeutet, dass ich mir beim nächsten Flohmarkt wohl ein Klavier werde besorgen müssen. Oder wer weiß, vielleicht will sie ja lieber Violine oder Flöte spielen?

Nun, ich muss mir das noch etwas genauer durch den Kopf gehen lassen und auch mit Yves besprechen. Ich muss sagen, ich war auch gar nicht darauf gefasst, dass wir jetzt schon so schnell mit all diesen Aktivitäten loslegen müssen. Ich war gerade erst einmal schwanger gewesen und nun ging es schon darum, die Kinder hier- und dorthin zu fahren und überall anzumelden. Der Druck ist bereits da, ja aufzupassen, dass sie nichts verpassen und auch optimal gefördert werden. Das kann leicht im totalen Leistungsdruck ausarten. Auch wollte ich mir nie dies oder das von der Gesellschaft aufzwingen lassen… nun, wir werden sehen, wieweit wir was mitmachen werden. Am Wichtigsten ist für mich immer noch, meine Kinder glücklich zu sehen. Ob sie dann gut oder schlecht in der Schule sind oder dieses oder jenes werden, wenn sie einmal erwachsen sind, ist mir eigentlich egal.

Ich hatte damals große Ambitionen, als ich als junges Mädchen Solkrogen verließ. Doch heute sieht die Welt für mich ganz anders aus. Geld und Ruhm können mir gestohlen bleiben. Das Einzige, was mir etwas bedeutet, ist meine Familie, dass es ihnen gut geht und dass sie alle glücklich sind. Wenn das der Fall ist, dann bin ich eigentlich schon ganz zufrieden.

Ich hoffe, dass meine Kinder unser kleines Paradies zu schätzen wissen, das wir ihnen hier aufbauen und nicht, wie ihre Mutter, irgendwann ihr Glück weit draußen suchen werden. Es gibt so viel Schönes hier. Warum all das aufs Spiel setzen – für etwas, das die Sache gar nicht wert war?

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Anja riss mich aus meinen Gedanken, als sie mit einem großen Teller Minipizzas zu uns kam. Die duften aber lecker und Myriam war genauso hungrig, wie ich!

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Minipizza

500 g Vollkornmehl mit 1 TL Salz, 2 Päckchen Trockenhefe, 300 ml warmes Wasser, und 50 ml Olivenöl verrühren, verkneten, zudecken und aufgehen lassen. Minipizzas formen und auf einem eingefetteten Backblech nochmals aufgehen lassen. Mit Tomatensauce, Kräutern und Käse bestreuen und bei 200 Grad Celsius für ca. 10 Minuten backen

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Nachdem wir uns gehörig gestärkt hatten, gingen wir ins Nebengebäude, wo wir einen großen Gemüsestand mit ökologischem Obst und Gemüse vorfanden. Äpfel und anderes dänisches Obst hatten wir ja selber genug auf der Plantage. Auch Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln und dergleichen hatten Yves und Anja fleißig im Garten angebaut gehabt. Doch solche exotischen Sachen, wie Zitronen, Mandarinen, Orangen, Auberginen und dergleichen konnten wir allemal gebrauchen und so kaufte ich reichlich davon ein.

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Weihnachtskarten gab es dort auch sehr hübsche. Nicht, dass ich wirklich welche brauchte, wir hatten ja schließlich selber genug im Verlag. Dennoch… diese hier waren ausgesprochen hübsch und im typischen Rudolf-Steiner-Stil gezeichnet, also kaufte ich ein paar Karten für besondere Leute. Ich wollte u.a. Beatrice eine schicken, um sie ein bisschen aufzumuntern. Sie schien wirklich sehr darunter zu leiden, dass es ihrer Sekretärin plötzlich so schlecht ging.

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Dann sah ich ein wunderschönes Filzbild. Das wollte ich für Sophie-Louise erstehen. Es erinnerte mich so sehr an sie.

Für Myriam kaufte ich ein paar wunderschöne Kleidchen, die sie jetzt aber noch nicht zu sehen bekam. Stattdessen durfte sie sich am „gesunden Süßigkeitenstand“ ein paar ökologische Honigbonbons und Fruchtstangen aussuchen. Während sie dort mit Anja um die Wette futterte, schaute ich auch noch schnell nach einer flauschigen Wollweste, von der ich annahm, dass sie Anja sowohl passen, als auch gefallen würde. Ein paar norwegische Fäustlinge in Regenbogenfarben fand ich ebenfalls. Die sollte sie auch noch haben.

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Prinz Henry hingegen würde Holzspielzeug bekommen. Er war zwar noch ein klein wenig zu klein dafür, aber wenn wir ihm nur die größten Teilchen gaben, dann konnte er sie zu Weihnachten wenigstens ordentlich ablutschen und in die Ecke werfen. Das war ja momentan das große Ding, worüber er sich halbtot lachen konnte.

Am Ende hatte ich so viel eingekauft, dass mir Anja beim Tragen helfen musste.

Wir kauften ein paar Lose und gewannen doch tatsächlich noch das eine oder andere und stürzten uns am Ende noch auf das riesengroße Kuchenbuffet. Das war hier jedes Jahr immer super-lecker!

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Doch die große Überraschung kam, als wir müde, aber trotzdem glücklich und zufrieden, wieder auf die Straße stolperten. Als wir im Schulhaus beim Barzar gewesen waren, hatte es leise angefangen zu schneien. Keiner von uns hatte etwas bemerkt, doch jetzt rieselten die weißen Flocken auf uns herab und Myriam war überglücklich. Mit ihrem roten Liebesapfel in der Hand, tanzte sie fröhlich durch die Gassen, bis wir im Zentrum des kleine Ortes auf ein „Nisseorchester“ stießen. Erst viel später merkte ich, dass die Linse meiner Kamera vom Schnee ja ganz beschlagen war, doch zumindest habe ich ein paar wage Eindrücke als Erinnerung an diesen schönen Adventsnachmittag festhalten können.

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Das Weihnachtswichtelorchester marschierte dann bis zur lokalen Kirche, wo es nochmals ein kleines Konzert gab und neben dem erleuchteten Weihnachtsbaum wurden Æbleskiver und Gløgg angeboten.

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Photograph: Jillian W Gibson

Æbleskiver“ heißen übersetzt „Apfelscheiben“, sind aber in Wirklichkeit ganz was anderes. Es handelt sich hierbei um kugelrunde Pfann- oder Eierkuchen, die in der Regel einen Durchmesser von 4-5 cm haben. Sie bestehen mehr oder weniger aus Eierkuchenteig, dem oft aber auch noch geriebene Zitronenschale und Kardamom zugesetzt wurde und sie werden in einer ganz besonderen Eisenpfanne ausgebacken, welche kugelartige Vertiefungen hat.

Es ist ein uraltes Dessert und diese Pfannen waren früher Teil eines Einsatzes, den man in die Ringe eines Holzofens setzte. Genauso, wie man es damals auch mit den ersten Waffeleisen tat.

Darum heißt es auch so. Es war damals nämlich wirklich ein Eisen, das aus zwei Deckeln bestand, die dann über dem Holzfeuer gewendet wurden.

Der Grund, warum die Æbleskiver so heißen ist einfach, dass man früher tatsächlich kleine Apfelstückchen in die Mitte des Teiges getan hatte, die dann ausgebacken wurden. Früher hatten man ja auch keine Zitronenschale oder exotische Gewürze in der skandinavischen Küche und nahm eben das, was im Garten vorhanden war.

Persönlich finde ich aber, dass die altmodische Version viel besser schmeckt, als die moderne.

Æbleskiver sind in Dänemark so beliebt, dass es ohne gar nicht Weihnachten werden kann und wenn irgendwo eine öffentliche Weihnachtsfeier oder das erste Anzünden des Weihnachtsbaumes stattfindet, werden immer warme Æbleskiver mit Marmelade oder Puderzucker verteilt.

mehr Info:

http://de.wikipedia.org/wiki/Förtchen

Norddeutsches Rezept (Förtchen):

http://www.chefkoch.de/rezepte/525921148996926/Norddeutsche-Foertchen-Poffertjes.html

Für die dänische Version Hefe weglassen und mit Backpulver ersetzen und einfach Zitronenschale und ein klein wenig Kardamom oder Vanille hinzufügen.

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Als wir endlich wieder auf Fejø eintrudelten, war die Sonne schon dabei, unterzugehen. Toulouse hatte sich bereiterklärt, das Abendbrot zu machen, während Anja das Auto entlud und Yves sich um die Kinder kümmerte. 

Es war ein wunderschöner Tag gewesen.

 

Quelle: Solkrogen 9 – Weihnachten in Dänemark

Solkrogen 9: Weihnachten in Dänemark

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