Kartoffeln, Kürbisse und Laternen

Der nachfolgende Text stammt aus dem Roman “Solkrogen 8 – Herbstgewitter über dänischen Dächern”. Im ersten Teil wird die Herkunft der Kartoffel aus dänischer Sicht erklärt.

Dabei spielt die Insel Samsø, auf Grund des milden Klimas, eine grosse Rolle.

Überhaupt gilt Samsø als die Speisekammer Dänemarks und setzt seit ein paar Jahren ebenfalls sehr intensiv auf Kürbisse.

Im zweiten Teil des nachfolgenden Textes kann man lesen, wie man eine Laterne aus einem Kürbis anfertigt:

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“Ein Nachbar war bei seinem Bruder auf Samsø gewesen. Das ist eine etwas größere Insel, nördlich von Fyn (Fünen), die zwischen Sjælland und Jylland liegt. Dort ist das Klima so günstig, dass die Insel als die Speisekammer Dänemarks gilt, weil von dort die allerersten Frühkartoffeln kommen. Doch damit nicht genug! Samsø versorgt uns ebenfalls mit Zwiebeln und im Oktober eben auch mit Halloween-Kürbissen. Das letztere ist eher eine neue Tradition. Doch genau darin liegt die Stärke der Bauern von Samsø. Sie passen sich immer dem neusten Trend an, ohne ihre eigenen Traditionen zu vergessen, oder die Natur zu belasten.

Als 1719 die ersten Hugenotten nach Dänemark flüchteten, waren Kartoffeln etwas, das den Dänen äußerst merkwürdig vorkam. Damals aß man lediglich Korn-Produkte, wie beispielsweise Roggenbrot, da Roggen eben das Getreide war, welches in diesen Breitengraden am Besten gedieh.

Auf Samsø wurde selbst 1808 hauptsächlich noch Gerste angebaut, obgleich die Kartoffel da schon langsam ihren Einzug in das dänische Königreich gehalten hatte. Dies kann man in dem Landbau-Bericht von Professor Begstrup nachlesen, den er im gleichen Jahr verfasste. Damals wurden Kartoffeln auch nur in Gärten angebaut und noch nicht auf den Feldern.

Anfang des 20. Jahrhunderts bekam die Insel aber einen neuen Apotheker, der sich mit dem lokalen Arzt und dem Zöllner zusammentat. Ihr gemeinsames Hobby war die Botanik und ihr Anliegen war es, eine frühe Kartoffelsorte zu züchten.

Dieser Versuch schlug zunächst aber fehl und so endeten all die verschiedensten Kartoffelpflanzen auf dem Kompost des Apothekers.

Dort hatten sie aber die idealen Wachsbedingungen und so kam es, dass die Natur selber eine frühe Kartoffelpflanze entwickelte, die den feinen Namen „Sydens Dronning“, die Köningin des Südens, erhielt.

Aufgrund des relativ milden Inselklimas reiften die Kartoffeln schneller heran, als andernorts, und das wussten die lokalen Helden von Samsø auszunutzen. Die Helden von Samsø sind wohl so um die 30 Inselbauern, die die Wirtschaft dort in Gang halten – und eine Familienfirma, die für den Transport von und zu der Insel sorgt.

Samsø ist durch zwei Fährschiff-Routen mit dem Festland verbunden und wie es scheint, so sind sowohl die Fähren, als auch das Transportunternehmen, rund um die Uhr im Einsatz.

In jüngsten Jahren kamen dann auch die Kürbisse hinzu. Da ist die Kartoffelsaison in Samsø dann schon wieder vorbei und somit hat man ein weiteres Produkt, dass man zu diesem Zeitpunkt auf den Markt tun kann, so dass das Einkommen etwas weniger saisonbedingt ist.

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Unser Nachbar kam also direkt aus Samsø mit einem ganzen Kofferraum voller Kürbisse, denn er wusste, dass wir genügend kleine Huckleberries hatten, die sich darauf freuten, damit herumzubasteln und die kleinen Leckermäuler wussten auch, was gut schmeckte. Kürbis-Apfelmus war eines ihrer Lieblingsgerichte und natürlich machte es ihnen Spaß, die Kürbiskerne zu rösten und aus dem Kürbisfleisch Pommes Frites zu schneiden und sie dann als Snacks zu backen.

Unser Nachbar hatte selbst keine eigene Obstplantage, denn er war ein alter Mann und wohnte nur in einem kleinen Häuschen, daher wurde der Kofferraum nun mit Äpfeln und Birnen aus meiner Plantage gefüllt und so hatten er und seine Frau auch genügend Obst für den Winter. Das tat ihrer Haushaltskasse gut, denn sie hatten beide nur eine sehr kleine Pension und so half man einander eben, besser über die Runden zu kommen.

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Unsere Kinder hatten sich nun daran gemacht, die Kürbisse auszuhöhlen. Toulouse zeigte ihnen, wie man mit einem kleinen Obstmesser* wunderschöne Muster (siehe Foto oben) hinein schnitzen konnte und wir hatten inzwischen auch herausgefunden, dass man die ausgehöhlten Kürbisse ganz gut trocknen konnte, indem man zuerst eine Kerze hineinstellte und sie an zwischendurch ab und an umgedreht (aber ohne Kerze!) neben dem Ofen trocknen ließ. Dann hielten sie überraschenderweise jahrelang (siehe Foto unten). Doch war das bei den kleinen japanischen Kürbissen wesentlich leichter, als bei den riesigen Samsø-Dingern.

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Trotzdem, das Fruchtfleisch von den großen Kürbissen war eigentlich leckerer. Zu Halloween war aber meist keine Zeit, es zu verwerten, denn wir hatten noch zu viel mit der Apfelernte zu tun. Daher froren wir es dann ein, um es später zu Thanksgiving zu verwenden.

Zu diesem Zeitpunkt würde es dann gut zu Pumpkin Pie, Kürbis-Kartoffelpüree und Kürbis-Apfelmus passen – und zu den anderen Delikatessen, die wir zu der Pute zu servieren pflegten.”

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Insel Samsø

http://www.visitsamsoe.dk/de/

Huckleberries – von Huckleberry Finn abgeleitet

http://en.wikipedia.org/wiki/Huckleberry_Finn

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*Um einen Kürbis in eine Laterne zu verwandeln, schneidet man zuerst den Deckel im oberen Viertel (oder Drittel) ab.

Dies sollte man mit einem kleinen Obstmesser tun und wenn man es im Zickzack-Muster macht, indem man immer nur kurz das Messer in den Kürbis hineinsticht und dann wieder die Richtung ändert, geht es viel leichter, als wenn man den “Deckel” (den oberen Teil) des Kürbisses direkt und gerade abschneidet.

Aber aufpassen, dass das Messer nicht abbricht! Ein Messer von geringer Qualität, bei dem die Klinge nur gegossen ist, oder wo die Klinge sehr dünn ausfällt, kann durchaus entzwei brechen.

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Danach höhlt man den Kürbis mit einem stabilen Esslöffel aus.

Die Kerne kann man vom Fruchtfleisch befreien, kurz mit Wasser (im Sieb) abspülen, ein paar Minuten in Salzwasser kochen, abermals abgiessen und dann auf einem Blech (auf Backpapier) ausbreiten und kurz bei 200 Grad Celsius im Ofen backen. Aber auch hier aufpassen, denn obgleich man den Kernen kaum etwas anmerkt, sind sie oft schon nach weniger Minuten im Inneren verbrannt und schmecken nicht mehr gut. Man muss das einfach ausprobieren, wie lange die Kerne brauchen, bis sie zwar geröstet, aber nich nicht innerlich verkohlt sind.

Bei uns waren es so um die 5 Minuten, bei vorgeheiztem Ofen.

Nachdem man das Fruchtfleisch aus dem Kürbis entfernt hat, Kann man es, wie schon abgedeutet, einfrieren.

Schliesslich wird das Muster in den Kürbis geschnitzt. Wer mag, kann auch dem Deckel ein Muster geben. Doch zumindest sollte er Luftlöcher haben, damit man ein Teelicht in ihn hineinstellen kann, ohne dass der Deckel anbrennt

Kleine Kürbisse halten sich weitaus länger als grosse.

Wer den Kürbis nicht trocknet, muss damit rechnen, dass er innerhalb weniger Tage (bei Zimmertemperatur) verschimmeln wird.

Wir hatten nur Glück damit, kleine Kürbisse zu trocknen. Hokkaido war die grösste Art, bei der es funktionierte.

Zum Schluss sei noch gesagt, das es essbare Kürbisse gibt und Zierkürbisse. Die letzte Art ist natürlich nicht essbar.

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Wer keinen Kürbis hat, kann theoretisch auch eine Melone oder eine Rübe nehmen. Das war führer hier in Dänemark so üblich. Da wurden hauptsächlich Rüben verwendet und zu Allerheiligen feierte man ein traditionelles Rübenfest mit Laternenumzug.

Der klassische Pumpkin Pie ist lallerdings nichts, was den meisten Europäern besonders mundet, doch in den Americas ist er überaus beliebt.

Uns Europäern schmeckt er aber gleich viel besser. wenn man reichlich Äpfel untermischt!

Ein Originalrezept kann man hier finden, wenn man es trotzdem versuchen möchte :

http://www.foodnetwork.com/recipes/nancy-fuller/from-scratch-pumpkin-pie.html

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Doch wenn man beispielsweise Apfelmus halb halb (1 kg Äpfel, 1 kg Kürbisfleisch, Wasser und und etwas Zucker und etventuell mit Vanille und Zimt würzen) mit Kürbis kocht, kann das durchaus sehr gut schmecken.

Oder auch schmeckt ein Sandkuchen (oder Muffin) mit Kürbis sehr gut.

Ein Rezept dafür kann man im Herbstteil dieser Seite finden.

Dort ist auch ein Rezept für Kürbisauflauf

Quelle von Text und Rezepten: Solkrogen 8 – Herbstgewitter über dänischen Dächern

Solkrogen 8: Herbstgewitter über dänischen Dächern

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