Skandinavische Weihnacht im Leuchtturm

Die nachfolgende Geschichte wurde komplett, aber ohne Bilder, wiedergegeben und stammt aus dem Buch Dänische Weihnacht anno 1920

Dänische Weihnacht anno 1920

 

Weihnachten im Leuchtturm

Die Lampe leuchtete weit übers Meer hinaus. Nikoline war gerade ganz oben im Leuchtturm gewesen und hatte sie geputzt und anschließend hatte sie noch ein wenig dort oben verweilt, um auf’s Meer hinaus zu schauen.

Die Herbststürme hatten bereits eingesetzt. Es war eine Zeit, in der es besonders gefährlich für die Seemänner war. Ganz besonders auch an der hiesigen Stelle, an der sich unter der Meeresoberfläche mehr Klippen befanden, als anderswo.

Aber sie wollte sich keine trüben Gedanken mehr machen. Das Meer konnte eine mächtige Naturgewalt sein, aber helfen konnte sie den Seemännern doch nicht. Das Einzige, was sie tun konnte, war die Laternen zu putzen und dafür zu sorgen, dass das Feuer des Leuchtturms nie ausging. Ansonsten wollte sie einfach nur die wundervolle Aussicht in sich aufnehmen. Es war schon wirklich ein Privileg, hier zu wohnen, wo man ganz alleine sein konnte, mit sich selbst und mit der Natur!

Ein fröhliches Lied summend, lief sie leichtfertig die Treppe hinunter. Sie freute sich auf den Abend.

Das Boot, das den Leuchtturmmeister und seine Frau einmal die Woche mit Proviant versorgte, war heute dagewesen und nun wollten Nikoline und Preben sich einen schönen Abend machen.

Unter der Woche pflegte Preben zu angeln und auch ein paar Vögel zu schießen, daher brauchten sie nicht zu sparen und konnten sich einmal die Woche einfach des Lebens erfreuen.

Der nette Skipper brachte ihr ab und zu auch ein Paar Blumen oder manchmal sogar eine Tüte Bonbons mit und so kam es, dass der Proviant-Mittwoch, wie sie ihn nannten, für das junge Leuchtturmmeisterpaar zum wöchentlichen Feiertag geworden war.

Nikoline hatte bereits den Tisch festlich gedeckt, im Ofen schmorten ein paar Köstlichkeiten und die Gardinen waren auch zugezogen. Es war bizarr, aber den Schaumkronen zuzusehen, wie sie gegen die kleine Klippeninsel spritzten, gab Nikoline ein Gefühl der Unruhe. Sie fühlte sich nur so richtig wohl, wenn sie sie weder sehen, noch hören konnte und einfach nur mit Preben in der guten Stube des Haupthauses saß und ihrer Handarbeit nachging. Das war sozusagen die Krönung der Gemütlichkeit ihres einsamen Daseins.

Nikoline war froh, dass sie keine Kinder hatten, denn sie hätte sich unentwegt gesorgt, dass sie ins Wasser fallen könnten. Zwar bestand die Insel nicht nur aus Leuchtturm, Haupthaus und Hof. Die Klippen reichten tatsächlich weit darüber hinaus und man brauchte schon ein paar Minuten, bis man zum anderen Ende der Insel kam, doch die Insel hatte auch eine furchterregende Steilküste an der Nordseite und im Süden verlief sie sich in endlose Sandbänke.

Das war kein sicherer Ort für Kinder. Sie hätten hier nirgendwo spielen können.

Ihnen fehlten aber auch keine Kinder. Selbst Freunde und Verwandte vermissten sie nicht. Sie hatten ja einander und teilten alles. Nicht nur Bett und Stuhl, sie teilten sich auch alle Aufgaben und fanden genügend Abwechslung in der Natur. Preben war ein eifriger Angler und an den langen Abenden der dunklen Wintermonate baute er Modellschiffe, während Nikoline es sich mit einer Handarbeit gemütlich zu machen pflegte.

Der Tisch war bereits gedeckt und das Bett gemacht, als sie Preben rief. Dieser pflegte seinen Nachmittagsschlaf in dem Vorzimmer des Hauses, auf dem Sofa zu machen.

Sie musste ihn mehrmals wecken, bis er sie überhaupt hörte und dann kam die überraschende Antwort, dass sie doch alleine essen solle. Er habe keinen Hunger.

Keinen Hunger an ihrem Festtags-Mittwoch? Das war noch nie geschehen!

Es ist aber so gemütlich in der Stube und ich habe einen ganz besonders leckeren Braten gemacht…“ versuchte sie ihn umzustimmen.

Auf einmal wurde seine Stimme sehr ernst.

Mir ist nicht gut. Ich wollte dir eigentlich nichts sagen, denn du sollst dir keine Sorgen machen, aber ich glaube nicht einmal, dass ich aufstehen kann.“

Besorgt fühlte Nikoline seine Stirn, die heiß wie Feuer war. Auch seine Wangen brannten und seine Augen hatten einen fieberhaften Glanz. Außerdem klagte er über kräftige Bauchschmerzen.

Warum hast du nur nichts gesagt, als der Skipper hier war? Er hätte doch einen Arzt holen oder dich an Land bringen können.“

Es war noch nicht so schlimm und ich dachte, es würde wieder vorüber gehen. Ich muss einfach ins Bett und ein wenig schlafen.“

Sie half ihn ins Bett, obwohl eigentlich er diese Nacht Wache hatte. Schließlich musste einer von ihnen stets wach sein, damit das Leuchtturmfeuer nie ausging.

Enttäuscht aß sie eine Kleinigkeit alleine und stellte sein unberührtes Essen wieder in die kalte Speisekammer. Es war eine lange Zeit bis zum nächsten Mittwoch, wenn man keinen Proviant-Zuschuss in Form von Fischen und Vögeln bekam. Daher konnte sie es sich nicht leisten, gutes Essen unbedacht zu vergeuden.

Die Nacht schien kein Ende zu nehmen. Sie putzte die Lampe öfter als sonst, um ganz sicher zu gehen, dass sie ihr bestes gab.

Immer wieder setzte sie sich neben Prebens Bett, um zu sehen, ob das Fieber gesunken war, doch es ging ihm ständig schlechter.

Als es endlich hell wurde, durfte sie ihren Wachtposten verlassen und legte sich sofort ins Bett. Wenn sie mehrere Nächte lang durchwachen musste, war es wichtig, dass sie wenigstens tagsüber genügend Schlaf bekam. Jetzt trug sie ja ganz allein die Verantwortung für all die Menschen, die dort draußen auf dem Meer waren.

Als es abermals dunkel wurde, machte sie sich dennoch Vorwürfe, dass sie nicht stattdessen an Land gerudert war, um Hilfe zu holen. Entgegen aller Erwartungen ging es Preben jetzt noch schlechter. Essen wollte er immer noch nicht. Lediglich eine Tasse Tee brachte er hinunter.

Selber konnte sie auch kaum etwas essen, solche Sorgen machte sie sich. Sie zwang sich dennoch dazu, denn sie musste jetzt stark für zwei sein.

Wie schnell sich doch alles verändern konnte! Preben war nie krank gewesen und jetzt war er innerhalb eines einzigen Tages sterbenskrank geworden. Zunächst hatte sie noch geglaubt, das er sich einfach nur erkältet hatte, da er das letzte Mal ganz kalt und durchnässt vom Angeln zurückgekommen war, doch jetzt kamen ihr Zweifel auf. Dies sah nicht wie eine Erkältung aus und die Bauchschmerzen deuteten auch auf etwas anderes hin.

Im Laufe der kommenden Nacht nahmen seine Schmerzen noch zu. Sie bat ihn, das rechte Bein anzuziehen, was sich als viel zu schmerzhaft erwies.

Sie wurde ganz blass und Angstschweiz trat auf ihrer Stirn. Was konnte es jetzt noch anderes sein, als eine Blinddarmentzündung?

Der Morgen graute und sie konnte sehen, dass es im Laufe der Nacht stürmischer geworden war. Außerdem war es neblig und jetzt musste sie rund um die Uhr aufpassen, dass die Lampe nicht ausging. Dennoch… wenn Preben wirklich eine Blinddarmentzündung hatte, konnte es schon bald zu spät sein.

Trotz des Nebels konnte sie an der Küste ein Licht sehen, also entschied sie sich, hinüberzurudern.

Ihre Hände froren in dem eisigen Nieselregen und ihr Rücken tat weh, doch sie nahm es kaum noch wahr, so dominant waren die Erschöpfung und die Angst um ihren Mann.

Sie musste wohl schon eine Viertelstunde gerudert sein, da fand sie sich vollends von Nebelschwaden umgeben. Wo war nur die Küste? Nichts war zu sehen, weder der dunkle Küstenstreifen, noch das Licht, das ihr über das Wasser bislang den Weg gewiesen hatte.

Glücklicherweise konnte sie noch das Leuchtturmfeuer sehen, aber auch das wurde langsam schwächer. Der Entschluss fiel ihr nicht leicht, aber es war nichts anderes mehr zu tun. Sie musste sich beeilen und zum Leuchtturm zurückkehren. Die Lampe durfte auf gar keinen Falle ausgehen!

Sobald sie zurück war, lief sie zuerst zur Lampe hinauf und sah anschließend nach Preben. Dem Armen ging es jetzt noch schlechter. Er hatte Fieberträume und redete wirres Zeug. Sie nahm sich vor, es morgen nach Tagesanbruch noch einmal zu versuchen. Der Nebel konnte ja nicht ewig anhalten. Irgendwann würde es ihr schon gelingen, die Küste zu erreichen.

Die Frage war nur, ob Preben so lange durchhalten würde!

Er war so warm und so unruhig und schien solche Schmerzen zu haben… Sie entschied sich, diese Nacht neben ihm zu verbringen und nur ab und zu nach oben in den Leuchtturm zu gehen. So konnte sie ihm kalte Wickel machen und vielleicht das Fieber ein wenig herunter bringen. Denn so wie die Dinge jetzt standen, sah es gar nicht gut aus. Sie war sich nicht einmal mehr sicher, ob er sie überhaupt noch erkannte.

Das Problem war jedoch, das sie jetzt mittlerweile selbst schon am Ende ihrer Kräfte war…

Eine Yacht glitt wie von Geisterhand über das Meer hinweg. Im Grunde war es keine gute Jahreszeit, um einen Segeltörn zu machen, doch als sie in Holland in See gestochen waren, hatte die Welt noch wunderschön ausgesehen. Der Himmel war klar und nicht einmal die Andeutung einer Brise war zu spüren gewesen. Selbst die Wettervoraussage war günstig.

Seit gestern befanden sie sich in dänischen Gewässern. Während des Tages war es zuerst neblig gewesen und dann stürmisch. Aber sie hatten Glück gehabt, jetzt gegen Abend war die See wieder relativ ruhig. Land war bereits in Sicht. Neblig war es jetzt kaum mehr, dafür waren aber vereinzelte Windböen, die aus dem Nichts zu kommen schienen, völlig unberechenbar.

Mit einem Ruck setzte Nikoline sich auf. Du meine Güte! Sie war im Stuhl eingeschlafen, als sie Prebens Hand hielt, damit er sich nicht alleingelassen fühlte.

Schnell lief sie zur Leuchtturmlampe hinauf, denn sie ahnte Unrat. Oben angekommen, sah sie, was sie befürchtet hatte; die Lampe war doch tatsächlich ausgegangen!

Sie beeilte sich, das Feuer wieder anzuzünden und hoffte von ganzem Herzen, dass es nicht so lange aus gewesen war, dass ein Unglück geschehen war.

Der Eigentümer der Yacht, ein holländischer Arzt, stand neben dem Steuermann, hatte den Arm um seine Frau gelegt und beobachtete das Geschehen. Laut Seekarte sollte es noch eine halbe Stunde bis zum Hafen sein, hatte der Steuermann soeben verkündet. Sie wussten also, dass sie diese Nacht an Land schlafen konnten. Und das war auch gut so, denn ein neuer Sturm war dabei, sich zusammenzubrauen und den wollte das holländische Ehepaar lieber nicht auf dem Meer erleben. Seine Frau hatte die Neigung, seekrank zu werden und da war es dann schon besser mit festem Boden unter den Füßen, sobald es wieder so richtig stürmisch wurde.

Dass sie sich überhaupt auf diese Reise gewagten, hatte nicht nur an der milden Wetterprognose gelegen, sondern hauptsächlich daran, das seine Frau vor Kurzem eine Fehlgeburt erlitten hatte. Da es ihr sehr schwer fiel, wieder auf die Beine zu kommen, war er davon ausgegangen, dass ihr etwas Luftveränderung guttun würde.

Können Sie etwas sehen?“ rief der Matrose dem Steuermann zu, doch dieser verneinte.

Aber mach dir keine Sorgen, wir werden gleich in Sichtweite des Leuchtturms sein. Geh schon mal raus und schau, ob du das Feuer nicht sehen kannst.

Das Ehepaar ging hinunter in die Kajüte, um seine Sachen für eine Nacht an Land zu packen. Diesmal wollten sie sich ein Hotelzimmer nehmen, da seine Frau doch etwas mehr Komfort gewohnt war, als diese einfachen Kojen hier an Bord.

Nach getaner Arbeit ging der Arzt an Deck, um seine Pfeife zu rauchen.

Schon Land in Sicht“, fragte er den Matrosen beiläufig.

Nicht mehr.“

Nicht mehr? Was soll das heißen? Es ist doch nicht so neblig, dass man nichts sehen kann!“

Nein, so neblig ist es nicht. Es scheint, dass das Leuchtturmfeuer ausgegangen ist.*“

Was hat das zu bedeuten? Sollen wir vor Anker gehen?“

Nein, das können wir nicht. Hier sind so viele Klippen, dass wir bei dem aufkommenden Sturm zerschellen würden. Das Einzige, das wir tun können, ist, ganz vorsichtig durch sie hindurch zu steuern.

Kaum ausgesprochen, gab es einen Ruck und einen furchtbaren Knall.

Alle Mann von Bord,“ rief der Steuermann nun und der Arzt beeilte sich, seine Frau zu holen, die ihm auf halben Wege entgegen kam.

Wasser begann hineinzuströmen und es war klar, dass sie hier nicht mehr lange bleiben konnten, bevor das Schiff sank.

Zuerst werden wir den Doktor an Land bringen“, ordnete der Steuermann an.

Sie können doch schwimmen?“

Ja natürlich.“

Gut. Dann werden wir die Leine an ihrem Unterkörper befestigen. Für den Fall, dass Sie auf den Klippen ausrutschen, können wir Sie wieder hochziehen und wenn Sie dann drüben sind, spannen Sie die Leine fest und dann ziehen wir Ihre Frau an Land.“

Der Arzt hatte seiner Frau schnell die Situation erklärt, doch sie war überhaupt nicht dafür, dass er das sinkende Schiff ohne sie verließ. Lieber wollte sie mit ihm zusammen sterben.

Es war keine Zeit, auf ihren mentalen Zustand einzugehen und somit verließ er das Schiff, nachdem er sie zum Abschied geküsst hatte.

Dies löste wiederum einen hysterischen Anfall bei ihr aus. Zwar schlug sie nicht um sich, aber sie schrie, bis der Steuermann sie ins Wasser warf.

Dann war sie urplötzlich mucksmäuschenstille und konzentrierte sich stattdessen darauf, sich an der Leine an Land zu ziehen.

Nikoline horchte auf. Was war das? War das nicht ein Schrei in der Dunkelheit? Nein, sie musste sich getäuscht haben. Niemand war da draußen und selbst wenn, dann würde er nicht herumschreien.

Doch dann hörte sie abermals etwas, wurde unruhig und wollte nachsehen.

Die Lampe war ja aus gewesen. Zwar nur für eine kurze Zeit, wie es schien, dennoch… sollte jemandem etwas passiert sein, dann war es nicht nur ihre berufliche, sondern auch ihre menschliche Pflicht, ihm zu helfen.

Schnell warf sie den Mantel um und ergriff eine Laterne.

Systematisch suchte sie die Insel ab. Ausnahmsweise war sie einmal froh, dass sie so klein war.

Trotzdem war es schwer, in der Dunkelheit etwas zu erkennen.

Sie hatte schon fast alles abgesucht, als sie etwas von der westliche Küstenseite hörte. Diesmal waren es keine Schreie, sondern eine Männerstimme, die nach ihr rief, vermutlich, weil der Mann das Licht ihrer Laterne gesehen hatte.

Schnell beeilte sie sich, ihm zur Hilfe zu eilen und als sie die Küste hinunter blickte, die an der Westseite glücklicherweise nicht so steil war, wie im Norden, sah sie zu ihrer Überraschung vier dunkle Gestalten.

Der Steuermann warf ihr das Seil zu und bat sie, es an einer Klippe zu befestigen, damit sie Halt auf den glitschigen Steinen fanden.

Bald schon befand sich einer nach dem anderen auf der flachen Oberfläche der Insel. Jetzt bemühten sich der Steuermann und der Matrose noch, das wichtigste Hab und Gut an Land zu bringen.

Drinnen im Haus war es wunderschön warm. Sie suchte einige von Prebens Kleidungsstücken, die sie den Männern geben konnte. Für die Frau des Doktors kochte sie heißes Wasser, damit sie zumindest ein warmes Fußbad nehmen konnte, sobald sie sich ebenfalls abgetrocknet hatte und in Nikolines Kleidung geschlüpft war.

Danach kochte sie Tee für alle. Glücklicherweise hatte sie schon längst für Weihnachten vorgebacken und hatte so mehrere Dosen köstliches Weihnachtsgebäck, das sie den unerwarteten Gästen anbieten konnte.

Langsam kam etwas Leben in die junge Frau des Doktors, doch sie war immer noch so schwach, dass der Arzt fragte, ob sie sich nicht irgendwo hinlegen könne.

Die Anlage des Leuchtturmes bestand zwar aus zwei Gebäuden, dem Leuchtturm und einem angeschlossenem, kleinem Wohnhaus, die Platzverhältnisse waren jedoch so bescheiden, dass es nur zwei Betten im Haus gab und so blieb ihr nichts anderes übrig, als ihr eigenes Bett anzubieten und den Gästen zu erklären, dass ihr Mann schwer krank war und dass dies der Grund für aller Unglück sei.

Darf ich mir ihren Mann einmal ansehen? Ich bin Arzt, vielleicht kann ich ihm ja helfen.“

Sie sind Arzt? Der Himmel schickt sie! Ja bitte, schauen Sie sich ihn an. Er hat fürchterliche Bauchschmerzen und Fieber und das schon seit Tagen…“

Es war tatsächlich eine Blinddarmentzündung und am darauf folgenden Tage wäre es vermutlich schon zu spät gewesen.

Ich werde ihn operieren und Sie werden mir dabei helfen müssen!“

Kreidebleich sagte Nikoline zu und tat, wie ihr befohlen, obgleich sie mehrmals dabei war, ohnmächtig zu werden. In solchen Momenten atmete sie dann tief durch und dachte daran, wie sehr sie ihren Preben liebte und dass sie doch eigentlich noch das ganze Leben vor sich hatten und dann ging es ihr gleich wieder etwas besser und sie konnte dem Arzt weiter assistieren.

Nach der Operation schlief sie vierzehn Stunden am Stück, so erschöpft war sie.

Der Steuermann sorgte währenddessen dafür, dass das Feuer nicht ausging. Der Matrose machte sich in der Küche nützlich und der Arzt wachte neben den beiden Kranken.

Als der örtliche Skipper am nächsten Mittwoch zurückkam, war er überrascht, die Insel von so vielen Menschen bevölkert zu finden.

Der Matrose und der Steuermann gingen mit ihm an Land und er ruderte abermals zurück um extra-Proviant zur Insel zu bringen.

Der Arzt wollte noch bei Preben bleiben, um Komplikationen zu vermeiden.

Aus dem unerwarteten Besuch wurden mehrere Wochen. Zunächst blieb das junge Arztpaar, um Preben und Nikoline behilflich zu sein, danach, weil sie sich angefreundet hatten und weil es der jungen Arztfrau, die übrigens Juliane hieß, es offensichtlich guttat, auf der kleinen Leuchtturminsel Urlaub zu machen.

In einem stillen Moment hatte Nikoline den Arzt zur Seite genommen.

Können Sie mir verzeihen, dass sie meinetwegen ihr Boot verloren haben? Sie sind nicht nur auf der Insel gestrandet, sondern haben auch noch das Leben meines Mannes gerettet!“

Und Sie haben das Leben meiner Frau gerettet!“

Was meinen Sie damit?“

Sie war des Lebens müde geworden, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte und schauen Sie sie jetzt an; nicht nur hat sie an Kräften gewonnen und hat abermals Farbe auf den Wangen, sie kann auch wieder lachen! Das hat nicht nur die frische Seeluft getan, sondern auch ihre liebenswürdige Freundschaft.

Einen Wunsch hätte ich jedoch; und gegen das sollten wir wirklich etwas tun. Zu Freunden sagt man nämlich „du“ und nicht „Sie“!“

Als sie an jenem Weihnachtsfest zur Kirche ruderten, ging es auch Preben schon wieder so gut, dass er hätte mitkommen können. Doch jemand musste schließlich aufpassen, dass das Leuchtturmfeuer nicht wieder ausging und somit blieb er allein zurück.

Nikoline lächelte andächtig, als sie das Schiff erblickte, das in fast jeder dänischen Kirche hing und sie somit zur Seemannskirche machte. Es geschah nicht selten, dass jemand da draußen in Seenot geriet.

Wie wichtig war es doch, denen, die heuer nicht mit uns seien können, einen liebevollen Gedanken zu schicken und ihnen zu helfen, wann immer sie Hilfe benötigen!

Dänemark ist eine Seefahrernation und der Rest der Bevölkerung verdankt ihnen viel.

Weihnachten im Leuchtturm

Die gleiche Geschichte findet man auch als Einleitung in dem Buch “Weihnachten im Leuchtturm”, während der Hauptteil des Buches eine moderne, sehr stimmungsvolle und bewegende Geschichte erzählt, die sich fast 100 Jahre später zuträgt und teilweise in der schwedischen Wildnis spielt, aber teilweise auch mit einem Leuchtturm zu tun hat.

Weihnachten im Leuchtturm

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