Brauchen Kinder einen strammen Stundenplan?

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Frauen- und Skandinavienroman Solkrogen 10 – Dänischer Winter und afrikanischer Besuch, in dem eine der Romanfiguren zur Frage Stellung nimmt, wie viel Freiheit Kinder im Alltag brauchen und wie viel starrer Stundenplan ihrer Meinung nach angemessen sei.

 

“Kinder-Stress” ist leider auch im wirklichen Leben etwas, dem sowohl Kinder, als auch Eltern, viel zu oft und vor allem unfreiwillig ausgeliefert sind.

Was tut man, um dies zu vermeiden?

Denn oft kann man selbst noch nicht einmal so viel daran ändern, zumal Schule und gesellschaftliche Verpflichtungen (und Zwänge) einem keine grosse Wahl lassen.

 

Die Antwort kann nur jeder allein selber finden, denn es geht hier um indiviuelle Vorzüge, die man selbst prioritieren muss. Schliesslich ist es ja das eigene Leben, um das es sich hier handelt, und nur man selbst und die eigenen Kinder müssen damit glücklich werden. Also Patentrezepte gibt es kaum.

Dennoch… manchmal hilft es schon sehr, wenn man das eigene Leben zunächst völlig überdenkt und dann vielleicht sogar hier und da etwas grundlegendes ändert.

Man muss ja nicht unbedingt an einem gewissen Ort, unter bestimmten, vorgegebenen Umständen leben. Man kann auch woanders hinziehen, eine andere Karriere machen, den Umgangskreis wechseln oder einfach nur ein paar alte Gewohnheiten streichen und durch neue ersetzen.

Auch wenn die Gesellschaft einen einengt, man kann glücklicherweise immer noch die eine oder andere Wahl selbst treffen.

 

Doch aller Anfang ist schwer. Über Nacht kann man kaum Wunder erwarten und ganz besonders auch nicht, wenn man sich entschliesst, alles stehen und liegen zu lassen, um ins Ausland zu gehen oder aufs Land zu ziehen. Dann geht am Anfang nämlich sehr, sehr viel Zeit verloren, die man zum Etablieren des neuen Wohnortes und der neuen Arbeitsstelle braucht.

Das ist auch Zeit, die man nicht mit den Kindern verbringen kann – es sei denn, man unterrichtet sie zuhause* oder man holt sie zumindest sofort von der Schule ab und verbringt dann den Nachmittag mit ihnen, macht Schularbeiten zusammen und arbeitet gemeinsam am und im neuene Zuhause. Aber auch dann muss man höllisch aufpassen, dass genügend Qualitätszeit für die Kleinen da ist. Kinder brauchen eine unbeschwerte, frohe Kindheit und haben das Bedürfnis, sich geboren zu fühlen.

 

Wie gesagt, Patentlösungen gibt es keine. Für den einen ist die eine Sache richtig, der andere will ein völlig anderes Leben führen und das ist auch gut so. Schliesslich sind wir alle Individuen und haben alle unsere eigenen vorlieben und zum Glück auch unsere eigenen Vorstellungen vom eigenen Leben.

 

Doch eines ist sehr, sehr wichtig: Die Kindheit ist so kurz. Man hat nur ganz wenige Jahre im Leben, in denen die eigenen Kinder klein sind und gerne mit einem spielen und gemeinsame Unternehmungen machen wollen. Wenn man diese Zeit damit verbringt, ausserhalb zu arbeiten, während die Kinder überall sind, nur nie zuhause, zusammen mit der Familie, dann werden diese Jahre sehr schnell vergehen und man wird später im Leben zurückblicken und sich ärgern, dass man einfach alles verpasst hat.

Hier kommt jetzt der Romanauszug:

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Ein neuer Morgen im Januar

Mir schien, die ersten drei Tage des Jahres hatten wir wohl mehr oder weniger verschlafen. Nun ja, soweit also von schlafen die Rede sein konnte, wenn man ein kleines Würmchen hatte, das noch nicht einmal ein Jahr alt war!

Wir machten es uns einfach ein paar Tage lang gemütlich im Bett – alle zusammen! – und sahen Familienfilme.

Irgendwo las ich einmal die Frage besorgter Eltern: „Mein Kind will einfach nicht in seinem eigenen Bett schlafen. Wir haben schon alles versucht. Was können wir jetzt noch tun?“. Die Experten-Antwort kam prompt: „Lasst das Kind in Eurem Bett schlafen!“

Ich musste schmunzeln, denn das war auch meine Meinung.

Ich habe mich, als ich an der Beurteilung unterschiedlichster Manuskripte aus dem Erziehungsbereich arbeitete, durch unendlich viele Vorschläge und Theorien zu kämpfen gehabt und kam so auch dazu, die Blogs einiger Autoren zu lesen.

Mir fiel auf, wie viele junge Eltern ihre Kinder schon um 19 Uhr ins Bett schickten und überhaupt hatten die Kleinen ein volles Pensum, mussten dies und jenes besuchen und überall mitmachen. Daher mussten sie dann auch schon um 6 oder 7 Uhr aufstehen, um in den Kindergarten oder die erste Klasse zu gehen.

Du meine Güte! Wenn diese kleinen Würmchen dann schon mit drei oder vier Jahren im Kindergarten oder in der Schule anfingen, dann hatten sie ja überhaupt keine Kindheit mehr!

Nun, dies waren englischsprachige Blogs. Hier in Skandinavien ist es zum Glück noch ein wenig anders. Für Myriam fängt die Schule meist um 9 Uhr an und sie steht lediglich eine halbe Stunde früher auf. Morgens isst sie sowieso nur Obst und das tut sie meistens auf dem Schulweg. Dafür hat sie aber ein großes Esspaket mit, das garantiert, dass sie während des Vormittags eine gesunde und ausgewogene Ernährung erhält. Sie ist aber auch nicht so viele Stunden in der Schule, wie ihre amerikanischen oder englischen Leidensgenossen. Oftmals hat sie nur drei oder vier Stunden und macht dann Hausarbeiten zuhause.

Bei uns auf der Insel haben die Kinder hingegen noch ideale Bedingungen. Überall können sie hinlaufen oder hinradeln. Man muss nur aufpassen, das man ihnen rechtzeitig das Schwimmen beibringt. Kriminalität gibt’s bei uns nicht. Dazu ist die Insel zu klein. Hier wissen alle, dass man miteinander leben muss. Also einander etwas wegnehmen ist nicht drin. Rücksichtslosen Straßenverkehr gibt es auch nicht. Dazu sind die Straßen zu schmal und zu kurz und die Nachbarn würden missvergnügt gucken, wenn sie nicht mehr die Vögel zwitschern hören könnten.

Also sind unsere Kinder hier noch frei und erleben eine Kindheit in Harmonie mit der Natur und genießen im großen Ganzen ein friedliches Dasein, das ihnen auch erlaubt, Kind zu sein und so viel zu spielen, wie sie Lust haben.

Ich finde, das braucht ein Kind!

Wie soll sich ansonsten die Persönlichkeit formen und festigen?

Wie soll ein Mensch gute Werte annehmen können, wenn er schon von Kindesbeinen an ständig hin- und hergeschubst wird, ständig überall dazugehören muss und somit stets drauf bedacht ist, nirgends anzuecken?

Darum lassen wir Myriam eben so viele Freiheiten, wie möglich, schicken sie, an die frische Luft, bitten sie, im Haus und im Garten zu helfen und legen ihr aber anderseits auch so viel Intellektuelles und Künstlerisches nahe, wie wir meinen, dass sie schon begreifen kann.

Es geht uns nicht darum, ihr schnell irgendetwas beizubringen, damit sie ein musikalisches oder künstlerisches Wunderkind wird. Wir hoffen lediglich, dass sie die Liebe zur Musik, zur Kunst und zum Leben zu entwickelt.

Neugierde wecken und sie anderen Menschen gegenüber sensibel werden zu lassen, so dass sie ein natürliches Maß an Empathie entwickelt, ist ein weiteres Ziel unserer Erziehung.

Es ist für mich und Yves das Wichtigste im Leben, dass unsere Kinder keine egoistischen Bürger werden, sondern Menschen, die durch und durch herzensgut sind und die für die Welt, in der sie leben, das Beste tun.

Um jetzt auf die britischen und amerikanischen Kinder zurückzukommen:

Wenn man sich vorstellt, wie diese armen Kinder leben, dass sie so früh schon das Meiste ihres Tages von Zuhause weg sind und gar keine Zeit haben, schöne Dinge zu erleben, selbstbestimmt zu sein oder gar über sich selbst und die Welt zu reflektieren, weil sie schon von klein auf immer den Normen der Gesellschaft entsprechen müssen, dann kann man schon verstehen, warum so viele Kinder daran zerbrechen!

Es ist erschreckend, wie viele der Kleinen schon zum Psychologen rennen und Psychopharmaka schlucken!

Aber wie kann das auch anders sein; sie stehen ja ständig unter Leistungsdruck und Gruppenzwang. Bei solch unbarmherzigen Bedingungen kann man ja nur zusammenbrechen. Das würde jedem Erwachsen genauso ergehen!

Co-Sleeping

de.wikipedia.org/wiki/Co-Sleeping

en.wikipedia.org/wiki/Co-sleeping

cosleeping.nd.edu/safe-co-sleeping-guidelines

Leistungsdruck

www.welt.de/politik/bildung/article4558744/Wenn-uebermotivierte-Eltern-ihren-Kindern-schaden.html

Homeschooling

www.amazon.de/dp/B00H0JJTVU

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