Wenn Holzflächen unterschiedliche Farben haben – selbstgemachte Beize löst das Problem preiswert und umweltfreundlich

Jeder kennt das Problem: Man hatte den Teppich ein halbes Jahr lang auf dem neuen Holzfussboden liegen und schon hat die Sonne den Rest des Bodens nachdunkeln lassen, während unter dem Teppich der Holzfussboden immer noch hell ist.

 

Oder ein anderes Beispiel: Letztes Jahr kauften wir uns eine unbehandelte Küche aus hellem Holz. Dieses Jahr hätten wir gerne einen weiteren Schrank dazu gehabt. Doch leider wird der neue Schrank viel heller sein, da die “alten” Möbel bereits nach gedunkelt sind.

 

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Ein solches Problem hatten wir tatsächlich in unserer Küche, nur passten die Oberschränke nicht zu der neuen Tischplatte (siehe Foto oben).

Da kann guter Rat teuer sein, besonders wenn man kein Gift im Haus haben will und sich auch keine grossen Umstände machen möchte. Ach ja und kosten sollte es eigentlich auch nichts.

 

Die Lösung wurde eine selbstgemachte Beize:

1 Liter heisser, sehr, sehr starker schwarzer Kaffee wurde mit 50 g Vanillezucker (Vanillin) und 3 EL Meersalz verrührt und danach wurde diese Beize mehrmals auf das helle Holz aufgetragen, bis die Farbe so ungefährt die gleiche wie bei den Oberschränken war.

 

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Auf dem oberen Foto kann man den Farbunterschied sehr gut sehen.

Wir hatten das Ganze schon einmal vor ein paar Jahren ausprobiert. Da hatten wir Türen aus Fichte oder aus Kiefernholz gehabt, die auch unterschiedlich alt waren und da waren ein paar Türen nachgedunkelt, während die anderen noch ganz hell waren. Das Resultat war sehr überraschend. Nicht nur war die Farbe nach ein paar Anwendungen gleich, es duftete auch ganz herrlich.

Doch besser war allerdings, dass es eine umweltfreundliche und sehr preiswerte Lösung des Problemes war, das auch nicht viel Zeit in Anspruch nahm. Alle waren daher ganz begeistert.

 

Zu beachten ist aber dennoch:

  • Wir haben, je nach Objekt, 50 – 100 g Vanillezucker genommen. Das hat den Vorteil, dass das ganze Zimmer wochenlang ganz fantastisch nach Café duftete. Der Nachteil war: Zucker ist klebrig. Bei den Türen machte es nichts aus, besonders auch, da man das Klebrige nach ca. einer Woche vorsichtigt abwaschen konnte, ohne, dass es die Farbe beeinflusste. Doch bei der Tischplatte war es weniger gut. Da würde ich heute weniger Zucker nehmen oder ihn ganz weglassen. Der Zucker ist lediglich wegen des Duftes drin – und der ist einfach himmlisch!
  • Wir haben 2 – 4 mal am Tag die Fläche mit dieser Beize behandelt, da wir einen recht dunklen Ton haben wollten. Bei den Türen haben wir das zwei Tage lang gemacht. Bei der Tischplatte 3 Tage lang, da man bei waagerechten  Flächen aufpassen muss, dass da nicht zu viel Nässe raufkommt und sich staut. Daher hatten wir bei der Tischplatte mehrere Tage dazwischen, damit das Ganze trocknen konnte. Aber wie gesagt, wir wollten in beiden Fällen einen sehr dunklen Ton haben, daher wurden – alles in allem – 1½ Liter auf nur 4 Quadratmeter aufgetragen. Das ist eine Riesenmenge Flüssigkeit für so wenig Holz!!! Daher muss man wirklich aufpassen, dass alles gut trocknen kann und man das Holz nicht aufweicht. Die meisten Leute tragen aber lediglich ein oder zwei Schichten der Lasur/Beize auf und das trocknet relativ schnell, wenn die Bedingungen gut sind (niedrige Luftfeuchtigheit und hohe Zimnmertemperatur).

 

Nachdem alle Oberflächen (Arbeitsplatte in der Küche) gründlich getrocknet waren (das dauerte ca. 3 Wochen), haben wir sie mit Leinöl* behandelt. Dazu nahmen wir einfach Reste von ganz normalem Speise-Leinöl, die wir noch übrig hatten und die zu alt für den Verzehr geworden waren.

Diesen Tipp hatten mir einmal ein paar alte Fischer gegeben. Sie sagten, das benutzte man früher für die Boote, bevor man richtigen Lack hatte.

Die Türen blieben allerdings unbehandelt. Es war einfach nicht nötig, da noch Öl raufzutun, denn sie sahen mit der Beize alleine schon sehr gut aus und die Jahre, die seitdem vergangen sind, haben uns recht gegeben; die Türen sind immer noch wunderschön und sehr pflegeleicht.

 

Aklternativ kann man Tischplatten, Möbel, Böden, Türen etc.  auch mit Klarsichtlack behandeln, wenn das Holz wieder ganz trocken ist. Aus umweltfreundlichen Gründen tun wir das allerdings so gut wie nie, da wir es bis jetzt noch nicht als notwendig angesehen haben.

Wir wohnen in Skandinavien und da ist unbehandeltes Holz etwas, das gern gesehen ist, auch bei Tischplatten und sogar bei Arbeitsplatten. Es kommt aber auch darauf an, was für ein Waschbecken man hat. Wenn man viel mit Wasser herumplantscht und das Waschbecken sehr klein ist, dann würde ich womöglich doch lackieren oder lieber gleich eine Ateinplatte nehmen.

Auch da sind wir kreativ geworden: Man kann nämlich auch gut eine Arbeitsplatte mit Fliesenmosaik selbst bauen. Doch das werden wir in einem anderen Post behandeln.

*GANZ WICHTIG: Wie oben zu lesen ist, hatten wir beabsichtigt, Leinöl zu benutzen. Jetzt las ich aber gerade in der dänischen Zeitschrift “Samvirke”, dass sowohl Linolie und auch Hørfrøolie sich unter Umständen selbst entzünden können.

Hørfrøolie ist das Leinöl, das zum Verzehr geeignet ist.

Linolie ist das oxidierte Leinöl, mit dem man Holz behandelt.

Obgleich das Leinöl angeblich perfekt für alte Schiffe ist, wer will schon seine Küche im Obergeschoss des Hauses damit behandeln, wenn es so leicht entzündlich ist? Also werden wir uns wohl doch etwas anderes überlegen müssen.

Auf Wikipedia ist u.a. dieser Auszug zu lesen:

“Unsachgemäße Lagerung und Entsorgung mit Leinöl getränkter Lappen, Pinsel usw. verursacht u. a. in Schreinereien und Malerwerkstätten häufig Brände. Auch ungenügend gewaschene, zuvor mit ungesättigten Ölen verunreinigte Textilien können sich im Wäschetrockner oder sogar danach noch im warmen Zustand selbst entzünden.[11]

Die Selbstentzündung erfolgt dabei wahrscheinlich durch Autoxidation von Doppelbindungen der α-Linolensäure bei zugleich großer Oberfläche und somit hoher Verfügbarkeit von Luftsauerstoff. Staut sich die bei der Oxidation des Leinöls entstehende Wärme, können sich bei entsprechenden Temperaturen auch Trägerstoffe selbst entzünden. Besonders hoch ist die Gefahr beim Arbeiten mit sogenanntem Halböl, das je zur Hälfte aus Lein- und Terpentinöl besteht, da letzteres einen Flammpunkt von unter 50 °C besitzt, während Leinöl selbst mit einem Flammpunkt von ca. 315 °C (Marcusson) und einem Siedepunkt oberhalb von 350 °C eher schwer entzündlich ist.

Mit Leinöl getränkte Textilien sollten ausgebreitet auf einer unbrennbaren Fläche zum Aushärten ausgelegt werden. Im Freien können sie zum Trocken aufgehängt werden. Zur Aufbewahrung sollten sie in einem luftdichten Behälter lagern oder sie werden kontrolliert verbrannt. Pinsel können bis zur nächsten Benutzung in rohem Leinöl hängen.”

 

Bildmaterial:

NVP-Verlag

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