Hausunterricht (Homeschooling) in Dänemark

Hausunterricht kann man Homeschooling (eigentlich Home Schooling) oder Home Education nennen. Das dänische Wort dafür ist Hjemmeundervisning.

Seit mehr als 150 Jahren besteht in Dänemark keine Schulpflicht, sondern Unterrichtspflicht (Undervisningspligt).

Das heisst, dass ein Kind von der Vorschulklasse bis zum Ende der 9. Klasse unterrichtet werden muss. Dies geschieht entweder in einer Schule oder man kann es auch zu Hause tun.

Dazu stellt man entweder einen Privatlehrer ein oder man unterrichtet sein Kind einfach selbst.

Wir haben es mit Hausunterricht versucht. Es hatte eigentlich nur ein Experiment sein sollen, das lediglich ein paar Jahre andauerte. Doch wir wurden davon überrascht, wie gut sich unser Kind entwickelte und wie schön das Ganze für unsere Familie war und haben daher weitergemacht. Mehr darüber kann man in diesem Buch lesen.

Will man in Dänemark sein Kind selbst unterrichten, muss man das der Verwaltung (Kommune) mitteilen. Danach kann die Kommune das überprüfen. Der Unterricht sollte der Zielsetzung des Unterrichts des normalen Schuljahres folgen.

Wir haben das so gemacht, dass wir uns mit der Schule in Verbindung gesetzt haben, die für unser Kind zuständig gewesen wäre, und dort haben wir um den “Undervisningsplan” (Unterrichtsplan) und “Undervisningsmål” (Lernziele) für das jeweilige Schuljahr (klassetrin) gebeten.

Da war man dann in der Regel so nett, dass wir uns Schulbücher ausleihen durften. Aber der Staat hat keine Verpflichtung, dies zu tun. Wer zu Hause unterrichtet, muss laut Gesetz selbst für die Schulmaterialien sorgen. Warum das so ist? Ein Rektor meinte zu uns: “Wir haben einfach nicht das Geld, um mehr Bücher zu bestellen. Aber die, die wir nicht mehr brauchen, könnt Ihr haben.”

Jedes halbe Jahr kamen 1 oder 2 Lehrer, um unser Kind zu testen. Das musste theoretisch auch nicht sein, aber unser Kind wollte das und auch die Lehrer hatten ihre Freude daran, da es für beide Seiten immer ein schöner Tag war, den wir sehr angenehm gestalteten.

Den Abschluss machte unser Kind auf einer dänischen Privatschule, bei dem es ein halbes Jahr lang angemeldet war, wenn ich mich recht erinnere. Doch schon bald kam der Rektor und bat unser Kind (das in der Entwicklung anderen Kindern sehr weit voraus war), in der Schule als Hilfslehrer für Englisch zu arbeiten. Das war gut für die Schule, da sie auf diese Art eine billige Arbeitskraft bekamen, die noch dazu perfektes Englisch sprach. Die anderen Schüler reagierten auch sehr positiv darauf, “einen von ihnen” als Hilfslehrer zu haben, und es war gut für unser Kind, das sich dadurch zum ersten Mal im Leben eigenes Geld verdienen konnte.

Gute Informationen und Hilfe für den Anfang unseres Homeschooling-Projektes bekamen wir übrigens auch beim Undervisningsministerium in Kopenhagen und danach haben wir improvisiert. Hauptsächlich haben wir uns an den alten  Unterrichtsmaterialien unseres grösseren Kindes orientiert. Aber ich will auch durchaus zugeben, dass wir es gewohnt sind, zu unterrichten und auch, unsere eigenen Unterrichtsmaterialien herzustellen. Jedoch haben wir auch mal bei 0 angefangen. Ich würde daher sagen, dass jeder seine eigenen Kinder zu Hause unterrichten kann, egal ob er es gelernt hat oder nicht. Wichtig ist lediglich, dass man genügend Widmung ins Projekt hineinfliessen lässt, also diesen Lebensstil und das Unterrichten wirklich gerne macht und Spass dran hat, und dann sollte man, wenn es nur irgendwie geht, sich die gleichen Bücher besorgen, die die öffentlichen Schulen benutzen. Auch wenn man sie letztendlich vielleicht gar nicht im Unterricht benutzt, man muss genau wissen, was die anderen tun, und was generell in dem Schuljahr an der örtlichen Schule erreicht wird, damit man sein eigenes Kind nicht aus Versehen benachteiligt.

Wichtig ist auch nicht, dass man wahnsinnig viel mit seinen Kindern paukt. Viel wichtiger ist, dass man den Kindern zeigt, wie man lernt, wo man alle Infos findet und dass man die Freude am Lernen im Kind weckt. Unser zu Hause unterrichtetes Kind ist heute fast 30 und unterrichtet sich immer noch selbst, weil es eben ein Lebensstil und ein Hobby wurde, das viel Spass macht und wo man es sich im Kreise der Familie so richtig bei gemütlich machen kann. Typisch dänische Hygge eben.

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