IN DÄNEMKAR ARBEITEN – Stellensuche in Dänemark: So funktioniert es

Suchte man früher Arbeit in Dänemark, ging man einfach zum Arbeitsamt (AF, Arbejdsformidlingen). Damals war das staatliche Arbeitsamt die einzige offizielle  Möglichkeit, einen Job zu finden.

Darüber hinaus gab es Stillingsannoncer in Tageszeitungen (Aviser/Dagpressen) und in Lokalblättern (Lokalavis), wobei die Lokalzeitungen, die es gratis gab (und immer noch gibt!), eigentlich die besten sind, denn sie enthalten die Annoncen, die relevant sind, wenn man in der Nähe seines Wohnortes arbeiten möchte.

 

Heute gibt es die Zeitungen immer noch und auch die staatliche Arbeitsvermittlung existiert noch immer.

Jedoch hat sich der Arbeitsmarkt (Arbejdsmarket) innerhalb der letzten 15 Jahre so sehr gewandelt, dass heutzutage das Internet die primäre Quelle für Jobannoncen ist.

 

Diese Entwicklung kam schleichend und relativ langsam. Zunächst hatte es da die Zeitarbeitsfirmen (Temp Services) gegeben, deren Mitarbeiter teilweise automatisch in ein festes Arbeitsverhältnis übergingen. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis sie sich auch der Vermittlung von Arbeitskräften widmeten.

Zusätzlich gab es schon immer Headhunters, die Kandidaten für bestimmte Positionen suchten und auswählten.

 

Der HR-Bereich (Human Resouces, auf Dänisch: Personalrekrutering) ist dann etwas geworden, in dem Viele (meist Konsulenten auf Freelance-Basis oder kleine Firmen) sich mit allen möglichen selbst gebastelten Tests und Theorien als Fachleute ausgaben und ihre Kunden dementsprechend zur Kasse baten.

 

Heutzutage haben alle grössere Firmen HR-Afdelinger/Personaleafdelinger, die sich dieser Aufgabe annehmen. Auch heute sind die Entschlüsse, die dort gefällt werden nicht immer nachzuvollziehen und entsprechen meist auch keiner wirklich funktionierenden Logik.

Ich schreibe dies für jene, die sich ungerechterweise abgelehnt fühlen. Nehmt es nicht persönlich und versucht nicht, da all zu viel hinein zu interpretieren. Das sind in der Regel willkürliche Entscheidungen und persönliche Vorlieben (oder Abneigungen), die dahinter stecken. Wer abgelehnt wird, sollte sich einfach schnell für ein paar weitere Stellen bewerben. Früher oder später wird es dann schon klappen. Die Menge der Bewerbungschreiben ist es, die letztendlich den Unterschied macht.

 

Heutzutage werden offene Stellen immer noch annonciert. Jedoch sind in Dänemark vor allem 2 grosse weitere Anbieter hinzugekommen: Jobnet und Jobindex, 2 Internet-Portale, die mit der AF (Arbejdsformidlingen) zusammenarbeiten.

 

Jobnet hat, als ich gerade eben geschaut habe, 25.864 Stellen anzubieten. Das ist nicht wenig für ein so kleines Land wie Dänemark.

https://job.jobnet.dk/CV/

 

Jobindex kann man hier finden; die haben auch sehr viele offene Stellen gelistet:

https://www.jobindex.dk/jobsoegning

 

Sucht man die örtliche Arbeitsformidling, sollte man die Kommune (Bezirksverwaltung) dort kontaktieren, dort wo man wohnt.

 

Zum Arbeiten in Wohnortnähe sei jedoch gesagt: Pendler zu sein, ist in Dänemark nicht unüblich. Als ich das Thema einmal recherchierte, fand ich Unglaubliches heraus: In Dänemark pendelt man gut und gerne 100 km zur Arbeit. In Deutschland hingen, ist oft schon die Rede von einem Pendler, wenn man nur 20 oder 30 Kilometer Anfahrt hat.

Auch war ich überrascht, dass in den USA ein Grossteil der Pendler nur sehr kleine Distanzen zurücklegt. Ganz besonders auf dem Lande will man’s lieber in der Nähe und komfortable haben, wohingegen die Menschen nichts dagegen haben, eine oder anderthalb Stunden nach New York City zu pendeln.

Überraschend ist das Ganze, weil Dänemark ein so kleines Land ist. Man würde nicht erwarten, dass die Leute hier so viel hin- und herfahren. Aber das ist nicht nur eine Notwendigkeit, das Finanzamt zeigt sich auch erkenntlich und honoriert es dementsprechend, indem man u.a. einen gewissen Kilometersatz von der Steuer absetzen kann. Daher gibt es durchaus Leute, die auf Fünen wohnen und in Kopenhagen arbeiten oder Leute aus der Gegend der Hauptstadt (Kopenhagen, hovedstadsområde auf Dänisch), die ab und an in Jütland Meetings haben. Sie müussen es nicht nur tun, sie tun es auch gerne.

In Dänemark ist man äusserst mobil und extrovertiert. Darum gibt es auch diese Fährfahrbindungen mit schnellen Fähren, die beispielsweise Westseeland mit Jütland verbinden. Der moderne Däne ist äusserst mobil und flexibel.

 

Und zwar ist er so flexibel, das er oft auch umzieht, wenn er einen nuen Arbeitsplatz hat oder sein Arbeitgeber mit einem verlockenden Angebot kommt. Es ist durchaus schon geschehen, dass Arbeitgeber einen Batzen Geld auf den Tisch gelegt haben und sagten: “Das ist deins, wenn du mit uns umziehst, wenn nicht, dann kannst du dir einen neuen Job suchen.”

 

Was uns zu der dänischen Jobkultur bringt. Während es beispielsweise in Frankreich sehr schwer ist, Mitarbeiter zu entlassen, haben Arbeitnehmer in den USA kaum Rechte.

Dänemark lag immer dazwischen und die Dänen waren auch sehr stolz darauf, dass man hier zwar schnell einen Job verliert, aber dafür auch immer wieder ganz schnell einen neuen findet, und sollte es mal hapern, gab es ein Velfærdssystem (Sozialsystem), das die Leute auffangen konnte, die mal nicht so viel Glück hatten.

 

Dank all dem, was im Zusammenhang mit der Finanzkrise passierte, kam dieses System ins Wanken.

Momentan leben mehr als 50% (kein Witz!) hier von Overførelselsindkomster, also von Staat, und die Tendenz ist steigend.

Das lieget zum einen daran, dass diese Leistungen recht hoch sind, um eben die hohen Lebenshaltungskosten decken zu können und das, was netto bei einem “Niedriglohn-Gehalt” herauskommt, ist eben nicht so umwerfend viel, weil der Niedrigverdiener in der Regel nichts hat, was er von der Steuer absetzen kann und somit wird er vom Skattevæsen (Finanzamt) ganz beachtlich zur Kasse gebeten.

Eine weitere Ursache sind allerdings auch die generelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt (heute hat niemand mehr einen Job fürs Leben; die Meisten wechseln spätestens nach 3 Jahren) und vorallem aber auch die Tatsache, dass niemand mehr für etwas kämpft.

Nicht nur nehmen wir die Demokratie als selbstverständlich hin, Arbeitsrecht ist auch etwas, das den Meisten vollständig egal ist, es sei denn sie werden gerade selbst entlassen oder mussten feststellen, dass ihre Rechte als Arbeitnehmer anderweitig  gravierend verletzt wurden.

 

Dies hat dazu geführt, dass sich die Menschen nirgendwo mehr so richtig zugehörig fühlen und auch, dass sie sich nicht mehr so zusammenschliessen wie früher, um für ihre Rechte als Arbeitnehmer zu kämpfen. Aus diesem Grund haben die Gewerkschaften (Fagforeninger) sehr viel an Einfluss einbüssen müssen, was nicht nur zu schlechteren Arbeitsbedingungen für den durchschnittlichen Arbeitnehmer führte, der Staat und die Wirtschaft haben dementsprechend an Macht gewonnen und können heute vieles entscheiden und bewirken, was noch vor 10 oder 20 Jahren völlig undenkbaer gewesen wäre.

 

Im KLartext:

Wünschen Sie, in Dänemark zu arbeiten, sollten Sie flexibel sein. Lange Anfahrten können nicht ausgeschlossen werden, auch ein arbeitsbedingter Umzug kann manchmal vorgeschlagen werden. Die meisten Firmen suchen extrovertierte Mitarbeiter, die fachliche Qualifikationen haben, die ihren Anforderungen gerecht werden.

 

Achtung:

Für Handwerker gilt in der Regel leider: Der Grund, warum manche Firmen deutsche oder andere ausländische Handwerker anstellen, ist nicht, weil sie besser als die Dänen sind, sondern weil sie billiger arbeiten.

Dies ist nur möglich, wenn der dänische Auftragsgeber den ausländischen Mitarbeiter über seine ausländische Firma anheuert. Das ist leider die traurige Wahrheit. Leider sind das in der Regel auch nur zeitlich begrenzte Aufgaben, die an solche Firmen vergeben werden. Wenn Sie wirklich unter diesen Bedingungen in Dänemark arbeiten wollen, dann kontaktieren Sie ihr eigenes Arbeitsamt in Ihrer Heimnatstadt.

 

Genereller Job-Tipp:

Wer in Dänemark wohnen und bleiben möchte, der sollte die Sprache so schnell wie möglich beherrschen, was nicht schwer ist. Darüber hinaus sollte er sich so schnell wie möglich in die Gesellschaft integrieren, damit er, wie man hier so schön sagt på lige fod (auf gleichem Fuss, also gleichgestellt) mit den Dänen leben und arbeiten kann.

Selbstverständlich kann man auf den Job-Portalen sehr viele Stellungsannoncen finden und es kann auch durchaus sein, dass man Glück hat und einen Job bekommt.

Viel besser ist aber dieser Geheimtipp: Man schreibt unaufgteforderte Briefe mit CV (Lebenslauf) und schickt sie an sehr, sehr viele Firmen. Dann haben diese potentiellen Arbeitgeber schon ein Angebot, wenn eine Stelle offen wird.

Nicht alle Firmen und Institutionen freuen sich darüber, aber bei manchen funktioniert es überraschend gut. Denn von Seiten der Firma (oder der Institution) aus, die einen neuen Mitarbeiter sucht, ist so etwas ausgesprochend vorteilhaft, da es Resourcen spart. Schliesslich kostet das Auswählen neuer Mitarbeiter in der Regel sehr viel Zeit und Geld, und wenn man auf diese Art so unproblematische einen netten und cooperativen Mitarbeiter finden kann, der den Job einigermassen gut macht, sind alle glücklich.

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