Hörbeeinträchtigung und politische Korrektheit

Dass man sich politisch korrekt verhält, entsteht im Grunde aus einem Druck der Gesellschaft, die auf den Einzelnen ausgeübt wird.

Leider hat das nicht all zu viel damit zu tun, was gut oder weniger gut ist.

Der Einzelne hat lediglich Bedenken, gegen den Strom zu schwimmen, da dies ernsthafte Konsequenzen haben kann, und so gibt er dem Druck der Gesellschaft nach und verhält sich so, wie es akzeptabel erscheint.

Doch politische Korrekheit hat zumindest den positiven Effekt, dass die Gruppe sich  gegen das auflehnt, das offensichtlich als destruktiv oder verkehrt angesehen wird.

Aber auch hier variert die Auffassung einer Gruppe sehr stark, je nachdem wo man sich befindet und aus welchen individuellen Persönlichkeiten sich die Gruppe oder die Gesellschaft zusammensetzt.

Nun ist es in unserer westlichen Welt so, dass wir mittlerweile so weit gekommen sind, dass Minderheiten, Menschen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen und auch Religionsfreiheit als schutzbedürftig angesehen werden; und man hat auch im Allgemeinen so viel Empathie, dass man für Menschen mit Beinträchtigungen und für Behinderte ein zivilisiertes Verhalten an den Tag legt.

Daher ist es um so schockierender, wenn man sieht, wie vereinzelte Beeinträchtigungen nahezu selektiv ausgeschlossen werden.

Da gibt es beispielsweise Menschen mit spastischen Behinderungen oder mit Down’s Syndrome, die immer noch bei all zu vielen Mitbürgern als “Bekloppte” gelten.

Genauso verhält es sich mit Hörbehinderungen. Wenn jemand nicht optimal hören kann, denken wir gleich, dass er entweder nicht hören will oder sonst irgendwie geistig behindert sein muss.

Auch wird heutzutage so viel Druck auf die Betroffenen oder deren Angehörige (beispielsweise Eltern eines Kindes mit Hörbeeinträchtigung) ausgeübt, dass sie doch gefälligst mal bitteschön etwas gegen dieses Makel tun sollen – und zwar schleunigst, damit der Betroffene nicht länger eine Belastung für die Gesellschaft darstellt.

Es ist wirklich verwunderlich, was die Leute an Frechheiten alles über die Lippen bringen, ohne vorher das Gehirn einzuschalten!

Schliesslich sagen wir ja auch nicht zu jemanden, der keine Beine hat: “Hey, steh mal auf, du Krüppel, und besorg dir ‘ne Protese!”.

Das würde nämlich nicht als politisch korrekt angesehen werden und wäre ein ziemlich peinlicher Patzer für den, der vorlaut den Mund aufgerissen hätte.

Doch wenn es um Menschen geht, die schwerhörig oder taub sind, passiert all das in einer Grauzone. Man denkt: “die sind ja sowieso so unfähig und blöd, dass sie das nicht mitkriegen, und ausserdem… das ist ja schliesslich keine richtige Behinderung, nicht wahr? Wer will, kann sich heutzutage einfach ein Stück High Tech umhängen oder implantieren lassen, und damit hat sich der Fall!”.

Tja, wie es scheint, haben wir es da nicht nur mit politischer Unkorrektheit zu tun, sondern auch mit einem unglaublichen Mass an Ignoranz und Unwissenheit.

Doch ohne die Bereitschaft andere zu schikanieren, indem man Methoden wie Bullying und Mobbing zur Hilfe nimmt, würden solche Sachen dennoch nicht passieren.

Es handelt sich hier also nicht um harmlose Patzer oder um ein kleines Kavaliersdelikt, sondern um Leute, die generell das Bedürfnis haben, ihre eigenen Unzulänglichkeit auf andere abzuwälzen, indem sie sich ein Ziel suchen, bei dem sie meinen, dass dieses üble Manöver nicht auffällt.

Mehr zum Thema kann man in diesem deutschsprachigen Buch lesen.

How to Deal with Criticism

Mehr zum Thema Mobbing, Bullying und Schikane – wenn es als Kritik verpackt kommt, kann man hingegen in diesem englischsprachigen Buch erfahren.

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