Was ein Co-Narzisst ist, warum diese Bezeichnung eine heikle Sache ist und warum Kinder keine andere Wahl haben als Co-Narzissten zu werden

woman in black cloak with fishing pole standing in beach

Oft werden die Opfer von Narzissten als co-abhängig, als Co-Narzissten oder als Komplimentärnarzissten bezeichnet.

Da ist etwas Wahres dran, denn wir kennen ja schließlich alle das alte Sprichwort: „Wenn einer nicht will, können zwei nicht miteinander streiten“, und so kann man auch hier sagen, dass das Opfer einen gewissen Part in dem Drama hat, was abläuft, denn wenn es überhaupt nicht anwesend wäre, könnte der Narzisst seinen Wahn nicht auf diese Art ausleben.

Ich möchte aber dennoch vor dieser Stigmatisierung warnen, denn obwohl wir alle eine Rolle spielen und uns auch alle im Klaren darüber sein sollten, wie weitreichend sie ist (und was man alles selbst verändern kann, damit es einem besser geht), wenn man alle Opfer in die gleiche Schublade steckt und ihnen noch dazu das Etikett „mitschuldig“ aufdrückt, dann ist das eine sehr gefährliche Sache, die unsere Gesellschaft in die verkehrte Richtung lenkt.

Der Narzisst ist schuldig. Er hat Schlimmes getan und macht zudem noch jeden Tag in seinem Leben weiter damit. Er schädigt andere, auf sehr ernsthafte Weise. Er ruiniert Leben und er sorgt dafür, dass seine Opfer früher sterben.

Er ist schuld daran und nicht andere obwohl er eine tragische Kindheit hatte und obwohl sich das Opfer theoretisch seinem Wirkungsradius entziehen kann.

Doch der Narzisst ist derjenige, der tagtäglich Taten begeht, die, wenn man genau hinschaut, ernsthafte Verbrechen an der Menschheit sind. Er ist schuldig, weil er sich entschieden hat (und jeden Tag aufs Neue entscheidet!), als schlechter Mensch zu leben.

Andere haben das gleiche Schicksal, aber sie entscheiden, einen anderen Weg zu gehen und somit nicht schuldig zu werden.

So ja, man kann sagen, dass das Opfer ein Co-Narzisst ist und sein Verhalten so anpasst, dass der Narzisst ihm nicht davonläuft, denn diese Anpassung ist das Einzige, was der Narzisst duldet.

Für Kinder, die sich dem Narzissmus-Wahn ihrer Eltern nicht anpassen und nicht ganz genau die Rolle übernehmen, die das narzisstische Elternteil ihnen zuweist, bedeutet das nämlich Strafe.

Als hilflose Kinder brauchen sie den Schutz der Eltern, brauchen Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf. Machen sie nicht ganz genauso so, wie der narzisstische Elternteil das will, wird ihnen dies entzogen oder sie werden zumindest anderweitig gefügig gemacht.

Ältere Kinder hingegen, die es gewagt haben, sich abzunabeln, werden hingegen erleben, dass die Eltern schlecht über sie reden und sie letztendlich auch nicht selten enterben.

Interessanterweise tun es viele narzisstische Eltern auch, wenn ihre Kinder sich lieb und nett verhalten und sich sogar fürsorglich um sie kümmern.

In der Tat macht es das vielleicht noch schlimmer, wenn das Kind ein anständiger, guter Mensch ist, denn ein narzisstischer Elternteil will nicht, dass das Kind ein eigenständiges positives, erfolgreiches Leben hat, Verantwortung übernimmt, stark ist und Gutes tut.

Der Narzisst duldet einfach nicht, dass sein Opfer nicht mehr nach seiner Pfeife tanzt und seine Spielchen nicht mehr mitspielt! Wenn das Kind tatsächlich konsequent die Co-Abhängigkeit verweigert und nur noch auf nette, freundliche Art und Weise mit dem narzisstischen Elternteil zu tun hat, wird es erfahren, dass dies nicht möglich ist.

Der Narzisst will ausschließlich eine Marionette. Spielt das Kind da nicht mehr mit, wird es als Feind deklariert und ihm wird nachgesagt, dass es keinen Kontakt mehr zu den Eltern wolle oder sich zumindest nicht um sie kümmere, auch wenn dies eine komplette Lüge ist.

Die traurige Wahrheit ist: egal auf welche Weise, der Narzisst wird sein Opfer immer bestrafen, sobald es sich seinem Sog vollständig entzogen hat.

Das wissen die meisten Kinder narzisstischer Eltern sehr wohl – wenn auch oft nur auf einer unbewussten Ebene, und darum kann man sich, meiner Meinung nach, auch viele Therapien und Selbsthilfegruppen sparen, denn das Opfer kann sowieso nie gewinnen. Jedenfalls nicht auf die Art, dass es für die Ungerechtigkeiten angemessen kompensiert wird.

In vielen Selbsthilfegruppen und Peer Groups (Gruppen Gleichgesinnter/Leidensgenossen) wird oft eigentlich nur über den Narzissten und die unterschiedlichen Situationen geklagt, indem tragische Leidensgeschichten und Probleme weitergegeben werden.

So haben die Beteiligten zwar das Gefühl, „Wir sitzen alle im selben Boot“, und sind einigermaßen zufrieden, weil sie sehen, dass andere die gleichen Probleme haben.

Doch das ist ein trügerischer Schein, denn wirkliche Hilfe findet man dabei nur selten.

Wirkliche Hilfe sollte es hingegen von gesetzlicher Seite geben. Wir brauchen neue Gesetze, die Opfer beschützen und nicht die Täter.

Kinder narzisstischer Eltern sollten nicht länger für sie sorgen müssen, wenn diese alte oder hilfsbedürftig werden, denn wer sein Kind regelmässig und über Jahre hinweg vernachlässigt und/oder misshandelt verdient zum einen die Liebe des Kindes nicht. Zum anderen hat er auch dafür gesorgt, dass sein Kind höchstwahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, ihn finanziell und anderweitig zu unterstützen, denn solche Kinder haben nur selten eine wirkliche Chance im Leben gehabt.

Darüber hinaus sollte das, was der Narzisst seinem Kind antut, sollte strafbar werden und die Gesellschaft sollte nicht länger so tun, dass als ob die Kinder missraten wären, wenn es in Wirklichkeit die Eltern sind, die ihnen die Hölle heiß machen und nicht umgekehrt!

Hier wäre es tatsächlich sinnvoll, wenn sich Selbsthilfe- oder eher Aktionsgruppen zusammentun würden, die versuchten, die Gesellschaft aufzuklären und auf politischer Ebne Gesetzesänderungen zu erwirken.

Denn momentan haben die Opfer narzisstischer Eltern kaum mehr Rechte als im Mittelalter.

house

Jene, die genau wissen wollen, wie Co-Abhängigkeit typisch definiert wird, finden nachfolgend ein paar Wikipedia-Auszüge, die das Wichtigste zusammenfassen:

Co-Abhängigkeit bezeichnet ein sozialmedizinisches Konzept, nach dem manche Bezugspersonen eines Suchtkranken (beispielsweise als Co-Alkoholiker) dessen Sucht durch ihr Tun oder Unterlassen zusätzlich fördern oder selber darunter in besonderer Form leiden. Ihr Verhalten enthält seinerseits Sucht-Aspekte.“

 

Co-Abhängigkeit bezeichnet darüber hinaus auch ein Verhalten von Menschen mit einer Beziehungsstörung, bei der sie sich ganz allgemein von anderen Menschen abhängig machen, unabhängig von einem bestimmten Menschen oder von einem süchtigen Menschen.“

 

Es ist umstritten, ob Co-Abhängigkeit als abhängige oder gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60) eingestuft werden kann. Nicht jedes co-abhängige Verhalten ist pathologisch.“

“Kritik am Konzept

Co-Abhängigkeit wird in der Suchtforschung kontrovers diskutiert. So wird unter anderem kritisiert, dass es viele einander widersprechende, unpräzise Begriffsdefinitionen gibt, und dass Angehörige, über das Attribut ‘co-abhängig’, oft völlig ungerechtfertigterweise, pauschal als Schuldige bzw. Täter diffamiert werden. Uhl und Puhm[5] beispielsweise beschreiben in ihrem Artikel, dass, sobald man alle „Irrationalitäten, Widersprüchlichkeiten und Absurditäten“ aus der Definition ausschließt, die Co-Abhängigkeit zum Synonym für suchtförderndes Verhalten wird. Somit wäre es zweckmäßiger, in begründeten Fällen davon zu sprechen, als einen ungenauen und stigmatisierenden Terminus wie Co-Abhängigkeit zu verwenden.“

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abh%C3%A4ngigkeit

Quelle dieses Blog-Beitrags:

Elterlichen Narzissmus verstehen

Der obige Beitrag stammt aus dem Buch Elterlichen Narzissmus verstehen.

Dort findet man alles zum Thema leicht verständlich erklärt. Dies kann u.a. helfen, sich zumindest mental von narzisstischen Eltern zu distanzieren, auf seine eigenen Rechte zu bestehen und fortan ein weitaus positiveres Leben zu führen, in dem es wieder viele Glücksmomente gibt.

 

Ein Artikel-Verzeichnis mit vielen weiteren Beiträgen über Narzissmus findet man hier.

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Disclaimer (Haftungsauschluss) für diesen Artikel

Wichtiger Hinweis für Kinder narzisstischer Eltern und andere misshandelte Kinder, die noch unter 18 sind

Bildnachweis:

1. Foto: Engin Akyurt

2. Foto: eberhard grossgasteiger

3. Umschlag: NVP-Verlag

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