Elterlichen Narzissmus bekämpfen: Was genau ist Opferhaltung und wie kann man – trotz Trauma und Ungerechtigkeit – sie vermeiden?

Eine Opferhaltung kann entstehen, wenn man sich ausgeliefert, ohnmächtig und hilflos gegenüber eines oder mehreren tragischen Geschehen oder in Beziehung auf bestimmte Personen oder Gegebenheiten fühlt.

Die grundlegende Problematik

Als misshandeltes Kind (beziehungsweise als Kind eines oder zweier Narzissten) hat man allen Grund, sich so zu fühlen und eine Opferhaltung einzunehmen, denn man ist auch wirklich ein Opfer – und zwar ein ganzes Leben lang, denn all das, was einem an Guten nicht zuteil wurde und all das, was einem stattdessen an Schlechtem widerfahren ist, wird einem für den Rest des Lebens verfolgen und benachteiligen.

Lösungsversuche und Begrenzungen

Jetzt gibt es jene, die, wenn sie noch jung sind, den Elan haben, sich über all das hinwegzusetzen. Sie arbeiten härter als alle anderen, sind mehr engagiert und glauben auch ohne Urvertrauen an das Gute im Menschen und daran, dass man eigentlich alles kann, was man will.

Das ist im Grunde auch richtig so, denn der Mensch erschafft sich selbst sein letztendliches Schicksal, indem er entscheidet, wie er sich selbst dazu verhält. Daraus resultiert letztendlich auch, was das Leben ihn an guten und schlechten Erlebnissen einem bietet.

Allerdings ist es auch so, dass man die Vergangenheit nicht ungeschehen machen und Benachteiligungen nicht einfach so ausgleichen kann.

Diese Wunden werden immer da sein – auch wenn sie mit der Zeit vielleicht ein wenig verblassen.

Gesellschaftlicher Druck

Wenn einem die Gesellschaft heutzutage dann vielleicht noch mehr als zu vergangenen Zeiten nahelegt, dass man sich gefälligst zusammenreißen und eine positive Einstellung einnehmen soll, weil man ansonsten kein bisschen „cool“ ist und keiner mit einem „abhängen“ will, dann ist das ganz bestimmt nichts, was Wunden heilt, sondern nur noch mehr Druck ausübt und Menschen im Verborgenen leiden lässt.

woman wearing brown overall

Nur ein Ausweg

Wenn man dann so im Verborgenen leidet und sich fragt, ob es nicht doch vielleicht irgendetwas gibt, das diesen Missstand beenden könnte, findet man vermutlich diese Antwort:

Das Leben ist nicht fair. Auf diesem Planeten leben momentan gut 10 Milliarden Menschen, und die meisten davon leiden noch mehr als wir, weil sie noch nicht einmal in Freiheit leben oder genug zu essen haben. Probleme wie unsere haben sie dann noch obendrein.

Das Leben ist also absolut nicht fair!

So gesehen liegt die Erkenntnis vielleicht nicht mehr so fern, dass man irgendwann wohl an einem Scheideweg gewesen sein muss, wo man entscheiden konnte, welchem Impuls man lieber folgen wollte, dem Schmerz und der Verzweiflung darüber, dass man keine Gerechtigkeit herbeiführen kann oder dass man sich trotz allem weiterhin aufrafft, in der Hoffnung, letztendlich doch noch ein kleines Stück vom Glück zu erhaschen.

Die guten Nachrichten sind:

Zu diesem Scheideweg kann man zu jeder Zeit zurückkehren und einen anderen Weg wählen, als man bislang ging.

Nicht nur ein psychologisches Problem

Dass es für Narzissmus-Opfer, die dadurch nicht nur ihre Kindheit vermasselt bekommen haben, alles andere als einfach ist, eine solche Entscheidung zu fällen, ist nicht überraschend, denn in Wirklichkeit haben wir es hier mit weitaus mehr als „nur“ mit einer psychologischen Problemstellung zu tun.

Vermutlich würden die meisten Opfer sich sogar weitaus besser fühlen, wenn sie nicht zum Psychologen rennen, sondern stattdessen einen guten Rechtsanwalt zu Rate ziehen würden!

Denn das Problem ist eben gerade die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, bei der oft auch im rechtlichen und im wirtschaftlichen Bereich die Opfer nie eine Wiedergutmachung erzielen und somit meist ein Leben lang auch finanziell gebeutelt und benachteiligt sind.

(Allerdings habe ich auch Viele gesehen, die den Weg des Rechtsstreits gewählt haben, nur um letztendlich noch mehr Jahre unglücklich zu leben und noch mehr Ressourcen auf einen hoffnungslosen Fall zu verschwenden.)

Es ist also nicht so einfach, die richtige Entscheidung zu treffen, denn egal, wie man sich entscheidet, alles hat seine Vor- und Nachteile.

Doch eins sollte man stets beherzigen: Man sollte schauen, wo man sich heute befindet und wo man gerne hin will.

Wenn man so weitermacht, wie bisher, wie stehen die Chancen, dass man es schafft, seine Ziele zu erreichen?

Wenn man in 40 Jahren dann zurückblickt, wird man vermutlich bereuen, dass man das ganze Leben vergeudet hat, weil man sich nicht energischer dafür entschieden hat, den ganzen Kummer links liegen zu lassen und stattdessen härter dafür zu arbeiten, sich trotz allem ein gutes Leben aufzubauen!

Jeder Rat ist eigentlich eine Zumutung

Ehrlich gesagt, es ist schon eine Zumutung, Menschen, die mehr oder weniger tief traumatisiert sind, einen Vortrag über Opferhaltung zu halten.

Schließlich haben sie reichlich Gründe (und ganz bestimmt auch das Recht), sich als Opfer zu fühlen.

Nur ist es leider auch so, dass es auch so etwas wie eine Opfer-Falle gibt, die ganz schnell zuschnappen kann und aus der man sich meist nur sehr schwer selbst befreien kann.

Heutzutage wird das Opfersein von vielen Seiten unterstützt, indem einem beispielsweise halbherziger Zuspruch und Übereinstimmung auf sozialen Medien entgegen kommt oder man von der Krankenversicherung einen Psychologen bezahlt oder und vom Staat finanzielle Unterstützung erhalten kann.

Allerdings sind das alles nur Trostpflaster und keine wirklichen Hilfen, die auf lange Sicht alles ändern würden.

Tatsächliche Änderungen

Wirkliche Änderungen kann man nur selbst herbeiführen, indem man aktiv für ein besseres Schicksal arbeitet und versucht, sich eine Einstellung zuzulegen, die weitaus positiver ist, als jene, die man bislang hatte (weil man eben alles Mögliche hat erleiden müssen).

Es ist nicht einfach, sich dazu durchzuringen, denn es gibt unendlich Vieles zu bewältigen und natürlich auch immer wieder Rückschläge, doch es ist der einzige Weg, der sich lohnt, dass man ihn einschlägt.

Alles andere bedeutet lediglich Leiden ohne Ende – und das wäre doch wirklich schade, wenn Ihr Peiniger Ihnen auch das noch antun würde!

Quelle:

Elterlichen Narzissmus verstehen

Der obige Beitrag stammt aus dem Buch Elterlichen Narzissmus verstehen.

Dort findet man alles zum Thema leicht verständlich erklärt. Dies kann u.a. helfen, sich zumindest mental von narzisstischen Eltern zu distanzieren, auf seine eigenen Rechte zu bestehen und fortan ein weitaus positivesres Leben zu führen, in dem es wieder viele Glücksmomente gibt.

 

Ein Artikel-Verzeichnis mit vielen weiteren Beiträgen über Narzissmus findet man hier.

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Disclaimer (Haftungsauschluss) für diesen Artikel

Wichtiger Hinweis für Kinder narzisstischer Eltern und andere misshandelte Kinder, die noch unter 18 sind

Bildnachweis:

  1. Foto: Edu Carvalho
  2. Umschlag: NVP-Verlag

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