Hypersensibilität, Reizüberflutung und Entschleunigung in Skandinavien

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Die nachfolgenden sechs Fotos stammen von einer Lappland-Reise, die wir vor 25 Jahren machten.

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Hier sieht man den nördlichsten Teil Schwedens (im Westen des Landes).

Damals gab es hier noch keine richtigen Strasse und wir fuhren auf Schotterwegen, von denen es auch nur wenige in diesem riesigen Gebiet gab, welches hauptsächlich Tundra war, da es ja mehr als 200 km nördlich des Polarkreises liegt.

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Hier sieht man ein der vielen Seen Finnlands

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und das war sozusagen das Zentrum der Zivilisation damals, nördlich des Polarkreises.

Da man ansonsten nur Rentiere sah, freute man sich tatsächlich, dass es hier wieder Menschen gab und man sogar etwas zu essen bekam.

Sogar das Fernsehen wurde heiss geliebt, obgleich man es zu Hause verachtete. Doch es war egal, was an war, Hauptsache aus der Glotze kamen Licht und Wärme und vielleicht noch ein menschliches Gesicht, damit man nicht ganz alleine war und die Illusion bewahren konnte, dass man hier vielleicht doch nicht verrecken würde, wenn etwas schief ging.

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So einsam war es damals, bevor die Strassen, die Ferienhäuser und die Touristen kamen.

Die restlichen Fotos sind vom letzten Herbst (2018) und obwohl es dort immer noch einsam aussieht, stehen hier schon fast überall Häuser

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und im Wald sind die Schneemobil-Routen markiert.

So richtig einsam ist es nur noch an wenigen Orten – selbst wenn man sich nördlich des Polarkreises befindet.

Doch auch innerhalb des Hauses geht es hektisch zu:

Über die unterschiedlichen Medien sind wir mit der ganzen Welt in Kontakt, auf der Arbeit werden wir genauso mit den unterschiedlichsten Impulsen überflutet, wie in der Freizeit.

Macht man den Fernseher an, wird man neuerdings mit einer ganz besonderen Art von “Meschugge-Mache” konfrontiert:

Irgendwann kamen Kameramann und Cutter auf die Idee, die Gestaltung und Dramaturgie nicht länger Drehbuchautoren und Regisseuren zu überlassen, sondern selbst kreativ zu werden, was nun darin resultiert, dass man kaum eine Dokumentarsendung mehr anschauen kann, da stängig mit einer solchen Art von Effekten gearbeitet wird, dass man mit einem  Überraschungseffekt überrumpelt wird.

Da schaut man sich ahnungslos einen Naturfilm an oder einen populärwissenschaftlichen Beitrag und urplätzlich wird da so schnell reingezoomt, dass man denkt, der Kameramann hätte einem so eben mit einem Brett vor den Kopf gehauen!

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Dies ist nur ein Beispiel von vielen völlig sinnlosen Reizen, die uns von gesellschaftlicher Seite aus tagtäglich aufgezwungen werden.

Hinzu kommt, dass man sich dem nur sehr schwer entziehen kann. Kinder müssen (zumindest in Deutschland) in die Schule und Erwachsene müssen im Arbeitsleben so reibungslos funktionieren, dass sie die Brötchen verdienen können.

Irgendwann wird der Mensch zwischen all diesen Zwängen und Verpflichtungen selbst fast zum Zombie und dann geht der eine oder andere zum Arzt und bekommt eine Diagnose verpasst – wie beispielsweise “hypersensibel”.

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Doch mal ganz ehrlich, ist der Mensch wirklich krank oder hat er den Stempel “übersensibel” verdient, nur weil er bei aufgezwungener Reizüberflutung ganz normal reagiert?

Meiner Meinung nach ist es eher ein Problem, wenn dieses aufgezwungene “Dumping von Reizen auf Menschen” kein Unbehagen auslöst!

Dann besteht, meiner Meinung nach, eher der Verdacht, dass diese Leute abgestumpft sind und man fragt sich warum. Ist Ihr Körper so vergiftet oder haben sie aufgrund des ständigen Missbrauchs bereits einen ernsthaften mentalen Schaden erlitten?

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Somit finde ich persönlich überhaupt nichts dabei, sensibel zu sein.

Ganz im Gegenteil, wer nicht wirklich sensibel ist, dem wird es beispielsweise schwer fallen, gute Beziehungen aufzubauen, mit sich selbst im Reinen zu sein und schöpferisch tätig zu sein.

Fies ist nur so ein Stempel wie “hypersensibel” aufgedrückt zu bekommen!

Denn was in unserer Welt verkehrt ist, das sind nicht Menschen, die noch etwas wahrnehmen und Gefühle haben, sondern Menschen, die abgestumpft sind und sich wie Robotter verhalten.

Darum kann ich nur meine Mitmenschen dazu auffordern, auf sich selbst zu hören, in die Natur zu gehen, mit ihr zu leben und all die bösen Zungen, Bewertungen, Entwertungen und Labels links liegen zu lassen.

Geniesst die Natur, geniesst das Leben, widmet Euch der Selbstfindung, der Schätzung der Natur und des Natürlichen und lasst Euch einfach nicht die Hölle vom sogenannten Fortschritt und von Leuten heiss machen, die selbst vermutlich nur unglücklich sind, weil sie nicht mehr so richtig was fühlen können und deshalb ständig Action und kommerzielle Überflutung brauchen.

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Solange die Natur noch da ist, kann man sich ein kleines Fleckchen in ihr suchen, wo man die Seele hängen lassen kann und einem stressigen Alltag auf diese Art trotzdem.

Mehr über Reizüberflutung und wie man diese vermeiden kann, steht u.a. auch in diesem Buch:

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Homeschooling in Dänemark

Hier kann man lesen, wie man auf eine relativ simple Art einen ganz anderen, entscheunigten Lebensstil realisieren kann.

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Wer gerne ein paar Tage oder Wochen auspannen möchte, aber nicht ganz so weit (wie Lappland, das ja immerhin 2500 km nördlich von Dänemark liegt) reisen möchte, findet Entschleuningung und Ökologie auf dem Brombeerhof in Dänemark, nur eine halbe Stunde von der Fähre aus Deutschland entfernt.

Hier hat man inmitten eines wilden, alten Gartens und in ökologisch, mithilfe von Kreativität und Upcycling renovierten Räumlichkeiten die Gelegenheit, die Seele baumeln zu lassen, die Natur zu geniessen und das natürliche, alternative Dänemark kennenzulernen.

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Bildnachweis:

Alle Fotos: NVP-Verlag

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