Konstruktive und destruktive Unterrichtsmethoden

In der letzten Zeit, aber ganz besonders gestern, sind viele Dinge geschehen, die mich  (mal wieder) dazu gebracht haben, über die unterschiedlichen Unterrichtsmethoden nachzudenken, die wir Menschen/Lehrer benutzten – wenn wir anderen etwas beibringen wollen.

Ein grosser Teil unseres Alltags besteht seit Jahrzehnten daraus, ausschliesslich konstruktive Methoden zu benutzen, denn wir haben uns hier, in unserer eigenen Familie, sehr eingehend damit auseinandergesetzt, was das genau in einem Individuum auslöst, wenn man die Person auf die eine oder auf die andere Art unterrichtet.

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Bildung ist der Schlüssel zu allem, was der Mensch im Leben tun möchte und hilft ihm, sich selbst zu beschützen.

Und dennoch sind wir nicht dafür, die Kinder einfach länger in die Schule zu schicken oder besser qualifizierte Lehrer/Pädagogen zu haben.

Warum das so ist?

Weil öffentlich organisierte Ausbildung nicht gleich Bildung ist.

All zu oft benutzt nämlich derjeneige, der anderen etwas beibringen soll, diese Kommunikationform nicht (oder zumindest nicht ausschliesslich) dazu, dem anderen etwas so zu erklären, dass er es versteht und über diese Vermittlung des Wissens auch glücklich ist.

In anderen Worten: All zu oft wird, anstatt Wissen geduldig zu vermitteln, eine Form von Unterdrückung angewandt, die dem Schüler mehr Schaden als Nutzen bringt.

Das ist eine sehr, sehr traurige Erkenntnis und hinterlässt eine riesengrosse Masse von Schülern mit Lernschwierigkeiten.

Wenn diese Schüler dann später Spezialunterricht bekommen oder beim Psychologen/Psychiater landen, werden meist irgendwelche Gründe gefunden, deren Behandlung allerdings nur äusserst selten zur Handhabung des Problemes führen.

Dies liegt daran, dass Schüler, die keine gewaltfreien Unterrichtmethoden gewohnt sind und die immer wieder Zwang, Entwertung, Bewertung und einen Mangel an Respekt erleben mussten, letztendlich an den Punkt gelangen, dass sie die Hoffnung aufgeben und sich entweder in sich selbst zurückziehen, oder sie werden rebellisch.

Doch die Ursache der Lernschwierigkeiten der Kinder liegt meist nicht bei ihnen, sondern bei den Lehrern oder bei ihren Eltern.

Bei uns in Dänemark ist jetzt gerade Examenszeit (zumindest für einige) und mein Mann erzählte gestern, dass eigentlich fast alle aus seiner Klasse mit besten Noten abgeschlossen hatten – und das obwohl die meisten bislang zu den Verlierern der Gesellschaft gehörten.

Zwei Schüler waren so glücklich, dass sie sogar Tränen in den Augen hatten.

Was macht den Unterschied aus, warum schaffen diese Schüler auf einmal ihre Examen, obgleich sie bei anderen Lehrern mehrmals durchgefallen sind?

Ganz einfach: Mein Mann hat ihnen nicht nur geholfen, ihr Selbstvertrauen wieder aufzubauen, er war auch in der Lage, ihnen den Stoff so zu erklären, dass sie ihn verstanden.

Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, da waren unendlich viele Lehrer, die selbst enorme Wissenslücken hatten und Fragen nicht präzise beantworten konnten – obgleich sie Studienräte waren und teilweise auch einen Doktortitel hatten.

Viele lösten das Problem dann einfach, indem sie sich arrogant über die Schüler stellten, versuchten, Respekt zu bekommen, indem sie so taten als ob oder direkt daran arbeiteten, den Schülern zu zeigen, wie wenig diese wussten.

Das sind Unterrichtmethoden, die so destruktiv sind, dass sie an Kindesmisshandlung grenzen – und doch sind sie, wenn man mal ganz genau hinschaut, was im Unterricht passiert und wie jeder einzelne Kommunikationsverlauf zwischen Lehrer und Schüler aussieht, weitaus mehr verbreitet als konstruktive Methoden, die lediglich auf Verstehen, Respekt und psychologischen Hilfestellungen aufbauen.

Das Problem mit destruktiven Unterrichtmethoden ist leider nicht nur, dass die Schüler nichts lernen und apathisch oder aufmüpfig werden. Das Problem ist, dass sie diese destruktiven Kommunikationsverläufe in sich aufnehmen, davon treilweise traumatisiert werden und sie dann in ähnlicher Form bei anderen anwenden, um so u.a. eine Rangordnung zu etablieren oder auch um praktische Probleme zu lösen.

Diese destruktive Verhaltensweise wird also in die Gesellschaft integriert und an die Nachfahren weitergegeben.

Darum ist es so extrem wichtig, dass man sich als Mensch in gewaltfreien Kommunikationstechniken übt, mit Empathie an die Herausforderung herangeht und versucht, seine eigenen mentalen Herausforderungen unter Kontrolle zu halten.

Ansonten erschafft man wirklich ein negatives Karma – und zwar in dem Sinne, dass man eine schlechtere Welt erschafft, die einem dann auch selbst wieder so einiges an destruktiven Herausforderungen entgegenbingen wird.

Unter Siziliens Sonne

In dem Buch Unter Siziliens Sonne kann man miterleben, wie eine Mutter ihrem Sohn, der ADHD und Lernschwierigkeiten hat, hilft, diese Probleme auf untraditionelle Art und Weise zu lösen und dabei selbst eine wunderschöne Zeit hat.

Es ist ein reich illustrierter Erlebnisroman, in dem man auch ein wenig die Schönheit Siziliens kennenlernt. Er macht Eltern und Kindern Mut, die sich in ähnlich festgefahrenen Situationen befinden.

 

Bildnachweis:

Fotos und Umschlag: NVP-Verlag

 

2 thoughts on “Konstruktive und destruktive Unterrichtsmethoden

  1. Diese Art von Unterricht, von der du sprichst erfordert viel Arbeit und eine gute Einschätzung des Klassenniveaus. Außerdem müssen die Lehrer sehr motiviert sein um den Lehrstoff an die Schüler weiter zu geben. Ich hatte das, bisher nur 2 x im Leben. Da spielen auch im Hintergrund sehr viele Faktoren eine große Rolle z. B. Schulleitung, Elternhaus, Lernmittel. Oftmals müssen Lehrer am Lehrplan vorbearbeiten. Da es wichtig ist, gute Schulnoten zu erzielen. Oftmals scheitert der gute Unterricht daran, dass zu hohe Erwartungen an die Lehrer gestellt werden. Lieben 3. Advent Maria

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  2. Ja, da hast Du ganz Recht, dafür gibt es viele Gründe und es ist so, wie Du in deinem Kommentar schreibst. Doch als Lehrer kannst Du immer selbst entscheiden, wie Du unterrichtest. Mann kann nicht einfach nur Frontalunterricht machen und sich nicht um die einzelnen Schüler kümmern. Das wird nie funktionieren, da jeder Schüler auf einem anderen Niveau und nocvh dazu ein Individuum ist. Muss aber auch dazu sagen, wir haben keine Klassen mit 30 Schülern, sondern kleinere Klassen und wir verwenden sehr viel Zeit auf die Vorbereitungen und anderes.
    Wirklich traurig macht mich, dass Du schreibst, das ist dir erst zweimal im Leben passiert, dass die Lehrer so motiviert waren. Aber das stimmt mit dem überein, was wir auch selbst beobachten.
    Da muss man sich zwangsläufig fragen, warum die anderen Lehrer ihren Beruf gewählt haben, wenn ihnen nicht am Herzen liegt, den Schülern wirklich zu helfen.

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