Liv’s Friday for the Future-Tipp # 10: Ist das Heizen mit Heu oder Stroh tatsächlich unweltfreundlich? Oder gibt es Nachteile?

Neulich sah ich im deutschen Fernsehen einen Beitrag über die Umweltfreundlichkeit der dänischen Insel Samsø (mehr über die Insel findet man gegen Ende dieses Artikels).

Obgleich die Insel nicht vor unser Haustür liegt, kenne ich sie sehr gut und weiss, wie die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort sind.

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Es ist wahr, teilweise ist die Insel sehr gut in Sachen Umweltschutz.

Wenn es beispielsweise darum geht, Strom aus Solarkollektoren zu gewinnen und Eletromobilität möglich zu machen, ist die Insel vorbildlich.

 

Doch es gibt auch eine andere Seite der Insel: Beispielsweise ist das Grundwasser auf der Nordinsel so verschmutzt, dass es über den Grenzwerten liegt und nicht mehr zum Trinken empfohlen wird. Wo sonst hat man in Dänemark eine solche Umweltverschmutzung?!

Traurigerweise liegt das an der sehr intensiven Nutzung des Bodens durch die konventionelle Landwirtschaft. Samsø wird nämlich immer als die Speisekammer des Königreiches angepriesen und produziert enorme Mengen an Kartoffeln, Kürbissen und Zwiebeln.

Biobauern gibt es auf der Insel, welche eigentlich aus einer Süd- und einer Nordinsel besteht, leider kaum. Der einzige Biobauer, den ich noch kenne, ist recht frustriert, weil er für sein Anliegen nicht die Unterstützung bekommt, die er sich erhofft und auch braucht, um besser überleben zu können.

Die anderen haben bereits verkauft, weil auch auf einer so idyllischen Insel eben auch Geld und Einfluss regieren.

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Doch zurück zu der Sendung deutschen Fernsehens, welche von Zeit zu Zeit immer wieder einmal ausgestrahlt wird:

Zu meiner Überraschung wurde dort das Heizen mit Stroh als fortschrittlich und umweltfreundlich angepriesen.

Nun, teilweise ist das auch wahr. Aber nur teilweise. Heu und Stroh sind, wie Holz, aus dem Grunde nachhaltige Rohstoffe, weil sie ja wieder nachwachsen, und das ist natürlich durchaus positiv.

 

Hier ist zu lesen, warum Heu weniger gut als Stroh ist:

“Heu hätte viele Vorteile verbrennt aber nicht so toll wie Stroh. Viel Schwefel drinnen.”

 

Doch verbrennt Stroh denn wirklich gut?

In diesem Artikel findet man folgenden Absatz:

“Probleme mit Grenzwerten

…Die Hauptprobleme bei der Stroh- und Getreideverbrennung sind der hohe Staubanteil, die Verschlackung der Aschen und der Chloranteil bei Stroh, der zu starker Korrosion führen kann bzw. der NOx-Anteil bei Getreide, der aus dem Rohprotein entstammt. Holzheizkessel lassen sich wegen der Verschlackung nicht mit den halmgutartigen Biomassen betreiben, es gibt aber spezielle Kessel, die für diese Brennstoffe konstruiert sind…”

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In der Realität sieht es im Alltag so aus:

Für die Landwirtschaft ist es eine Chance, viel Geld zu verdienen, indem die Bauern ein Material, das sie sonst nicht loswerden können, verbrauchen oder Flächen nutzen können, die ansonsten brachgelegt sind.

Für die Betreiber einer solchen Heizanlage bedeutet es erst einmal eine Rieseninvestition. Doch viele tun es, denn sie fallen auf die Propaganda jener herein, die das Stroh oder die Heizungsanlage produzieren oder vertreiben.

Für die Anwohner bedeutet dies eine unglaubliche Umweltbelastung. Strohheizungen verunreinigen weitaus mehr als ein Kaminofen, denn nicht nur gibt es hier den weitaus höheren Feinstaubanteil, eine solche Heizung riecht auch wirklich übel.

Wer daneben leben muss, hat genauso viel Freude daran, wie ein Kohlekraftwerk als Nachbarn zu haben, oder vermutlich ist es noch schlimmer, denn viele Strohheizungen haben keinen Filter.

Hinzu kommt, dass, obwohl es verboten ist, im Alltag oft feuchtes Stroh verheizt wird. Obgleich bei der Ernte überprüft wird, dass das Stroh keinen zu hohen Feuchtigkeitsanteil hat, was bei der Lagerung und bei der Lieferung passiert, ist eine andere Sache. Wenn es beim Liefern regnet oder die Scheune feucht ist, darf das Stroh trotzdem noch verbraucht werden und stinkt dann dementsprechend, weil es nicht richtig brennt.

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In der Praxis ist es also so:

Kaum etwas verunreinigt so extrem wie eine Strohheizung. Der Gestank und der Feinstaubanteil machen den Bedtreibern genauso zu schaffen wie den Anwohnern.

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Daher kann man sagen:

Im Prinzip ist es schon eine sehr gute Idee, Energiepflanzen zu verwenden.

Doch Strohheizung ohne einen Filter, der alles auffängt (Feinstaub und Gestank) ist eine extreme belastung für Umwelt, Mensch und Tier.

 

Wer mit nachwachsendem Rohstoff heizen möchte, sollte lieber trockenes Brennholz von guter Qualität verwenden. Das funktioniert im Alltag wirklich gut, sofern man sich an ein paar vernünftige Regeln hält und wirklich nur sauberes, trockenes Holz verbrennt.

 

Das Überschuss-Stroh der Bauern kann vorteilhaft in Biomasse umgewandelt werden, um daraus Kraftstoff herzustellen.

Doch sollte dies nur mit pflanzlichem Material geschehen, das überschüssig ist. Sobald Felder dafür genutzt werden, um nachwachsende Rohstoffe extra anzubauen, verstärkt dies nicht nur den Welthunger, auch die Umweltbelastung nimmt zu.

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Wer mehr über die Insel Samsø wissen möchte, den interessieren vielleicht diese beiden Artikel:

Råhygge-Ferien

Ein super-hyggeliges (gemütliches) Buch, welches das Leben auf dem Lande in Dänemark (unter anderem auch mit sehr vielen Fotos und eingehender Beschreibung der Insel Samsø) und Schweden mit einer sehr reich illustrierten Geschichte beschreibt, findet man hier:

Råhygge-Ferien – Skandinavische Gemütlichkeit im Herbst

 

Was Råhygge überhaupt ist, kann man auch in diesen Artikeln lesen:

Herbstferien mit Oma Amalie in Dänemark und Schweden

Ein spannendes Kinderbuch mit einem schönen, reich illustrierten Samsø-Urlaub findet man hingegen hier:

Herbstferien mit Oma Amalie in Dänemark und Schweden

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Weitere Umwelttipps findet man hier:

Andere Tipps für Natur, Gesundheit und alternatives Leben findet man hier.

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Bildnachweis:

Fotos und Buchumschläge: NVP-Verlag

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