Skandinavische Vornamen: Was bedeutet “Mads”, “Madsine”, “Lillemor” und “Madmor”?

Mads ist ein männlicher Vorname, Madsine ein weiblicher.

Während Mads auch heute noch recht beliebt ist, wurde seit 1985 kein Mädchen mehr Madsine genannt. In der Tat gibt es im Jahre 2020 nur noch 3 Frauen in Dänemark, die diesen Namen tragen.

Da wir im Verlag aber sehr viel in Archiven, alten Büchern und anderen Publikationen recherchieren, stossen wir immer noch sehr häufig auf diesen Namen, denn noch vor einem halben Jahrhundert war dieser Name sehr… nun ja, vielleicht  nicht gerade direkt beliebt, aber zumindest wurde er sehr häufig gebraucht, und das hatte einen Grund, den heutzutage keiner mehr kennt.

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Während Mads eine Kurzform von Matthias/Mathias oder Mathæus/Mathaeus darstellt und auch in Norwegen und Schweden weit verbreitet wurde (Mats/Matts), ist der Name seit dem Mittelalter gebräuchlich, genoss in den 80er und 90er Jahren Höhepunkt der Beliebtheit und gehört heutzutage immer noch zu den 25 beliebtesten Vornamen in Dänemark. Am ersten Januar 2013 gab es mehr als 30.500 Personen in Danemark, die diesen Namen trugen.

Auf jede Madsine kommen also um die 10.000 Mads.

Doch was machte den einen Namen so beliebt, während der andere an Popularität verlor?

 

Mads bedeutet “Guds gave”, also “Ein Geschenk Gottes” und Madsine ist die weibliche Form davon, die einer Frau entweder gegeben wurde, um einen m ännlichen Verwandten zu ehren, oder weil die Frau als Hausangestellte arbeitete.

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“Mad” bedeutet nämlich “Essen” und somit wurden letztendlich auch Kokkepigerne (Kochmädchen, Hausangestellte, Köchin)  so genannt.

In alten skandinavischen Filmen heisst die Köchin oder die Frau, die das Essen in einem grossen, noblen Haushalt zubereitet, fast immer Madsine. Manchmal wird sie sogar Mads genannt.

Höchstwahrscheinlich wurde die meisten Frauen nicht auf diesen Namen getauft, sondern hiessen bestenfalls Signe.

Doch über ihre Beschäftigung kamen sie zu ihrem Spitznamen.

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Lillemor ist ebenfalls ein alter Name, der heutzutage nicht mehr gebraucht wird, denn er bedeutet “kleine Mutter”.

Man muss sich fragen, was die Eltern für die Zukunft ihrer Kinder geplant hatten, wenn sie ein weibliches Baby bereits Madsine oder Lillemor nannten. Vermutlich dachten sie, das Mädchen heiratet ja sowieso oder dass es keine andere Wahl haben würde, als als Hausangestellte zu arbeiten.

In ländlichen  Gegenden war der Name Lillemor als weiblicher Vorname vorwiegend in Norwegen noch bis zu vor einem halben Jahrhundert weit verbreitet.

 

“Madmor” hingegen ist die Bezeichnung für eine meist weibliche Person, die alle um sich herum ernährt. Ursprünglich war es wohl die Mutter, die ihr Kind säugte oder die Amme, die fremde Kinder ernährte.

Doch schon bald wurde der Begriff auf andere Personen ausgeweitet und ihm wurde teils auch eine ironische Bedeutung beigemessen.

Beispielsweise kann auch ein Mann Madmor für die Familie sein, wenn seine Frau gerade mit ihren Freundinnen unterwegs ist oder ein Tier, das sich um andere als nur die eingenen Jungen kümmert.

Madmor ist jemand, der andere gut und gerne füttert und der eine gewisse Routine darin hat.

 

Während Lillemor sowohl ein Vor- als auch ein Nachname sein kann, ist Madmor gar kein Name, sondern lediglich eine Bezeichnung einer Person aufgrund ihrer Tätigkeit.

Dänische Weihnacht anno 1920

Wer sich für alte Geschichten aus Skandinavien interessiert, dem gefällt vielleicht, dieses Buch: Dänische Weihnacht anno 1925, welches éinen tiefen Einblick in die Verhjältnisse vergangener Zeiten bietet.

 

Bildnachweis:

Fotos und Umschlaggestaltung: NVP-Verlag

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