Wie man neue Kartoffeln zu Weihnachten ernten kann / der Unterschied zwischen Früh- und Spätkartoffeln ¤ How to harvest new potatoes for Christmas

DEUTSCH

Der deutsche Text befindet sich unter dem englischen

 

ENGLISH

My husband sent me an article the other day that said, that in Denmark one could even harvest new potatoes around Christmas-time.

One simply hast to plant them in August or September.

Mind you, we have already tried having new potatoes in winter or early spring. You can read more about it in this post:

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DEUTSCH

Momentan befinden wir uns alle im Kartoffel-Fieber, denn wir haben im Frühjahr, gegen alle Widrigkeiten, mit der ganzen Familie Kartoffeln gepflanzt, und die Ernte ist besser als erhofft ausfgefallen.

Da wir zwar auf einem Hof wohnen, dieser aber seit mehr als zwei jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet worden war, und wir auch keine Bauern sind, sondern Künstler, Autoren und Lehrer, ist das Gärtnern nichts, was uns natürlich im Blut liegt, sondern was wir uns hart haben erkämpfen müssen, denn keiner von uns hat von Natur aus einen grünen Daumen. Drum ist der jetzige Erfolg um so schöner.

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Und jetzt ist mein Mann nahezu schon davon bessen, immer neue Gartentipps zu finden und gestern kam er mit einem dänischen Artikel, der besagte, dass man in unseren Breiten, trotz des schlechten Wetters doch tatsächlich noch ein zweites Mal Kartoffeln pflanzen und ernten könnte – und zwar zu Weihnachten – wenn man sie also im August oder im September in die Erde tut.

Bin ja gespannt. ob das was wird. Zumindest wird das bisschen extra-Bewegung gut für die schlanke Linie sein; also kann man nichts falsch machen, wenn man’s probiert, denke ich.

Wie man hingegen neue Kartoffeln im Winter bekommt, haben wir schon ausprobiert. Das Resultat kann man hier sehen:

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Übrigens liegt der Unterschied zwischen Früh- und Spätkartoffeln nicht darin, dass man die eine Sorte nach der anderen pflanzt, sondern die letzteren haben eine längere Vegetationszeit, brauchen also länger, bis sie herangewachsen sind.

Frühkartoffeln kommen oft schon im März in die Erde (aber erst wenn die Temperaturen nicht mehr unter 8 Grad sind) und können nach knaspp 3 – 4 Monaten geerntet werden. Da heisst, im Juni oder Juli hat man Frühkartoffeln.

Spätkartoffeln hingegen beiben 4 bis 5½ Monate im Boden.

 

Der Unterschied: Während man bei Frühkartoffeln die zarte Schale mit den Fingern oder einem Messer sehr leicht abreiben kann, sind sind die späten schalenfest.

Ausserdem hat eine Kartoffel zunächst einen hohen Wassergehalt und eignet sich auch deshalb nicht zur Lagerung. Nicht nur wird sie schnell weich, sie riecht auch schnell schimmelig.

Lässt man die Kartoffel länger im Boden, entwickelt sie nicht nur eine dickere Schale, sie bildet vor allem mehr Stärke, was sie nicht nur ein gehaltvolleres Nahrungsmittel werden lässt, sie ist auch weitaus besser für die Lagerung geeignet.

Während man Frühkartoffeln innerhalb weniger Tage verzehren muss, kann man Spätkartoffeln monatelang (meist ein halbes Jahr) aufbewahren, nämlich bis es wieder neue gibt.

 

Was ich also oben über den späten Anbau der Kartoffeln schreibe, ist nichts was man normalerweise macht. Der nordeuropäische Bauer bestellt sein Kartoffelfeld also nicht zweimal im Jahr mit Saatkartoffen. Es gibt lediglich unterschiedliche Kartoffelsorten – die einen liegen länger im Boden als die anderen.

 

Was die Fruchtfolge betrifft, so hatte man früher (seit dem Mittelalter) die Drei- beziehungsweise Vierfelderwirtschaft. Das heisst, es wurden immer nur 2 oder 3 Felder bestellt und das dritte lag brach (oder wurde teilweise auch bei der Vierfelderwirtschaft alternativ bestellt). Man hatte ein Rotationssystem, damit jeder Boden unterschiedlich belastet und gedüngt werden konnte. Dies sicherte vielen Generationen eine reiche Ernte.

Heute bestellen viele nordeuropäische Bauern ihre Felder zweimal im Jahr, und in südlichen Ländern kann sind manchmal sogar drei oder vier Ernten drin.

Dies hat aber seinen Preis: Die Böden werden systematisch überdüngt und ausgelaugt, was nicht nur die Vergiftung von Grundwasser, Natur und Ernte zur Folge hat; zukünftige Generationen erben eine schwer geschädigte Welt, in der es sich vielleicht nicht mehr (über)leben lässt.

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Darum düngen wir bei uns auf dem Hof überhaupt nicht. Wir machen alles mit minimalem Arbeitsaufwand und haben, ehrlich gesagt, auch keine Lust, mit stinkendem Kompost oder Jauche zu arbeiten. Somit benutzten wir andere Tricks:

  • Wir graben so wenig um wie möglich, sondern lockern lieber den Boden mit einer Mistgabel.
  • Wir lassen unsere Obst- und Gemüseabfälle im Herbst und Winter auf den Beeten verrotten.

Das bislang hat überraschend gut funktioniert. Es hätte auch schiefgehen können, denn es war nur ein Experiment. Doch wir haben es jetzt über Jahre hinweg beobachtet und es scheint ganz gut zu funktionieren. Ich muss dazu aber auch sagen, dass wir sehr viele Obst- und Gemüseabfälle haben, und somit reicht der “Dünger” auch für eine grosse Fläche. Das einzige Minus ist eben, dass es ungepflegt aussieht und dass Besucher denken könnten warum verteilen die denn ihren Müll im Garten?! Doch ansonsten ist es eine sehr praktische Variante, die auch nicht stinkt und keine Ratten anzieht, es sei denn man tut gekochte Essensreste dazwischen. Das darf man natürlich nicht.

Ansonsten freuen sich die Vögel darüber und die Katzen, die sich dann wiedrum über die vollgefressenen Vögel freuen… nun ja, so ist eben der Kreislauf der Natur!

 

Um jetzt nochmals auf die Fruchtfolge und den späten Anbau von Kartoffeln zurückzukommen:

Nach frühen Kartoffeln werden typisch noch Bohnen, Kohlrabi, Kräuter oder Salat angebaut.

In Deutschland wird generell geraten, Kartoffeln nur ein Jahr lang an der selben Stelle zu haben; in Dänemark wird in der Regel empfohlen, die Anbaustelle alle 4 Jahre zu wechseln. Das muss eben jeder so machen, wie er selbst meint. Es gibt anscheinend auch viele Leute, die auf kleinstem Raum immer auf der gleichen Stelle anbauen und dafür aber sehr gut im Absammeln von Kartoffelkäfern sind…

Jeder hat andere Umstände und andere Bedürfnisse und muss das einfach alles irgendwie unter einen Hut kriegen, denn zu sagen, dass Menschen, die keine idealen Bedingungen haben, keine eigenen Kartoffeln essen sollten, ist genauso anmassend wie unsinnig, dfenn letztendlich wächst alles überall – man muss nur meist ein wenig nachhelfen, um günstigre Bedingungen zu erschaffen und somit eine bessere Ernte zu erzielen.

 

Was uns betrifft, so bin ich mir noch nicht sicher, ob wir wirklich die Weihnachtskartoffeln wieder auf die gleiche Stelle pflanzen. Ein neues Beet wäre auf jeden Fall das Klügste.

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all pictures: NVP

Danish article on potatoes: https://folketidende.dk/Livsstil/Plant-kartofler-nu-og-hoest-dem-til-jul/artikel/554892

11 thoughts on “Wie man neue Kartoffeln zu Weihnachten ernten kann / der Unterschied zwischen Früh- und Spätkartoffeln ¤ How to harvest new potatoes for Christmas

  1. Ja warum denn nicht. Es gibt Früh- und Spätkartoffeln.
    Ich glaube die Bauern pflanzen auch zweimal im Jahr und ernten.
    Diese Kartoffeln schmecken tausendmal besser, wenn man sie selber pflanzt und erntet.
    Ich wünsche guten Appetit. 🙂

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    • Liebe Roswitha, hab herzlichen Dank für deinen inspirierenden Input. Ich habe somit den obigen Artikel ergänzt, denn es sind sicher auch andere, die sich fragen, was der Unterschied zwischen Früh- und Spätkartoffeln ist und ob man diese einfach wieder auf der gleichen Stelle pflanzen kann – und ob die Bauern das genauso machen.

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    • Ja, das ist jetzt erst einmal ein Experiment. Doch Kartoffeln im Winter hatten wir schon gehabt. Das waren welche, die im Vorjahr noch zu klein waren und die somit im Winter leckere Frühkartofeln abgaben, denn da hat man ja gerne kleine Kartoffeln. Überraschenderweise schmeckten sie wie neue Kartoffeln, obwohl sie mehr als ein halbes Jahr in der Erde gelegen hatten. Hätten wir aber starken Frost gehabt, wären sie entweder süss geworden oder ungeniessbarer Matsch.

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  2. Moin aus Bremen. 😊
    Aus meiner langjährigen Erfahrung als Kartoffel Gärtnerin weiß ich noch, dass der Unterschied zwischen Früh-und Spätkartoffel der Erntezeitraum ist.
    Alle Kartoffeln in unserern Breiten müssen bis zum 20. April in die Erde. Frühkartoffeln erntet man früh , das heißt, bevor sie wirklich reif sind. Sie können nicht gelagert werden, sondern müssen gleich verzehrt werden.
    Spätkartoffeln erntet man später. Sie sind dann ausgereift und gut lagerfähig.
    Einen Tipp zum Pflanzen habe ich noch.
    Das Pflanzloch ausheben und einen Löffel Guano ins Loch geben. Schön umrühren und die Pflanzkartoffel mit Auge nach oben reinlegen und mit Erde zudecken. Das Pflanzloch sollte Spatentief sein.
    Wer will denn Weihnachten Kartoffeln ernten 😉
    Alles hat seine Zeit 😘
    Sorry für den langen Exkurs
    “Besserwisser Modus” aus 🧐😄
    Viele liebe Grüße

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    • Moin Moin! Wir wohnen hier ja auch an der Waterkant… also son bisschen Plattdutsch verstehe ich durchaus… Ja bei Euch kann man im März und April durchaus schon Kartoffeln in die Erde tun, aber sogar auf Fehmarn ist das Klima noch weitaus wärmer als bei uns. Bei uns waren dieses Jahr erst im Mai die Kartoffeln im Boden, weil die Temperaturen einfach zu niedrig waren, obwohl wir auch sehr warme Apriltage hatten, doch nachts war es oft noch sehr kalt und ich habe gemerkt, dass das vermutlich bei früheren Kartoffelernten dafür gesorgt hatte, dass diese nicht zu reichlich ausfiel. Jetzt haben wir gewartet und sind belohnt worden. Somit denke ich, ist doch etwas an dem viel geprädigten skandinavischen Rat dran, dass man hierzulande alles lieber etwas später in den Boden tun sollte, auch wenn es in den Fingern kribbelt und man schon gerne etwas früher anfangen möchte, doch es nützt nichts, wenn einem dann alles zerfriert. Danke für deine vielen guten Tipps, schön von einer erfahrenen Gärtnerin zu hören und deine Erfahrungen zu lesen, die wir auch bestätigen können. Was allerdijngs Guano betrifft, bei uns kommt der von oben; wir wohnen nämlich nicht weit von einem Vogelreservat entfernt und vielleicht ist das auch der Grund, warum wir nicht düngen müssen, die Vögel tun das wirklich mehr als reichlich! Bezüglich neue Kartoffeln zu Weihnachten… na ja, das ist hier so in Dänemark eine Modesache. Wenn man etwas Neues machen kann, dann versucht man es, und ganz besonders im kulinarischen Bereich sind ungewöhnliche, aber natürliche Sachen sehr beliebt. Für uns ist es so, wir würden uns gerne selbst versorgen und versuchen zu sehen, wie weit das tatsächlich möglich ist. Wir haben zwar genügend Lagerraum, doch keinen Kühlraum, somit werden bei uns die Kartoffeln irgendwann auswachsen. Früher tat man sie in eine Miete, doch warum soll man sie nicht im Boden lassen, bis man sie isst? Solange kein Frost kommt, bleiben sie frisch. Und kommt der Frost wird die ganze Familie ins Feld gescheucht!

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  3. Och, du hast ja schon alles genau erklärt 😊
    Ich habe übrigens Pflanzenbrühe gemacht aus Brennnesseln und/oder Comfrey. Verdünnt als Dünger gegeben schmeckt das den Pflanzen.
    Essen mögen die ja auch gerne 😄
    Und die Dreifelder Wirtschaft ist schon gut und wichtig damit die Böden nicht auslaugen. Kompost ist auch klasse.
    Ich wünsche euch weiter viel Spaß am Gärtnern und viel Erfolg 😍

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