Feiertage am Strand – ausserhalb von Skagen, Jütland, Nordseeküste

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Feiertage am Strand

Um es gleich vorneweg zu sagen: Es war nicht etwa so, dass wir Weihnachtsferien auf Hawaii gebucht hatten. Nein, ein paar gemütliche Ferientage in der freien Natur, nicht all zu weit weg von unserer norddeutschen Heimat, hatten es sein sollen.

Und da hatte meine Schwägerin eine geniale Idee gehabt: Warum nicht mal ein paar Tage in Skandinavien verbringen? Am Liebsten hätte sie schon bereits das Weihnachtsfest dorthin verfrachtet, aber ich konnte sie gerade noch abhalten. Doch Silvester dann ganz bestimmt!

Nun ja… mit dem Weihnachtsfest schon hinter uns, was konnte da noch groß schief gehen? Also ließen wir uns überreden. Und es klang ja auch so wunderschön: eine Woche in aller Abgeschiedenheit, nur das Meer, der Strand, die wilde Natur und wir. Urgemütlich!

Ein richtig gutes Angebot hatten wir auch bekommen. Ein Arbeitskollege meiner Schwägerin hatte einen alten Onkel in Dänemark, der meinte, es würde seinem Ferienhaus gut tun, wenn es um diese Jahreszeit ein wenig aufgewärmt und gelüftet werde. Wenn wir für die Unkosten aufkämen, bräuchten wir auch keine Miete zu zahlen. Eine äußerst großzügige Geste! Wer konnte da schon ‘nein’ sagen?

Weihnachten war mal wieder wie im Fluge vergangen, mit übernachtendem Verwandtenbesuch und Bergen von Abwasch und so kam der Tag der Abreise schneller und willkommener als erwartet.

Wir machten uns früh auf den Weg, um rechtzeitig da zu sein. Der Natur zuliebe und der Benzinpreise wegen, diesmal nur in einem Auto. Jütland ist schließlich nur mal kurz über die Grenze, da würde es schon nicht all zu eng werden, dachten wir. Außerdem ist Dänemark ja sowieso nur ein ganz winziges Ländchen…

Nach sechsstündiger Autofahrt und nachdem Otto, der Golden Retriever meiner Schwiegerfamilie, sich nun betreits das dritte Mal über uns ergeben hatte und die Kinder trotz fortgeschrittener Stunde immer noch nicht zu müde zum ständigen Zanken, Streiten und Kichern waren, endschloss ich mich, nun doch einmal nachzufragen, ob sie sich da vorne überhaupt im Klaren darüber seien, wo es denn hingehen sollte. Vielleicht waren wir ja schon längst in Norwegen gelandet waren, ohne es zu merken…

Inzwischen hatte der strömende Regen eingesetzt, doch knappe fünf Stunden später waren wir dann auch schon da. Wer hätte auch wissen können, dass ‘Autobahn’ in Nordjütland ein Fremdwort ist, dass ‘Skagen’ und ‘Gl. Skagen’ zwei ganz verschiedene Orte sind und ‘Gl. Skagen’ ja in Wirklichkeit noch gaaanz anders heißt? Tja und Straßenschilder gibt’s in den Dünen auch nicht all zu viele!

Doch besser spät als nie. Dass es nun bereits ein paar Stunden nach Mitternacht war, sahen wir als gute Übung für Silvester an und während wir unsere Koffer und Taschen durch den matschigen Sand schleppten, freuten wir uns unbändig, dass wir nun endlich ins warme Bettchen kriechen konnten!

Die Männer hatten zunächst ein paar Probleme mit dem Ausfindigmachen der Lichtschalter und auch der Sicherungskasten schien sich irgendwo versteckt zu haben, bis sich schließlich die Erkenntnis einstellte, dass der Grund, warum hier überall Petroleumlampen herumstanden, sicher der war, dass es hier keinen Strom gab!

An Petroleum hatten wir jedoch keinen Mangel; es war reichlich da, um auch den kleinen Ofen zu heizen, der umgehend dafür sorgte, dass sich der eindringliche Geruch mit dem feucht-schimmeligen Innenklima unserer kleinen Hütte vermischte.

Glücklicherweise sind wir schon immer Naturliebhaber gewesen und nichts konnte uns so begeistern, wie eine frische Meeresbrise. Es sollte sich nun die Möglichkeit bieten, sie in dieser Nacht einzuatmen – nämlich beim gründlichen Durchlüften des Hauses – während wir es uns in unseren nass-kalten Betten gemütlich machten!

Glücklicherweise brauchten wir trotzdem nicht zu frieren, denn zum einen waren wir mehr Personen, als Betten vorhanden waren und somit rückte zusammen. Zum anderen muss Otto wohl Mitleid mit uns gehabt haben, denn urplötzlich waren wir mit seiner Gesellschaft aus nächster Nähe gesegnet worden, als er mit seinen Modder-Pfoten auch noch auf unserer Bettdecke landete!

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Der Morgen graute spät und neblig und nun stellten meine Schwägerin und ich fest, dass wir ja auch keinen Strom zum Kaffee- und Essenkochen hatten! Die beiden Teenager unserer Familie erwägten, eine Meuterei zu starten, da Silvester ohne Musik und Fernsehen für sie völlig unvorstellbar war – und all das, nachdem sie sowieso schon ohne ihre städtische Clique auskommen mussten.

Mein Schwager fand irgendwo ein Glas mit verklebtem Pulverkaffee und eine Packung feuchte Streichhölzer. Zusammen mit dem Wasser, welches mein Mann von der Pumpe holte, konnten wir uns nun endlich etwas Wärmendes kochen, bevor wir uns daran machten, die Gegend zu erkunden.

Wir waren doch reichlich überrascht, als wir feststellten, dass man von unserem Haus, obwohl es direkt neben dem Meer lag, kein Wasser sehen konnte, sondern lediglich auf den Deich blickte. Die einzig wirklich gute Aussicht hatte man vom Plumpsklo, das etwas höher – in den Dünen – lag, wohl, um den Abfluss in das Meer… Nun ja, zumindest brauchten wir es nicht zu leeren!

Ich konnte dem Drang nicht widerstehen, einen Strandspaziergang zu machen und schnappte mir ein Kind für jede Hand und Otto, der sich mit wehleidig-bettelnder Miene anbot, uns zu begleiten. Es war auch gut, dass ich es jetzt durchführte, denn später sollte sich dazu keine Möglichkeit mehr bieten.

Während wir so durch die Dünen und über den Deich schlenderten kam mir der Gedanke, ob nicht unsere Ferienhütte vielleicht sogar etwas tiefer als der Meeresspiegel läge.

Aber schön sah sie aus, die Nordsee! Rau und aufgewühlt zwar, wahrscheinlich auch weil es immer noch regnete und der Wind langsam zunahm, aber die Luft war frischer als frisch, der weiße Sandstrand erschien sich endlos in der Ferne zu erstrecken und das Licht war hier, wo die Meere aufeinandertrafen, selbst unter der grauen Wolkendecke immer noch etwas ganz besonderes!

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Kein Wunder also, dass es die alten Künstler wie Krøyer, Drachman und Anne und Michael Ancher einst hierher zog! Ich wollte ihre Häuser und andere Sehenswürdigkeiten besichtigen, doch natürlich war zu dieser Jahreszeit alles geschlossen und selbst der Supermarkt war ebenfalls dabei, schojn zuzumachen, denn schließlich war ja heute Silvester!

Es gelang uns gerade noch, ein paar Lebensmittel und andere Notwendigkeiten zu ergattern, aber Feuerwerk war keins mehr da gewesen. Doch das machte auch nichts, denn wir wussten, dass sich unsere beiden Ältesten zu Fuß auf den Weg in die Stadt gemacht hatten, um selbst etwas auszusuchen. Auch  Dekorationen wollten sie kaufen.

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Der Rest der Familie war schon lange wieder daheim, als sie endlich eintrudelten. Wir Erwachsenen waren zwar leicht verärgert und kräftig besorgt gewesen, als sie, ohne uns zu benachrichten, so lange weg blieben, aber sie waren solch guter Laune und erzählten von all den Dingen, die sie gesehen hatten, dass wir es unterließen, ihnen eine Moralpredigt zu halten. Die angedrohte Meuterei von heute morgen war uns noch zu lebendig in Erinnerung. Außerdem hatten die Männer soeben herausgefunden, dass wir sowieso in einem Funkloch saßen…

Auf die Frage hin, wo denn das Feuerwerk und die Dekorationen seien, stutzten unsere Großen plötzlich… O-äh… das hatten sie wohl irgendwo vergessen…

Nun, mir sollt’s egal sein! Ich konnte Silvester auch ohne Knallerei auskommen. Als Dekorationen benutzten wir jetzt einfach ausgediente Alufolie in die der Schlachter unseren Aufschnitt gepackt hatte. Nur gab das ein kleines Problem mit Otto, der ständig versuchte, an die Decke zu springen, um die Dekoration abzulecken…

Wir waren gerade dabei, es uns bei Kerzenschein und Petroleumleuchten so richtig gemütlich zumachen und uns geistig darauf vorzubereiten, dass es zu Silvester weder etwas Warmes zu essen, noch Feuerwerk, Musik oder sonstige besondere Geschehnisse geben würde, als es einen Krach gab, der so klang, als sei ein Baum auf’s Haus gefallen!

Nun, Bäume gab’s hier glücklicherweise nicht. Dafür aber anscheinend reichlich andere, größere ‘un-identifizierte’ fliegende Objekte, wie sich bald herausstellen sollte-

Bei all unseren Problemen, mit denen wir hier innerhalb der letzten 18 Stunden zu kämpfen gehabt hatten, war uns gar nicht aufgefallen, wie sehr der Wind zugenommen hatte.

Da wir weder Radio, noch Fernsehen, hatten und in einem Funkloch saßen, wussten wir auch überhaupt nichts von der Sturmwarnung, die kurzfristig ausgesprochen worden war.

Jetzt, wo das Dachfenster eingeblasen war und das Wasser begonnen hatte, in die gute Stube zu treten, wurden wir uns auf einmal der Ernsthaftigkeit unserer Lage bewusst.

Obwohl es nicht gerade das Klügste ist, in einem Sturm aus dem Haus zu gehen… wenn man das Dach verliert und der Deich dabei ist durchzubrechen, dann ist es vielleicht doch angebrachter, die kaum noch schützenden vier Wände zu verlassen!

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Wir schafften es gerade noch, die ganze Familie, samt Otto zu evakuieren und dann ging’s nichts als heimwärts!

Wir fuhren die ganze Nacht hindurch, raus aus dem Sturm und zurück ins heimische, vertraute und vor allem friedlich Territorium.

Jetzt wollte ich nichts anderes mehr, als endlich nachhause zu kommen und ich denke den anderen erging es genauso. Wir waren alle stark erholungsbedürftig. Denn so ein Gemütlichkeitsurlaub mit der ganzen Familie kann ganz schön anstrengend sein.

Die Nachbarn machten erstaunte Gesichter, als sie uns so schnell wieder daheim sahen und auf die Frage hin, wie denn unserer Silvester gewesen war, antwortete ich wahrheitsgemäß: “Es wurde abgeblasen.”.

Diese Geschichte ist frei erfunden und stammt aus:  Skandinavischer Weihnachtszauber

Skandinavischer Weihnachtszauber (Skandinavische Weihnacht 2)

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