WIE MAN EIN MANUSKRIPT VERÖFFENTLICHT – TEIL 1

Die Solkrogen-Serie besteht zunächst (die ersten 3 Bücher) aus Briefromanen.

Die nachfolgenden Bücher sind eher im Tagebuchstil geschrieben. Dennoch kommen in den meisten Büchern viele E-Mails vor, die die Romanfiguren einander schreiben. Auf diese Art war es möglich, die Gedankenwelt zweier Generationen gegenüber zu stellen.

 

In dem dritten Solkrogenbuch ist die Beatrice dabei, ihr erstes Buch zu veröffentlichen.

Wir hatten uns für dieses Thema entscheiden, da es ja eigentlich jeden Autor betrifft. Wie veröffentliche ich mein Buch? Welche Chancen habe ich überhaupt, dass zumindest das Manuskript gelesen wird?

 

Nun, die unbarmherzige Wahrheit ist die: Die Chancen stehen nicht sehr gut; höchstwahrscheinlich wird noch nicht einmal jemand das Manuskript beachten. Meist bekommt man auch gar keine Antwort und wenn, dann wird einem gesagt, dass das Manuskript nicht kommerziell und nicht “mainstream” genug ist, um es zu veröffentlichen.

 

Aber selbst wenn man solch oberflächlichen Mist schreibt, der voll und ganz “mainstream” ist, man wird trotzdem ganz schnell herausfinden, dass die Verlagswelt eigentlich nur Insidern vorbehalten ist.

 

Dieser Umstand  erschuf in den 90er Jahren dann so langsam einen Markt, in dem Verlage an den Autoren verdienten, anstatt dass die Autoren von ihren publizierten Werken leben konnten. Das war ein sehr schmutziger Markt, auch Vanity-Publishing (Eitelkeitsverlegen) genannt und die Autoren liessen sich teilweise so über’s Ohr hauen, dass sie gar nicht so selten riesige Summen für ihre Bücher opferten, die sie natürlich nie wiedersahen. Von wegen “Vorschuss”! Das Geld war einfach weg, weil der Verlag, nachdem er schon kräftig am Autoren verdient hatte, natürlich kein Interesse mehr hatte, in Werbung zu investieren.

 

Die Situation verbesserte sich erst ein wenig, als die Print-on-Demand-Verlage die Szene eroberten. Doch selbst da verdienten die meisten Autoren noch weniger, als sie ausgaben.

 

Ganz zum Vorteil der Autoren wendete sich das Blatt erst, nachdem die ganz grossen Konzerne Selfpublishing der e-Books anboten. Seitdem braucht der Autor nur noch Zeit und Knowhow zu investieren und jeder kann also theoretisch ein Buch schreiben und es auch veröffentlichen.

 

In den Solkrogen-Büchern ging es letztendlich ja darum, dass die beiden Protagonistinnen sich selbst finden und sich geistig weiterentwickeln sollten. Der Beatrice hatte ihre Karriere zu schaffen gemacht, die ihr zwar reichhaltige finanzuielle Mittel beschert hatte, aber leider nicht das war, wovon sie überzeugt war. Sie wollte so gerne etwas ganz anderes machen, etwas kreatives oder zumindest etwas, mit dem sie die Welt verbessern konnte.

 

So einfach war das letztendlich nun doch nicht und es fiel den Autorinnen auch sehr schwer, mit einer Idee zu kommen, was das sein sollte, das die Romnanfigur “Beatrice” fortan machte. Das Problem war die andere Romanfigur, die ja bereits Künstlerin war und auch schon kräfig “auf alternativ” machte. Zweimal das Gleiche konnte man ja schlecht schreiben. Das wäre einfach zu viel Klischee auf einen Haufen gewesen.

 

Daher wurde entschieden, dass man sie zunächst den Weg als Fotografin einschlagen lassen würde und schliesslich sollte sie sich abermals auf das Geschäftliche besinnen und einen eigenen Verlag gründen. Das erschien den Autorinnen als die realistischste Lösung und es war auch etwas, wovon man ausging, dass es eine Grosszahl von Lesern interssieren würde, wenn sie Schritt für Schritt miterleben konnten, wie das erste Buch zustande kam und wie der Verlag entstand und heranwuchs. Schliesslich liebäugeln die meisten Menschen ja damit, irgendwann einmal selbst einmal ein Buch herauszugeben.

 

Der untere Text ist ein Auszug aus einem Brief, den die Beatrice an ihre Freundin Katharina schreibt. Sie ist soeben mit ihrem Bildband von Berlin fertig geworden und versucht nun, einen Verlag zu finden. In dem Text wird beschrieben, wie sie das anstellt.

Die Adressen der Verlage und Literaturagenten hat sie sich bereits im Telefonbuch/Internet zusammengesucht und versucht nun, jemanden zu finden, der bereit ist, zumindest einmal das Manuskript zu lesen. Zu diesem Zweck schickt sie zunächt 50 dicke Briefe als Bewerbungen heraus.

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Liebe Katharina!

Du fragst nach meinem Buch-Projekt. Ja, ich werde die 50 Briefe noch morgen abschicken. Das war ein enormer Arbeitsaufwand gewesen, denn ich habe ja immer noch meine “kleine Nebenbeschäftigung” der Immobilienvermittlung! Es war nicht immer so einfach, Zeit für alles zu finden. Reinhard habe ich schon einige Tage weder gesehen, noch gesprochen und für andere soziale Kontakte war ebenfalls keine Zeit. Nur mit Frida korrespondierte ich mehrmals täglich via E-Mail, denn es gab doch so viele Korrekturen, über die man geteilter Meinung sein könnte. Die wenigsten Dinge sind völlig schwarz oder weiß. Dazwischen liegt eine große Palette von Grautönen, die die naheliegende Wirklichkeit ausmachen.

 

Um auf meine 50 Bewerbungsschreiben zurückzukommen: in jedem Brief liegt ein Schreiben an den Verlag, das freundlich und sachlich erklärt, warum mein Buch das Potential zum Bestseller hat und sich für genau diesen Verlag rentieren sollte. Dann liegt ein kurzgefasstes Inhaltsverzeichnis und ein beispielhaftes Kapitel bei, 3 repräsentative Fotos und der CV, der mich positiv und als qualifiziert darstellt. Ein stattliches Foto, das mich als Dame von Welt zeigt, habe ich ebenfalls hinzugefügt.

Vielleicht lachst du jetzt. Aber Katharina, die Welt besteht heutzutage aus PR (Public Relation = Reklame) und wenn man nicht alles daran setzt, sich gut zu verkaufen, kann man sich in den meisten Fällen von vornherein die Mühe sparen, denn es wird sowieso kein Mensch daran interessiert sein, sich mit einem abzugeben. Traurig, aber wahr! So ist das Geschäftsleben; das habe ich lange genug in meinem Bereich erfahren müssen und ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Verlagswesen besser sein wird. Eher noch schlimmer, denn hier ist man ja noch mehr auf positive Werbung und das Wohlwollen des Käufers, aufgrund eines ersten Eindrucks, angewiesen.

Jetzt bleibt mir wohl nur übrig zu hoffen, dass man mein Manuskriptangebot attraktiv finden wird. Mit dem Abschicken der Briefe ist die Sache nun vorerst für mich abgeschlossen. Es wäre nicht sinnvoll, zu diesem Zeitpunkt Weiteres zu unternehmen und somit lasse ich es auf sich beruhen und wende meine ganze Aufmerksamkeit meinem bevorstehenden Urlaub zu!

Quelle:  Solkrogen 3 – Nordische Abenteuer

Solkrogen 3 - Nordische Abenteuer

CV = Curriculum Vitae, das ist der Lebenslauf, den man einer Bewerbung beifügt

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