Solkrogen 6 – Auf dem Weg gen Süden

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Was vorher geschah

Die ersten drei Solkrogen-Bücher spielen hauptsächlich im dänischen Hafen von Solkrogen. Dort wohnt die Künstlerin Katharina mit ihrer Familie. Gemeinsam versucht man, seinen ökologischen Traum zu verwirklichen, während die Kinder Oliver, Mia und Toulouse langsam heranwachsen.

Als Kontrast dazu wird das Leben von Katharinas Freundin Béatrice geschildert, einer erfolgreichen Berliner Geschäftsfrau, die sehnlichst nach der großen Liebe und einem etwas tieferen Sinn im Leben sucht. Letztendlich führt sie das Schicksal nach Kanada, doch im Herzen verbleibt sie weiterhin eine waschechte Berlinerin.

In Katharinas Leben häufen sich ebenfalls die Ereignisse und Verwicklungen, welche uns ebenfalls in unterschiedliche Länder führen. Dennoch ist das vorherrschende Thema Skandinavien. Man folgt einer Familie durch dick und dünn und erlebt mit, wie der dänische Alltag auf dem Lande aussieht.

In „Solkrogen 4 – Ein Jahr auf der Insel“ sind die Kinder nun erwachsen. Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht von der Tochter Mia geschildert, die als Einzige Solkrogen verlassen hat. Ihre Reisen führten sie zunächst über den großen Teich, bis sie schließlich als Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation in Afrika arbeitete. Etliche Jahre des Aufopferns endeten mit einem Landminen-Unglück, bei dem sie schwer verletzt wurde.

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Endlich wieder zurück in Dänemark, versucht sie dann, sich ein neues Leben aufzubauen und zieht auf eine einsame Insel. Auf Fejø ist sie dabei, ihren Hof zu renovieren und ihre Plantage zu pflegen, als sie die Liebe ihres Lebens trifft. Da der Hof noch nicht so viel abwirft, muss sie nebenher noch arbeiten und hat so ein paar Unterrichtsstunden an der örtlichen Schule. Zusätzlich hilft sie Béatrice mit ihrem Verlag.

Nicht nur ist dieses Leben recht stressig, ihr Auserwählter hat auch selbst mehr Probleme, als sie ahnt. Letztendlich kommt es dennoch zur Hochzeit, welche gleichzeitig auch die Adoption seiner kleinen Tochter Myriam mit sich bringt.

Alle Höhen und Tiefen werden in der großen Familie zusammen erlebt und so spielen sich die Ereignisse meist auf Fejø, in Solkrogen oder in Kanada ab.

Kurz nach der Hochzeit entscheiden Mia und ihr Gatte Yves, nach Afrika zurückzugehen, um noch einige ungelöste Dinge in Ordnung zu bringen. Erst danach können sie wieder ein glückliches Leben führen. Am Anfang von „Solkrogen 6 – Zwischen Afrika und Skandinavien“ befinden sie sich auf dem Weg dorthin.

Man kann jedes Buch als eine eigenständige Geschichte lesen, doch damit man sich etwas besser in die Geschehnisse hineinversetzen kann, bringen wir untenstehend noch einmal den letzten Brief aus dem 5. Solkrogen-Buch, bevor es wieder mit neuen Abenteuern weitergeht.

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Kirsebærgården, Freitag, den 27. Dezember 2013

Liebe Béatrice,

Es ist schon spät. Ich habe die kleinen Würmchen schon ins Bettchen gebracht, doch kann selber noch nicht schlafen. Zunächst habe ich im Internet geschaut, Social Media und Youtube, um mich einfach ein wenig abzulenken, doch ich denke, ich schreibe dir jetzt lieber, was bei uns los ist, denn am Telefon bringe ich es doch nicht über die Lippen.

Ach Béa, du wirst es nicht glauben! Mia ist wieder nach Afrika gereist!!! Und da gab es auch gar nichts, was ich dagegen tun konnte. Ich hatte wirklich alles erwogen: ihr ins Gewissen zu reden… zu bitten und zu betteln… Doch ihr Gesichtsausdruck sagte einfach alles: Sie war voll und ganz entschlossen und würde das auch durchziehen, egal, was ich sagen oder tun würde. Also tat ich lediglich das, worum man mich bat und stimmte zu, auf die Kinder aufzupassen und gab mich ansonsten nur von der Seite der unterstützenden Großmutter, obwohl sich in meinem Inneren alles dagegen sträubte. Doch was sollte ich anderes machen?

Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hattest, als wir bei euch in Vancouver waren… Edward hatte mir ein paar Bücher empfohlen. „I will not be broken“ von Jerry White, war eines von denen, die ich mir bestellte und worin ich fleißig las. Ein Abschnitt beschreibt, wie seine Mutter ausflippte, als sie ihn im Krankenhaus besuchte und überhaupt nicht mit der Tatsache fertig wurde, dass er nun einen Fuß weniger hatte. Daraufhin nahm eine andere Mutter sie unter ihre Fittiche und trichterte ihr ein: Wenn du ausflippen willst, dann tust du es bei mir zuhause oder anderswo, aber nie und nimmer vor deinem Kind!

Nun gut, weil er das so betont hat und da Mia sich immer so reserviert zeigt und stets so tut, als wäre alles bestens, habe ich mir das also auch zu Herzen genommen, mache gute Miene zum bösen Spiel und unterstütze sie stillschweigend. Denn das scheint wohl zu sein, was erwünscht ist. Bleibt nur zu hoffen, dass es wirklich für’s Beste ist und dass sie wohlbehalten wieder nach Hause kommt, denn wenn ihr wieder was passiert… Béa, ich kann das nicht noch einmal aushalten!!!

Ach, warte mal kurz… es kommt gerade ein SMS…

Oh es ist von Mia…

Mama,

hab gerade deinen Brief aus Kanada gelesen. Danke, dass du nie aufgegeben hast! Hab dich ganz doll lieb!!!

Gruß & Kuss, Mia

Nun… ich hatte ihr einen Brief von unserer Reise zu dir geschrieben… den hat sie jetzt also endlich gelesen.

Oh meine kleine Maus!

Wenn die kommenden zwei Wochen doch bloß schon um und sie alle wieder wohlbehalten zuhause angekommen wären!!!

Ach, was mache ich mir Sorgen! Es wird schon alles gutgehen und jetzt brauchen mich erst einmal die beiden Kleinen.

Wir haben sie beide hier bei uns im Kirsebærgården einquartiert und du kannst dir kaum vorstellen, wie sie mich auf Trapp halten!

So, jetzt werd ich mir schnell noch einmal Melanies „Till they all get home“ anhören und ein paar Tränen vergiessen, bevor ich mich auf ins Bett mache. Die Kleinen werden morgen recht früh wach sein und ich muss mich jetzt zusammennehmen und ganz und gar für sie da sein, denn sie brauchen die Oma wirklich. Und ja, selbst der kleine Ulf-Johan fängt auch schon an, mich als Oma zu sehen… also ich scheine nun wirklich kaum mehr als Katharina zu existieren, sondern nur noch als Großmutter und Mädchen für alles!

Melanie Safka: Till they all get home

http://www.youtube.com/watch?v=n0d-oZgYemc

Lyrics: http://lyrics.wikia.com/Melanie:Till_They_All_Get_Home

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Habe gerade deinen Brief erhalten und bin immer noch am Kopfschütteln. Ich muss dir auch sagen, dass ich ganz schön sauer bin, denn ich hatte ihr eigentlich frei gegeben, damit sie sich ein wenig erholen kann und nicht damit sie sich jetzt noch ein zweites mal in die Luft jagen lässt! Frage mich, wie sie sich das so vorstellt, einfach so abzuhauen! Weißt Du, wann genau sie wieder zurück ist? Ich kann sie auch gar nicht erreichen. Hat sie ihr Handy denn nicht mit dabei?

Guten Morgen Béa!

Ihr Handy hat sie dabei, doch zur Zeit ist wohl keine Deckung dort, wo sie gerade sind. Man braucht wohl eher ein Satellitentelefon in den dortigen Breitengraden…

Ich habe neulich mit ihr gesprochen. Aber auch nur kurz und ich konnte kaum etwas verstehen, da war ständig dieses statische Rauschen in der Leitung. Doch mach dir keine Sorgen, sie hat gesagt, sie wird rechtzeitig für eure Valentinstag-Kampagne zurück sein. Sie hat auch schon so einiges dafür vorbereitet, wie mir scheint. Hier liegt jedenfalls reichlich in ihrem Büro herum.

Ich bin dieser Tage mit den Kindern auf Fejø. – Teils, um das Haus warmzuhalten und aber auch, damit die Kinder nicht immer ständig hin- und hergerissen werden. Jetzt haben sie sich ja schon ein wenig an die Insel gewöhnt, also sollen sie sie weiterhin als ihr Zuhause betrachten.

Gut zu wissen, dass sie wenigstens gut angekommen sind und dass Mia die Kampagne nicht vergessen hat. Ein gar nicht so geringer Teil unseres Umsatzes beruht nämlich auf ihr.

Aber sag mal Katie, warum in aller Welt ist sie denn wieder nach Afrika geflogen? Und was ist mit Yves? Hat sie Ihren Mann zuhause gelassen? Und warum passt du auf den kleinen Ulf-Johan auf? Ist sie mit Bjørn dort?

Sie sind alle gemeinsam dort: Bjørn, Yves und Mia. Es ging anscheinend darum, dass sie herausfinden wollten, was wirklich geschehen ist.

Was meinst du mit “was wirklich geschehen ist”? Das ist doch wohl kaum zu übersehen: Sie ist bei ihrem “durch-die-Weltgeschichte-Ziehen” so unvorsichtig gewesen, dass sie sich erst von Rebellen kidnappen ließ und dann auch noch in ein Minenfeld reinlatschen musste! Also wie kann man so unverantwortlich sein?!

Und ich muss auch sagen, ich bin genauso stinkend sauer auf dich. Warum schickst du mir die Nachricht, dass sie klammheimlich abgehauen ist, per Brief, so dass ich es erst erfahre, wenn alles schon viel zu spät ist und man doch nichts mehr dran ändern kann?

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Béa, sie hat sich nicht irgendwie abgesetzt oder ist zum Spaß an der Freud da. Sie und Bjørn besuchen das Dorf, das neben dem Minenfeld und dem Lager liegt, in dem man sie gefangen gehalten hatte. Sie sagte, sie müsse herausfinden, was geschehen ist. Ansonsten könne sie ihre Alpträume und Schuldgefühle nicht loswerden und kein normales Leben leben. Und Bjørn wollte natürlich sehen, wo und wie seine Frau uns Leben kam. Yves hingegen ist dort, um ein paar Dinge mit dem Anwesen zu regeln, das er von seinem Vater geerbt hat. Es ist anscheinend nötig, dort persönlich zu erscheinen, um die rechtlichen Dinge in die Wege zu leiten.

Entschuldige, Katie. Das war taktlos von mir gewesen. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sie damit abschließen muss.

Es ist nur so… ich habe mit der Zeit schon so auf sie gebaut, dass wir in der Firma kaum mehr ohne sie auskommen können.

Doch entschuldige, dass ich so egoistisch war. Es ist hier heute so einiges schiefgelaufen und ich bin völlig übermüdet.

Darüber hinaus mache ich mir natürlich auch Sorgen um sie.

Ja, wer tut das nicht?! Ich konnte anfangs auch gar nicht schlafen vor lauter Sorgen. Doch jetzt bin ich irgendwie ruhiger geworden. Zum einen sind da die beiden Kleinen, zum anderen kann ich ja doch nichts dran ändern, egal, wie viele Nächte ich kein Auge zutue.

Was ist denn bei dir schiefgelaufen?

Ach…! Das ist überhaupt keine angenehme Geschichte. Eine Mitarbeiterin, die schon länger bei uns ist, hat uns betrogen. Habe sie heute der Polizei übergeben. Ich tat das wirklich sehr, sehr ungern, denn das wird in keine gute Reklame für uns werden. Doch was soll’s! Ich kann auch nicht stillschweigend zusehen, während sie die Konten leerräumt und vertrauliche Informationen an die Konkurrenz weitergibt.

Aber jetzt weißt du, warum ich Mia noch mehr brauche als sonst. Sie ist mehr oder weniger “Familie”und meine engste Vertraute in der Firma. Ich baue voll und ganz auf sie. Hatte eigentlich versucht, sie zu erreichen, um ihr eine Führungsposition anzubieten.

Doch das kann ich später immer noch tun.

Selbstverständlich kann ich verstehen, dass sie irgendwie versuchen muss, mit der Vergangenheit fertig zu werden.

Ich bin nur heute völlig durchgedreht.

Ich werd jetzt ins Bett gehen. Pierre schläft sowieso schon längst.

Hab du einen schönen Tag und lass mich bitte wissen, sobald du wieder von ihr hörst oder wenn sie zurück sind.

Alles Liebe, Bea

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Frankfurt, Donnerstag, 9. Januar 2014

Weiß nicht, warum ich das Tagebuch mitgenommen habe. Wohl, weil ich wusste, wie viel Warte- und Flugzeit auf mich zukommen würde. Ansonsten bin ich nämlich nicht der Typ, der gerne viel mit sich herumschleppt. I travel light. As light as possible. Das haben mich die vielen Reisen der vergangenen 10 Jahre gelehrt. Ich glaube, am Anfang überlegt man noch, welches Kleidchen am Abend hübsch im Restaurant aussehen würde. Nach Jahren in der Fremde, oft unter primitivsten Umständen, denkt man dann eigentlich nur noch an das, was wirklich notwendig ist: Pass, Geld, Kreditkarten, Feuerstahl, ein Messer, das durch den Zoll kommen kann, eine Wasserflasche und ein „medical kit“. So viel anderes ist eigentlich gar nicht mehr nötig und es ist mir auch völlig egal, wie ich aussehe. Hauptsache, ich erfriere nicht und werde von keinem Krabbelzeugs aufgefressen. Dann bin ich schon ganz zufrieden.

Daher ist dieses Tagebuch durchaus als Luxus einzustufen. Doch irgendwie muss ich mir ja die Zeit vertreiben und es ist höchstwahrscheinlich auch das allerletzte Mal, das ich in Afrika bin. Jetzt habe ich ja eine Familie und es geht mir auch nicht mehr so blendend, dass es angebracht ist, weiterhin solche Reisen zu unternehmen.

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Photo: Rhoda Winther

Wie wenig mein gesundheitlicher Zustand sich mit Fernreisen dieser Art vereinbaren ließ, verdeutlichte mir schon der Hinflug. Mir bewusst, dass diese Reise das Einzige sein würde, das zumindest ein klein wenig an Flitterwochen erinnerte, hatte ich mir eigentlich vorgenommen gehabt, die Stunden im Flugzeug mit Yves so weit zu genießen, wie es nur möglich war. Yves dachte anscheinend genauso. Doch egal, wie sehr ich bemüht war, mir nichts anmerken zu lassen und mich voll und ganz darauf zu konzentrieren, was wir hier und jetzt Schönes zwischen uns hatten, das Stillsitzen auf kleinstem Raum war gar nicht gut für mich…

Quelle… Solkrogen 6 – Zwischen Afrika und Skandinavien

Solkrogen 6: Zwischen Afrika und Skandinavien

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